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Nach Schutz durch Bafin:Deutsche Finanzaufsicht schützt Wirecard vor Spekulanten

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Die Zentrale von Wirecard in Aschheim bei München.

(Foto: AFP)

Nachdem Hedgefonds das Unternehmen seit Wochen attackieren, schreitet nun die Finanzaufsicht ein. Was ist da los?

Das gab es in Deutschland noch nie: Die Finanzaufsicht Bafin verbietet Wetten auf einen fallenden Aktienkurs bei einem Dax-Konzern. Es geht um den Zahlungsdienstleister Wirecard aus Aschheim bei München. Das Unternehmen wird seit fast drei Wochen von sogenannten Leerverkäufern attackiert. Mit dem spektakulären Schritt will die Bafin Schaden vom Aktienmarkt abwenden. Durch Leerverkäufe profitieren Investoren davon, wenn eine Aktie fällt. Der Wirecard-Kurs ist seit dem 30. Januar mehrmals massiv eingebrochen, weil die Financial Times wiederholt über angeblichen Betrug und angebliche Geldwäsche eines Managers in Singapur berichtete. Weil die Bafin das Unternehmen jetzt schützt, stieg der Kurs der Wirecard-Aktie am Montag um 15 Prozent. Vorher hatten Leerverkäufer auf die Aktie gewettet. Sie machten durch den Kursabsturz Gewinne in Millionenhöhe.

Wie begründet die Finanzaufsicht den Schritt?

Die Bafin sagt, dass die "ungünstigen Entwicklungen" rund um die Aktie von Wirecard "eine ernstzunehmende Bedrohung für das Marktvertrauen" in Deutschland darstellen. Auch die europäische Marktaufsichtsbehörde Esma habe dem Verbot zugestimmt. "Die vorgeschlagene Maßnahme ist angemessen und verhältnismäßig, um der Bedrohung der deutschen Finanzmärkte zu begegnen", teilte die Esma mit.

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Warum darf die Finanzaufsicht Leerverkäufe verbieten?

Das ist noch verhältnismäßig neu. Nach der Finanzkrise haben sich die EU-Staaten auf neue Gesetze geeignet, um eine erneute Krise zu verhindern. Dabei haben sie 2012 auch neue Regularien zu Leerverkäufen erlassen. Wenn eine Aktie deutlich gegenüber der Schlussnotierung am Vortrag gefallen ist, muss die zuständige Finanzaufsicht, in diesem Fall die Bafin, das prüfen. Sie kann dann ein Handelsverbot für den Tag aussprechen. Das hat sie bei Wirecard in den vergangenen Wochen bereits öfters getan. Kommt die Behörde darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass beispielsweise ständige Kursabstürze dazu führen, dass eine ernstzunehmende Bedrohung der Finanzstabilität oder des Marktvertrauens vorliegt, kann sie Leerverkäufe auch über längere Zeit verbieten. Das sieht die Finanzaufsicht im Fall Wirecard gegeben. Es ist das erste Mal, dass dies in Deutschland nach dem neuen Gesetz passiert. In Spanien und Italien kam es schon gelegentlich vor.

Wie genau funktioniert ein Leerverkauf?

Leerverkäufe gehören zu den riskantesten Wetten an den Finanzmärkten. Ein Beispiel: Ein Hedgefonds geht davon aus, dass eine Aktie zu hoch bewertet ist. Sie steht bei 100 Euro. Er besorgt sich eine Million Aktien zur Leihe. Das organisiert ein Zwischenhändler, meist eine große Investmentbank. Sie wendet sich an andere professionelle Investoren, die die Aktie besitzen. Von diesen leiht der Zwischenhändler sich gegen eine Gebühr die Aktien und reicht sie an den Auftraggeber weiter. Der verkauft die geliehenen Aktien an der Börse zum Kurs von 100 Euro. Die Wette geht für den Hedgefonds gut aus, wenn die Aktie in den folgenden Tagen beispielsweise auf 80 Euro fällt. Dann kauft er die Aktien an der Börse wieder und gibt sie zurück. Sein Gewinn beträgt in diesem Fall 20 Millionen Euro, abzüglich der Leihgebühr. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen, wenn die Aktie steigt. Im Extremfall ist ein Mehrfaches des Einsatzes weg, wenn sich der Wert zum Beispiel verdreifacht. Deshalb gelten Leerverkäufe als hochriskant. Für Privatanleger sind sie verboten.

Wie erfährt die Bafin von den Leerverkäufen?

Leiht sich eine Investor mehr als 0,2 Prozent des an der Börse gehandelten Aktienkapitals eines Unternehmens, muss er die Finanzaufsicht informieren. Übersteigt die Höhe 0,5 Prozent des Aktienkapitals, ist auch eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger Pflicht. Das ist das öffentlich zugängliche Register für Unternehmens- und Marktdaten.

Wer sind die Leerverkäufer bei Wirecard?

Derzeit stehen zwei Unternehmen in Bundesanzeiger: Slate Path Capital und Odey Asset Management. Beide sind Hedgefonds, Slate Path sitzt in USA, Odey in London. Sie wetten schon seit mehreren Jahren immer wieder auf die Wirecard-Aktie, wie die Historie des Registers zeigt. Zusammen haben die beiden Hedgefonds 2,27 Prozent der frei umlaufenden Wirecard-Aktien geliehen. Es könnte sein, dass die Quote insgesamt deutlich höher ist, weil Positionen von weniger als 0,5 Prozent noch dazukommen.