Wahlkampf-App Trumps Fan-App hat bereits 115 000 Downloads

Hinter Trumps Häuserwahlkampf-App Advantage steckt Bridgetree, ein Unternehmen aus South Carolina, das sich seit Jahren auf Datenmanagement für Marketing spezialisiert. Die App verbindet sich mit den Datenbanken der Partei der Republikaner, die Informationen aus öffentlich zugänglicher Wahlhistorie, sozialen Medien, Parteimitgliedschaft, Spendenkatalogen und Konsumentendaten sammelt.

Auch Thomas Peters verdient Geld mit Trump. Der Gründer und Chef der Firma U-Campaign hat die offizielle "America First"-App für Trump-Fans programmiert. Er ist überzeugter Republikaner und war frustriert, als Mitt Romney, der Kandidat der Republikaner im Jahr 2012, so hoch gegen Obama verlor. "Ich wusste, dass Republikaner bei jungen Leuten unbeliebt sind, und lange Zeit setzten sie moderne Technik schlecht ein", sagt er. "Die Millennials nutzen ständig ihre Smartphones: Wenn Regierungen und Parteien relevant bleiben wollen, müssen sie dort zu finden sein." Peters, mit 31 Jahren selbst ein Millennial, hat fünf Mitarbeiter. Seine Firma hat unter anderem Handy-Anwendungen für die Waffenlobby NRA entwickelt. 115 000 Mal wurde seine Trump-App schon heruntergeladen, erzählt er, zieht sein iPhone aus der Tasche und präsentiert sein Produkt: Auf dem Startbildschirm der App reckt Trump den Daumen in die Höhe.

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"Hillary 2016" ist "Amerika First" technisch ein paar Schritte voraus

Das Ziel von U-Campaign: Die User sollen möglichst viel Zeit mit der App verbringen. Es gibt bei "America First" allerlei Informationen zu Wahlkampfauftritten und Wahlprogramm, aber vor allem geht es darum, den Wähler bei Laune zu halten. Wer Freunde dazu bringt, "America First" herunterzuladen oder Geld an die Kampagne spendet, erhält Punkte. Je mehr Punkte man hat, desto höher ist der Status in der Gemeinschaft der Trump-Fans - von "Apprentice" bis "Big League". Was wie ein Spiel klingt, ist genau das: Gamification heißt es, wenn sich Wähler angestachelt vom Wettbewerbsgedanken besonders reinhängen, um in den Ranglisten nach oben zu klettern.

Auch Clinton hat eine Fan-App. "Hillary 2016" ist der Trump-App technisch voraus, so wie das für die Demokraten Tradition hat, sie ist bunter und leichter zu bedienen. Auch Clinton setzt auf Gamification - die App-Nutzer können sich zum Beispiel ihr eigenes virtuelles Wahlkampfbüro aufbauen wie in einem Computerspiel. Aus Sicht der Wahlkampfstrategen ist es besonders wertvoll, dass die Apps mit den Facebook-Accounts und dem Adressbuch der Nutzer verknüpft sind. Studien zeigen, dass Menschen politische Werbung sofort als solche erkennen. Eine SMS- oder Facebook-Nachricht eines Bekannten tun sie weniger leicht ab, sagt Peters. "So eine Nachricht schickt niemand an alle Kontakte im Adressbuch, aber unsere App kann genau die zwei oder drei auswählen, die Trump mögen und noch nicht gewählt haben."

Programmierer hat bereits erste Gespräche mit deutschen Parteien geführt

Wenn es nach Peters geht, kann das Ausland vom US-Wahlkampf lernen. Drei Wochen vor dem Brexit-Referendum konnten Briten seine "Vote Leave"-App herunterladen. Der Auftrag sei klar gewesen, sagt Peters: "Die EU-Gegner wollten, dass die Nutzer merken, dass sie nicht als Einzige für den Austritt waren." Die mehr als 30 000 Nutzer der App haben SMS und Facebook-Nachrichten verschickt, in denen sie erklärten, warum sie für "Leave" stimmen würden. Wer ganz oben in der Rangliste der aktiven Nutzer war, bekam ein unterschriebenes Poster des Londoner Ex-Bürgermeisters und Austritts-Lobbyisten Boris Johnson. "Das kostet nur ein paar Euro, aber so etwas motiviert ungemein", sagt Peters.

Dass 2017 in Deutschland gewählt wird, weiß der Programmierer natürlich - und auch die AfD kennt er. Es habe erste Gespräche gegeben, sagt Peters, verrät aber nicht, mit welchen Parteien er spricht. Vorbehalte wegen des rechtspopulistischen Programms der deutschen Neu-Partei hätte er jedoch nicht, sagt er. Wie viele konservative Amerikaner ist er überzeugt, dass Parteien mit Außenseiterpositionen wichtig sind, um kontroverse Themen zu debattieren - und sie seien oft aufgeschlossener, neue Dinge auszuprobieren. Vielleicht wird so auch der Bundestagswahlkampf zum Smartphone-Spiel - und Leute ziehen per App gelenkt durch München und Bottrop so wie Thomas in Boardman.

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