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Währungen in Schwellenländern:Hausgemachte Probleme

Für die meisten Experten sind die Probleme in den Schwellenländern hausgemacht. Einige Staaten haben ein zu hohes Leistungsbilanzdefizit, das bedeutet, sie importieren mehr, als sie exportieren. Andere Länder müssen sich mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik oder Korruption abfinden. "Die Gruppe der Schwellenländer ist nicht homogen", sagt Hellmeyer. "Indien leidet unter Korruption, schwindender Wachstumsdynamik und mangelhafter Infrastruktur. Und in Brasilien machen neben der Korruption die Überkapazitäten im Rohstoffbereich Sorge." Insgesamt, so der Experte, würden sich diese Staaten dadurch angreifbar machen.

Es ist noch nicht lange her, da waren den Investoren die Probleme vor Ort reichlich egal. Für sie zählte nur die Rendite. Der Fokus auf das Ausland musste sein, denn in der Heimat gab es zu wenig Zins, auch den Aktienmärkten traute 2010 und 2011 kaum ein Anleger über den Weg.

Doch nun hat sich der Wind gedreht. Wieder ist die amerikanische Notenbank der Hauptakteur, denn sie hat ihren geldpolitischen Kurs geändert. Die Fed drosselt die Geldzufuhr. Es werden künftig pro Monat nur noch 65 Milliarden Dollar ins Finanzsystem gepumpt - vor einem Monat waren es noch 85 Milliarden Dollar.

Das mag wie eine Petitesse wirken, doch Anleger haben sofort reagiert. Sie wissen, dass die Fed das Ende des billigen Geldes eingeläutet hat. Investitionen in Schwellenländern werden dadurch riskanter. Die Geldmanager stecken das Kapital nun lieber in amerikanische Staatsanleihen, die nun höhere Zinsen abwerfen, oder in US-Aktien, die auch einen Lauf haben.

In den Schwellenländern erhöhen Notenbanken deshalb den Leitzins - etwa in der Türkei. Das soll die Nachfrage und damit den Wechselkurs der eigenen Währung stärken. Langfristig müssen diese Länder aber ihre Wirtschaft reformieren. Die Wachstumsraten in Schwellenländern gehen zurück, von zuletzt durchschnittlich acht Prozent auf knapp fünf Prozent.

Investoren ist das zu wenig. Sie suchen den Profit nun woanders.

© SZ vom 30.01.2014/fran
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