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VW: Piëch holt Suzuki:Die Wolfsburger Welt-AG

Der Volkswagen-Konzern als neue Welt-AG, mit Wolfsburg als Mittelpunkt: Die Vision des Patriarchen Ferdinand Piëch wird wahr.

Melanie Ahlemeier

Eben noch war es Porsche, dann Karmann - und jetzt ein Japaner. Der Volkswagen-Konzern kauft sich auf dem Weg zur Nummer eins der Auto-Welt, fast manisch getrieben, Größe zusammen. Mit dem jetzt verkündeten Einstieg bei Suzuki erweitert sich das Wolfsburger Imperium erneut.

Suzuki, Fotos: ddp, dpa, Reuters, Grafik: Wagner

Das VW-Dreigestirn aus Wolfsburg: Ferdinand Piëch, Martin Winterkorn und Christian Wulff (v.l.n.r.). Jetzt machen sie gemeinsame Sache mit Suzuki.

(Foto: Suzuki, Fotos: ddp, dpa, Reuters; Grafik: Wagner)

Das Ziel des Deals: Mit 19,9 Prozent einsteigen, dann ausbauen, in absehbarer Zeit das Kommando übernehmen und schließlich den Vertreter Nippons zu einer weiteren Marke im VW-Verbund machen. Es wäre die zwölfte.

Es ist die Handschrift von VW-Patriarch Ferdinand Piëch, 72. Er ist immer noch das Gehirn, sein Ziehsohn Martin Winterkorn die ausführende Hand. Zwischen die beiden Manager - die sich duzen, obwohl doch jeder weiß, dass sich wahrhaftig respektierende Männer siezen - passt kein Blatt Papier. Und im Hintergrund gibt der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) politischen Flankenschutz.

Es ist das Imperium des Ferdinand Piëch, seine Wolfsburger Welt-AG. Was vor Jahren dem Globalfanatiker Jürgen Schrempp bei Daimler nicht gelang, soll nun bei VW wahr werden.

Was hat den Oberingenieur Piëch, den Technikfanatiker, den Mann, der einst im Ein-Liter-Auto vorfuhr, zu dem neuen Superpakt getrieben? Hat er sich vom indischen Billiganbieter Tata inspirieren lassen?

Erst wenige Monate ist es her, dass der VW-Aufsichtsratschef angedeutet hat, sein Imperium von zehn auf zwölf Automarken erweitern zu wollen. Mit dem Einstieg bei Suzuki nimmt der große Plan konkrete Gestalt an.

Der neue Deal ist eine "strategische" Partnerschaft, wie die beiden beteiligten Unternehmen erklären. "Strategie" ist ein großes Wort, das zum Machtmenschen Piëch passt, den die britische Financial Times im Oktober 2005 als the powerful patriarch charakterisierte.

Piëch, der Mann mit "Benzin im Blut", gibt sich mit Kleinem nicht zufrieden. Porsche, das ist nice to have. Aber VW, das ist sein Lebenswerk. Dem Auto-Gesellschafter, als "Gottvater in Wolfsburg" verehrt, geht es um einen Konzernverbund, der alles kann - vom spritsparenden Kleinwagen hin zum schweren Lkw. Für den Wolfsburger Konzern, nach dem ein eigenes Gesetz benannt wurde, gelten eigene Gesetze.

"Wir bauen jetzt wieder Autos fürs Volk", hatte CDU-Politiker Wulff 2005 getönt, als er nach dem VW-Dirnen-Skandal bei "seinem" Autokonzern durchregierte, aufräumte und Köpfe wie den von Personalvorstand Peter Hartz rollen ließ. Am liebsten hätte "Terminator" Wulff damals wohl auch Chefkontrolleur Piëch vor die Tür gesetzt, doch der schwebt über den Fließbändern der Macht. Der Alte regiert immer noch, und der smarte Wulff hat sich mit ihm arrangiert.

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