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Volkswagen:Die Aufklärer vom Fließband

Berthold Huber

Als Interims-Vorsitzender des Aufsichtsrats war der Gewerkschafter Berthold Huber wohl eine treibende Kraft hinter dem Abschied des damaligen VW-Chefs Martin Winterkorn.

(Foto: dpa)

Die IG-Metall treibt Volkswagen vor sich her. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der VW-Chef gehen musste - und der Nächste könnte bald folgen.

Bei Volkswagen haben sie in den vergangenen Wochen wenig richtig gemacht - und vieles falsch. Richtig war es, den bisherigen Vorstandsvorsitzenden rasch auszutauschen: Nicht einmal zwei Wochen nachdem die Affäre um die manipulierten Abgaswerte publik geworden war, verlor Martin Winterkorn seinen Job; auch einige andere hochrangige Manager mussten gehen. Richtig war es auch, dass VW einen neuen Aufsichtsratschef bekommen hat. Der Autokonzern aus Wolfsburg hat viel schneller gehandelt als zum Beispiel der Industriekonzern Siemens aus München, der vor neun Jahren mehr als ein halbes Jahr benötigte, um seine Führungsmannschaft neu zu ordnen, nachdem der Skandal um schwarze Kassen im Unternehmen publik geworden war.

Mischung aus Hybris und Zentralismus

Falsch war es hingegen, dass man sich in Wolfsburg nun vor allem auf Leute von innen verlässt, um das zu schaffen, was man dringend braucht: eine neue Unternehmenskultur, ein Denken und Handeln, das sich nicht an maßlosen Zielen orientiert, nicht am übergroßen Ehrgeiz, den mächtigsten Autohersteller der Welt zu schaffen. Eine Mischung aus Hybris und Zentralismus, aus Egomanie und Machtstreben hat den Konzern ins Verderben geführt. Wer hier etwas ändern will, muss richtig durchgreifen, ohne Rücksicht auf Freundschaften. Das sollen in Wolfsburg nun Matthias Müller als Vorstandschef tun, und Hans Dieter Pötsch als Aufsichtsratschef, die beide Kinder des Konzerns sind - groß geworden in der Kultur, die nun nicht mehr trägt.

Die Verhältnisse in Wolfsburg zu verändern ist auch deshalb so schwer, weil dieses Unternehmen von drei mächtigen Interessengruppen dominiert wird: dem Land Niedersachsen, den Eigentümer-Familien Piëch und Porsche und der IG Metall. Für diejenigen, die im VW-Management die Macht haben, ist das bequem; denn die drei Gruppen müssen ihr kompliziertes Verhältnis immer wieder aus Neue austarieren: Sie tun sich und anderen deshalb nur ungern weh.

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Die IG Metall hat aus der Affäre bei Siemens gelernt

Und doch gibt es in Wolfsburg (und nun auch bei der Konzerntochter Audi in Ingolstadt) eine Interessengruppe, die die Aufklärung der Affäre vorantreibt: die Vertreter der IG Metall. Der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber hat, als er noch Aufsichtsratschef war, ganz entschieden dazu beigetragen, Martin Winterkorn aus dem Amt zu treiben; sein Rücktritt war nach allem, was man weiß, nicht freiwillig. Und nun erhöhen die Gewerkschafter auch den Druck auf Rupert Stadler, den Audi-Chef, der lange behauptet hatte: Wir bei Audi sind sauber; und der nun, auf einer Art Canossa-Reise zu den amerikanischen Umweltbehörden, einräumen musste: Wir sind doch nicht sauber.

Die IG Metall geht auch deswegen so entschlossen zur Sache, weil sie (und allen voran Huber) aus der Aufarbeitung der Siemens-Affäre gelernt hat. Die Mitbestimmung in Deutschland macht sich in diesem Fall also bezahlt - und könnte für Audi-Chef Stadler bedeuten, dass auch er diese Woche seinen Job verliert.

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