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Automobilkonzern:Bei Volkswagen ist jetzt mit allem zu rechnen

Führungsumbau bei VW

Gebäude der Volkswagen AG in Wolfsburg

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Am Donnerstagabend ist bei VW der Aufsichtsrat zusammengekommen, um über die Zukunft des Konzerns zu debattieren.
  • Es wird gerade radikal umgebaut: Manager werden rausgeschmissen, andere gehen freiwillig, gleichzeitig soll die Lkw-Sparte zurück nach München ziehen.
  • Einige sprechen bereits vom "größten Umbau der Konzerngeschichte" - andere zweifeln daran, ob sich VW wirklich rundum erneuern kann.

Noch bevor der Aufsichtsrat von Volkswagen am Donnerstag zusammenkam, sickerten die Nachrichten aus Wolfsburg heraus. Herbert Diess, der Matthias Müller an der Konzernspitze ablöst, wird noch mächtiger werden als gedacht - und soll neben dem Konzern und der Hausmarke Volkswagen auch noch die Marken Seat und Škoda dirigieren. Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz, seit Jahren Vorstand für Beschaffung, nebenbei Aufsichtsratschef beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg und ein Vertreter der alten VW-Garde, ist zusammen mit Müller raus, und auch Finanzvorstand Frank Witter, wie Sanz ein alter Intimus von Müller und mit den Umbaumaßnahmen und dem neuen Chef Diess nicht wirklich einverstanden, soll schlecht gelaunt sein. Auch, wie es heißt, weil er sich selbst zu Höherem berufen gefühlt hatte.

Und, auch dieses: Die Nutzfahrzeugsparte des VW-Konzerns mit den Marken MAN und Scania zieht von Braunschweig weg und ist auf der Suche nach einem neuen Büro-Domizil in München, um von da aus in Ruhe an ihren Börsenplänen arbeiten zu können.

Rücktritte, Rauswürfe, Weggänge, Umzüge - so sieht es aus, wenn ein Großkonzern wie VW groß umbaut. Im dritten Jahr nach dem Dieselskandal ist bei dem Autobauer alles im Fluss. Wenn Vorstandschefs über Nacht stürzen können, mit dem Ex-Betriebsratssprecher Gunnar Kilian der engste Vertraute des obersten Arbeitnehmervertreters Bernd Osterloh Personalvorstand werden soll, andere Vorstände kommen und gehen und dabei noch die gesamte Struktur des Unternehmens zur Debatte steht - dann darf man mit allem rechnen. Vor allem mit heftigen Diskussionen.

Am frühen Nachmittag kam das Präsidium des Aufsichtsrats zusammen, dann die Anteilseigner - dann gegen 20 Uhr die Nachricht, dass Herbert Diess neuer VW-Chef wird. Es gab viel Gesprächsbedarf, heißt es. Für einen Konzern wie VW, in dem die Familien Porsche und Piëch, Politiker des Landes Niedersachsen und Betriebsräte das Sagen haben und nicht immer unbedingt einer Meinung sind, bedeutete das konkret: Es wurde heftig verhandelt. Zum Beispiel die heiß diskutierte Aufteilung des Konzerns in sogenannte Markengruppen - sie war zunächst noch nicht klar entschieden. Der künftige VW-Chef Diess wünscht sich eine Unterteilung in Alltags-, Sport- und Luxusmodelle, dazu die Lastwagen, die in einer eigenen Firma an die Börse gehen sollen. Andere sehen diese Pläne skeptisch.

Jeder hat seine Gründe, kritisch zu sein. Zum Beispiel der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Dass die VW-Nutzfahrzeugsparte ihren Hauptsitz von Braunschweig nach München verlagern will, muss dem Politiker aus Hannover ein Dorn im Auge sein. Es geht um Jobs, um Steuern und um Standortpolitik. Am Donnerstagabend stand dazu noch nichts in der Meldung.

Aus Kreisen des Aufsichtsrats hieß es am Donnerstag, die Zentrale des unter dem Namen "Volkswagen Truck & Bus GmbH" firmierenden Geschäfts werde aus Weils Bundesland nach Oberbayern verlagert - darauf hätten sich die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bereits geeinigt. Hier in München sollen dann nach SZ-Informationen Bereiche wie Finanzen, Marketing, Kommunikation, Strategie, Recht und Personal angesiedelt werden. In Södertälje, am schwedischen Stammsitz der Lkw-Schwester Scania, sollen dann Produktplanung, Forschung und Entwicklung sowie der Einkauf des Bereichs angesiedelt werden.

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