Deutsche Bank und VW Gescheitert durch Lug, Trug und Größenwahn

Binnen weniger Tage tauschen zwei der wichtigsten Konzerne des Landes ihre Chefs aus

(Foto: dpa(2))

Die Deutsche Bank und VW tauschen ihre Chefs aus, um endlich zukunftsfähig zu werden. Annähernd vielversprechend ist jedoch nur eine der Neubesetzungen.

Kommentar von Ulrich Schäfer

Erst die Deutsche Bank - nun VW, erst die Krisenbank aus Frankfurt - nun der Krisenkonzern aus Wolfsburg: Binnen weniger Tage tauschen zwei der wichtigsten Konzerne des Landes ihre Chefs aus, und in beiden Fällen sind die bisherigen Männer an der Spitze am schieren Umfang der Aufräumarbeiten gescheitert, die sie zu leisten hatten - und daran, dass ihre Unternehmen ganz ähnliche Fehler gemacht haben, die zur Krise führten.

In beiden Fällen führten Lug, Trug und Größenwahn zum Niedergang. Bei der Deutschen Bank versuchten die Investmentbanker, ein viel zu großes Rad zu drehen; sie tricksten deshalb bei den Zahlen, bei Zinsen und Devisenkursen und verkauften ihren Kunden Wertpapiere, die nicht halten konnten, was sie versprachen. Bei VW wiederum tricksten die Ingenieure; sie frisierten Abgastests und Stickoxidwerte und versuchten den Kunden weiszumachen, dass die Dieselautos viel sauberer seien, als sie tatsächlich sind.

In beiden Fällen ging das ja auch jahrelang gut: VW stieg zum größten Autokonzern der Welt auf, die Deutsche Bank zu einem ihrer wichtigsten Geldhäuser. Doch dann kam die Krise - 2008 an den Finanzmärkten, 2015 beim Diesel - und der Absturz von zwei Vorzeigeunternehmen der deutschen Wirtschaft. Beide wollten zunächst nicht wahrhaben, wie ernst die Krise war, in die sie durch eigenes Verschulden hineingeraten waren, beide redeten die Probleme klein und waren der Auffassung, man könne sie mit den eigenen Leuten lösen. Mit neuen Chefs zwar, aber solchen, die von innen kamen, die das Unternehmen jahrelang kannten und es mitsamt seiner Kultur mitgeprägt hatten, mit Jain und Fitschen, Müller und Pötsch - und nicht mit einem Chef von außen, der nicht Rücksicht nehmen muss auf alte Seilschaften und Gefolgsleute oder gar auf Entscheidungen, die er selber mal getroffen hat. Das war hier wie dort der letzte, finale Fehler; er verlängert das Leiden.

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Inmitten einer großen Krise ist der Chef von innen, der sich durch die Hierarchien hochgearbeitet hat, oft der falsche; seine Reputation, sein Netzwerk sind viel wert, wenn es gut läuft. Wenn aber ein Konzern in eine sehr schwere Krise gerät, wenn es gar gilt, kriminelle Machenschaften aufzuklären, ist der Aufräumer von außen meist die bessere Wahl. Bei Siemens hat man dies gesehen: Nachdem 2006 der Skandal um die schwarzen Kassen aufgeflogen war, bekam der Industriekonzern erst einen Aufsichtsratschef von außen (Gerhard Cromme) und kurz auch noch einen Vorstandsvorsitzenden von außen (Peter Löscher). Sie führten Siemens aus der Krise, tauschten viele Führungskräfte aus, schufen neue Strukturen und vollzogen jenen Kulturwandel, der nötig war.

Die Deutsche Bank versucht es nun erneut mit einem Chef von innen, mit Christian Sewing; er arbeitet seit knapp drei Jahrzehnten für das Geldhaus. VW dagegen wird in Herbert Diess einen Manager an die Spitze berufen, der erst seit drei Jahren im Unternehmen tätig ist und davor fast zwei Jahrzehnte bei BMW gearbeitet hat. Diess hat immer noch den frischen Blick von außen, ein Vorteil; über ihm herrscht aber nach wie vor Hans Dieter Pötsch als Aufsichtsratschef, ein Mann von innen, der bis zur Dieselkrise die Finanzen von VW gemanagt hat, und ein treuer Diener der Eigentümerfamilien.

Mit anderen Worten: Bei VW haben sie zweieinhalb Jahre nach dem Ausbruch der Dieselkrise einen Teil der Lektion gelernt, aber immer noch nicht die ganze.

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