bedeckt München
vgwortpixel

US-Wahl:Was Obamas Sieg für die Wirtschaft bedeutet

Der Wahlkampf war kräftezehrend, doch Barack Obama bleibt nicht viel Zeit zum Verschnaufen: Die Wirtschaft seines Landes erholt sich zu langsam von den Folgen der Finanzkrise, die USA brauchen dringend neue Arbeitsplätze. Bis zum Jahresende muss der Präsident eine Lösung für das Schuldenproblem finden. Sonst droht ein tiefer Fall.

Selten haben Wirtschaftsthemen einen US-Wahlkampf derart dominiert wie in diesem Jahr. Auch vier Jahre nach der Lehman-Pleite haben sich die Vereinigten Staaten noch nicht von den Folgen der Finanzkrise erholt. Auch wenn sich die Aufmerksamkeit derzeit vor allem auf die Schuldenkrise in Europa konzentriert, stehen die USA vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Wachstumsdaten waren deshalb im Wahlkampf Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen zwischen den Kandidaten, die neuesten Zahlen vom Arbeitsmarkt schienen unmittelbaren Einfluss auf die Umfrageergebnisse zu haben. Bei Wirtschafts- und Finanzthemen waren die Kontrahenten Obama und Romney grundsätzlich unterschiedlicher Meinung.

Die Wähler haben sich nun für Obama entschieden. Was bedeutet sein Sieg für die Wirtschaft und die Finanzindustrie in den USA?

Kampf gegen die Staatsschulden

Amerika steuert auf einen gefährlichen Abgrund zu. Bis zum Jahreswechsel müssen sich Präsident, Senat und Repräsentantenhaus auf einen Plan zum Abbau der gigantischen Staatsschulden (16 Billionen Dollar) verständigen - andernfalls tritt im Januar eine automatische Schuldenbremse in Kraft. 600 Milliarden Euro werden dann durch Steuerhöhungen und Ausgabenkürzungen eingespart. Notenbank, Politik und die meisten Ökonomen sind sich einig: Ein Konjunktureinbruch wäre die Folge - im schlimmsten Fall rutscht das Land in die Rezession.

Die sogenannte fiscal cliff, die fiskalische Klippe, war absichtlich so schmerzhaft gestaltet worden, um die beiden Parteien zu einer vernünftigeren Haushaltsplanung zu zwingen. Nach Schätzungen der Haushaltsbehörde im US-Kongress würde sich durch den Sparautomatismus das Defizit gemessen an der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um vier Prozent verringern. Das ist zwar positiv, doch die wirtschaftlichen Folgen wären dramatisch.

Vor allem Investoren fürchten sich davor. Eine Gruppe von Anlegern, angeführt vom weltweit größten Vermögensverwalter Black Rock, hat Anfang der Woche ganzseitige Anzeigen in den größten amerikanischen Tageszeitungen geschaltet. Darin warnen sie: "Amerika steht vor einer akuten Krise, die im Wahlkampf kaum beachtet wurde."

Präsident Obama bleibt also nicht viel Zeit, um für eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern zu sorgen. Er würde die Steuerentlastungen für Geringverdiener und die Mittelklasse gerne aufrechterhalten und dafür die Reichen mehr Steuern zahlen lassen. Die Immobiliensteuer, die Romney gerne abschaffen würde, will Obama erhöhen. Beides wird mit den Republikanern nur schwer zu machen sein. Es droht ein erneuter Stillstand.

Deshalb gibt es schon Überlegungen, wie verhindert werden kann, dass die zerstrittenen Parteien das Land gemeinsam in die Haushaltskrise treiben. Die Deutsche Bank sieht in ihrem Bericht zur globalen Wirtschaftslage einen Aufschub als das wahrscheinlichste Szenario. Nur wenige Maßnahmen der automatischen Schuldenbremse würden durchgesetzt - ein Großteil würde einfach aufgeschoben. Eine nachhaltige Lösung für die Probleme des Landes wäre das freilich nicht.