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Konjunktur:Ob der Trend nachhaltig ist, muss sich erst noch zeigen

Puristen werden argumentieren, dass diese Erfolge mehr den Kräften des Marktes geschuldet sind als klugen politischen Entscheidungen - schließlich hat eine Regierung kaum Möglichkeiten, die Wirtschaftsentwicklung direkt und mit sofortiger Wirkung zu beeinflussen. Dennoch ist es Politikern nicht verboten, gute Zahlen für sich zu reklamieren. Frühere Präsidenten haben das genauso getan - wenn auch vielleicht ein wenig unaufdringlicher als der jetzige Staatschef.

Ob der Trend zu höheren Wachstumsraten aber nachhaltig ist, muss sich erst noch zeigen. 2013 und 2014 etwa wurden die beiden starken Quartale mit Zuwächsen von bis zu 5,2 Prozent jeweils von erheblich schwächeren Vierteljahren eingerahmt. Im Jahresschnitt blieb es damit bei einem Wachstum von rund zweieinhalb Prozent.

Kein Trump-Erfolg, sondern Spätfolge der Ära Obama

Auch die gute Arbeitsmarktlage muss in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Vergleicht man etwa das Jahr seit der Präsidentschaftswahl mit den unmittelbar davor liegenden zwölf Monaten unter Obama, so stellt man fest, dass die Beschäftigungsdynamik zuletzt sogar ein wenig nachgelassen hat: Unter Obama wurden monatlich im Schnitt 202 000 zusätzliche Jobs geschaffen, unter Trump sind es bisher "nur" 167 000.

Hinzu kommt, dass Arbeitsmarktzahlen etwas sind, das Ökonomen als "nachlaufenden Indikator" bezeichnen. Soll heißen: Firmenmanager versuchen stets, eine wachsende Produktion zunächst einmal mit dem vorhandenen Personal zu bewältigen. Erst wenn das nicht mehr geht, stellen sie - mit einer Verzögerung von durchschnittlich sechs bis neun Monaten - neue Mitarbeiter ein. Der Beschäftigungszuwachs unter Trump ist also eher eine Spätfolge der Ära Obama.

Solche Zusammenhänge sind allerdings recht kompliziert für jemanden, der einfache Botschaften mag. Trump verwies deshalb während seines Asien-Besuchs einmal mehr auf den Börsenboom, dessen Ursachen er genau kenne: "Der Grund, warum der Aktienmarkt so erfolgreich ist, bin ich!"

© SZ vom 08.11.2017/vit
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