US-Handelsbilanz Trump will die Handelszahlen frisieren

  • Laut einem Bericht erwägt die Regierung von Donald Trump, Statistiken so zu manipulieren, dass das Außenhandelsdefizit der USA deutlich größer wirkt.
  • Der Trick wäre simpel: Importe würden weiterhin voll erfasst, ein Teil der Exporte aber einfach nicht mehr berücksichtigt.
  • Mit den frisierten Zahlen will Trump offenbar Unterstützung für seinen Abschottungskurs erzeugen.
Von Nikolaus Piper

Wieder so eine Meldung aus Washington, die einfach nur bizarr klingt. Die Regierung von Donald Trump, so berichtet das Wall Street Journal, erwägt, die Außenhandelsstatistik der Vereinigten Staaten so zu ändern, dass das Defizit in der US-Leistungsbilanz größer erscheint, als es nach konventioneller Rechnung ist. Das soll dem Präsidenten dabei helfen, die Zustimmung in der Bevölkerung für Zölle, Strafsteuern und den Rückzug von Handelsabkommen wie dem transpazifischen TPP zu bekommen. Eine Bestätigung für den Bericht gibt es nicht. Der stellvertretende Stabschef beim US-Handelsbeauftragten, Payne Griffin, sagte nur: "Wir sind noch weit von der Entscheidung über das Thema entfernt." Das ist extrem zurückhaltend, aber alles andere als ein Dementi. Das Amt des Handelsbeauftragten selbst hat Trump bislang noch nicht besetzt.

Und darum geht es in der Sache: Jede Volkswirtschaft importiert Waren, die dann unverändert wieder exportiert werden. So könnte zum Beispiel ein New Beetle von Volkswagen aus dem Werk in Mexiko in die USA und von dort nach Kanada gebracht werden. In der herkömmlichen Statistik wird dieser Vorgang als Import und Export verbucht. Die Trump-Regierung plant nun angeblich, die Einfuhr zwar weiter als Import zu notieren, den Re-Export aber aus den Büchern verschwinden zu lassen. Dadurch würde das Leistungsbilanzdefizit automatisch aufgebläht und die Statistik entsprechend schief. Ein unmittelbarer Effekt wäre auch, dass die Handelsstatistiken der USA und Kanadas nicht mehr vergleichbar wären, denn der Export, den Trumps Leute aus ihrer Statistik gestrichen haben, würde ja trotzdem in der kanadischen Bilanz als Import auftauchen.

Experten rebellieren gegen den geplanten Trick

Normalerweise gehört es zur Praxis von Diktatoren, mittels frisierter Statistik ihre Misswirtschaft zu kaschieren. Aber eine amerikanische Regierung, die zu diesem Mittel greift, um die Lage des eigenen Landes schlechter aussehen zu lassen? Tatsächlich haben die zuständigen Beamten beim US-Handelsbeauftragten ihren Entwurf für eine Änderung der Statistik nur unter Protest abgeliefert, berichtet das Journal. Es wäre durchaus plausibel zu vermuten, dass aus dem Kreis der Zahlenexperten das Papier an die Öffentlichkeit durchgestochen wurde, um Schlimmeres zu verhindern.

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Generell grassiert unter Experten in Washington offenbar die Furcht, dass eine Welt der "alternativen Fakten" begonnen hat. Kurz nach Trumps Amtsantritt schrieb Brent Moulton, ein Statistiker, der gerade nach 32 Jahren bei den Statistischen Büros des Arbeits- und des Wirtschaftsministeriums in den Ruhestand gegangen war, einen Blogeintrag: "Warum ich mir Sorgen um die Unabhängigkeit der Statistischen Ämter der USA mache." Moulton beklagt, dass Donald Trump im Wahlkampf mehrmals die offiziellen Arbeitsmarktzahlen als "Schwindel" bezeichnet habe und kommt dann zum Wesentlichen: Es gebe in den USA zwar Regeln, die Statistiken vor direkter Manipulation durch Politiker abschirmten. Diese reichten jedoch nicht, um die Unabhängigkeit der Ämter zu schützen. "So kann ein Minister aus dem Kabinett immer noch eine Behörde anweisen, eine bestimmte Statistik zu entfernen oder die Methode so zu verändern, wie das politisch nützlich erscheint." Als "schlimmsten Fall" bezeichnet er die Aussicht, dass die Regierung durch die ständigen Attacken auf die Statistikämter dort die besten Leute vertreibt.

Statistiken müssen international vergleichbar bleiben

Mark Thoma, Professor an der Universität von Oregon, befürchtet eine "Politisierung" der Statistik. Wirtschaftliche Daten würden nutzlos, und "wir im Blindflug, wenn es um die wahre Lage unserer Wirtschaft geht".

Die Gerüchte um die amerikanische Handelsstatistik haben auch einen internationalen Aspekt. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in den einzelnen Ländern werden untereinander abgestimmt. Zuständig dafür sind die Vereinten Nationen, die regelmäßig Experten zusammenrufen, um über die Weiterentwicklung der Konzepte für das Bruttoinlandsprodukt zu beraten. Die nächste derartige Sitzung findet von 7. bis 10. März in New York statt.

Dale Jorgenson, Harvard-Professor und Experte für Wirtschaftsstatistik ist vor diesem Hintergrund gelassen. Trump werde mit seinem Vorstoß nicht weit kommen "Erfahrene Journalisten werden weiter die offiziellen (UN)-Daten verwenden, ebenso die vielen Wissenschaftler, die mit diesen Daten forschen."

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