Umstrittene Erdgasförderung:Wirtschaftsministerium sieht Zukunftsperspektive

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Denn auch außerhalb der Schutzgebiete können sie künftig die Förderung beschränken. Schließlich könnten Gefahren für das Grundwasser auch dann entstehen, "wenn Bohrungen neue Verbindungen zwischen verschiedenen Erdschichten herstellen".

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Regelungen so vom Bundestag erlassen werden, ist groß. Denn Ausgangspunkt des Minister-Vorstoßes ist eine Initiative von Union und FDP. Deren Experten hatten Ende Januar ein Papier erarbeitet und genau diese Regelungen gefordert: eine obligatorische Umweltprüfung einerseits, ein Verbot in Wasserschutzgebieten andererseits. Mit der Einigung am Montag haben Rösler und Altmaier sogar fast die Frist bis zur Fertigstellung eingehalten - die war erst am vorigen Freitag verstrichen.

Bundesrat ist die große Unbekannte

Allerdings gibt es noch eine große Unbekannte in dem Verfahren: den Bundesrat. Er muss der Neuregelung zustimmen. Allerdings fordern einige rot-grüne Länder ein Moratorium: Erst sollten alle Risiken der neuen Fördermethoden geklärt sein, ehe überhaupt Genehmigungen erteilt werden könnten. Selbst die Umweltverträglichkeitsprüfung ginge nach dieser Lesart zu weit: Denn ist die erst bestanden, müssen die Behörden auch die Genehmigung zum umstrittenen Fracking erteilen.

Dagegen setzt das Bundeswirtschaftsministerium darauf, dass sich die Unternehmen nun selbst um schonendere Technologien bemühen. "Die Industrie hat angekündigt, umweltfreundliche Methoden zu entwickeln", heißt es aus dem Hause Rösler. "Das bietet eine gute Zukunftsperspektive, auch wenn die tatsächlichen Fortschritte zunächst abgewartet werden müssen."

Interessenten an den unterirdischen Lagerstätten gibt es zuhauf. Unternehmen wie ExxonMobil, Wintershall oder die kanadische BNK Petroleum haben sich hierzulande schon entsprechende Claims gesichert. Ob sich die 2,3 Billionen Kubikmeter allerdings jemals fördern lassen, ist ungewiss, und das nicht nur der Auflagen wegen.

Wie viel Gas steckt im deutschen Schiefer?

Wie viel Gas sich tatsächlich im deutschen Schiefer verbirgt, konnte auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe nicht eruieren. Die 2,3 Billionen sind das Maximum - das Minimum liegt dagegen bei 700 Milliarden Kubikmetern.

Auch Polen, das sich einst riesige Mengen des unkonventionellen Gases versprach, musste seine Erwartungen zwischenzeitlich herunterschrauben. Allerdings gibt es auch andere Beispiele: Die USA etwa stehen vor einem unverhofften Überfluss, seit sie sowohl Öl als auch Gas mit den unkonventionellen Methoden fördern. Allerdings sind die auch weniger dicht besiedelt.

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