Infrastruktur:Telekom verkauft Zehntausende Funktürme

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Infrastruktur: Funkmasten lassen sich derzeit gut verkaufen.

Funkmasten lassen sich derzeit gut verkaufen.

(Foto: Leonid Eremeychuk/PantherMedia)

Für 17,5 Milliarden Euro gehen sie mehrheitlich an Investoren aus Nordamerika. Das deutsche Netz sei aber weiterhin sicher, betont das Unternehmen.

Von Jannis Brühl

Die Telekom macht Land, Beton und Stahl zu Geld. Der Konzern verkauft die Mehrheit an seiner Funkturm-Tochter GD Towers für 17,5 Milliarden Euro an zwei Investoren aus Übersee, die zusammen geboten haben: die kanadische Brookfield und die US-amerikanische Digitalbridge. Damit übernehmen ausländische Investoren mehr als 40 000 Funktürme in Deutschland und Österreich. An denen hängen die Antennen von Anbietern wie Vodafone, 1&1 und der Telekom selbst. In dem Geschäft geht es um die Türme und die Grundstücke, auf denen sie stehen - sogenannte passive Infrastruktur. Das Netz selbst bleibe in Händen der Telekom, sagt ein Konzernsprecher.

Die Investoren aus Nordamerika sind auf Infrastruktur spezialisiert. Brookfield gehören weltweit 200 000 Funktürme und Funkplätze auf Dächern. 10,7 Milliarden Euro des Kaufpreises fließen in bar, der Rest sind Schulden, die die Käufer übernehmen. Bei GD Towers arbeiten 800 Menschen. Der Telekom war der Betrieb der Türme zu anstrengend geworden, die Spezialisten aus Übersee können das effizienter, so die Überzeugung in Bonn. Vor allem aber brauchen sie dort das Geld. Die Telekom-Spitze möchte mit den Einnahmen Schulden abbauen, sie belaufen sich insgesamt auf mehr als 130 Milliarden Euro. Zudem möchte sie mit dem Geld in den USA die Mehrheit an T-Mobile übernehmen.

Brookfield setzte sich überraschend in einem harten Wettbieten durch. Sie stachen nicht nur ein Konsortium aus, das vom Investor KKR angeführt wurde. Erst spät taten sich die Kanadier mit Digitalbridge zusammen, nachdem deren vorheriger Partner ausgestiegen war: Cellnex aus Spanien galt eigentlich als Favorit für den Kauf. Der Marktführer in Europa wollte der Telekom aber Berichten zufolge maximal 20 Prozent der Anteile überlassen.

Schnelle Prüfung durch die EU-Kommission

Auch Vantage Towers, die Funkturmtochter von Vodafone, war interessiert. Ein Einstieg des Konkurrenten hätte jedoch die Wettbewerbshüter misstrauisch gemacht. Er sei zwar optimistisch gewesen, dass die Kartellbehörden auch eine Vereinbarung mit Vodafone genehmigt hätten, sagte Telekom-Chef Timotheus Höttges. Allerdings hätte eine Untersuchung zwölf bis 15 Monate gedauert - zu lange für ihn. Die Prüfung des Brookfield-Deals durch die EU-Kommission dürfte schneller gehen. Ende des Jahres will die Telekom ihn abgeschlossen haben.

Der Konzern erklärte, er werde über eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent und zwei Aufsichtsratsmitglieder weiter Einfluss nehmen. Man habe auch "über eine vorteilhafte langfristige Leasingvereinbarung von rund 30 Jahren weiterhin uneingeschränkten Zugriff" auf die Türme. Zudem habe man das Recht, die Kontrolle über das Unternehmen wieder zu übernehmen.

Aber haben ausländische Investoren einen Anreiz, sich hierzulande um kritische Infrastruktur zu kümmern? Der Sprecher sagt: "Selbstverständlich sind auch der weitere Netzausbau und die Modernisierung der Standorte gewährleistet und mit unseren Partnern fest vereinbart." Die Bundesnetzagentur erklärte: "Als Zuteilungsinhaber von Frequenzen hat die Telekom sicherzustellen, dass sie ihr Netz weiter ungestört betreiben und Frequenzen störungsfrei effizient nutzen kann."

Kritik am Verkauf übt Manuel Atug, IT-Sicherheitsexperte und Sprecher der AG Kritis, in der sich Experten für die Sicherheit von Deutschlands wichtigster Infrastruktur engagieren: "Wir möchten das Mobilfunk-Kernnetz mit den 'kritischen Komponenten‛ der kritischen Infrastrukturen besonders vor dem Ausland schützen. Aber zugleich lassen wir zu, dass 51 Prozent der physischen Komponenten der kritischen Infrastruktur-Basis an Investoren aus dem Ausland verkauft werden. Das passt für mich aus nationaler Sicherheitssicht nicht zueinander." Der Telekom-Sprecher sagt: "Es geht nur um Stahl, Beton und Grund und Boden, um alles, was nicht Technik ist: also keine Antennen, Netztechnik oder Glasfaserleitungen."

Das Geschäft mit den Funktürmen boomt, weil Europas Telefongesellschaften Masten und Festnetze verkaufen. Denn sie müssen viel Geld in Glasfaser und 5G-Netzwerke investieren. Investoren gelten die Türme als sichere Einnahmequellen. Die Mobilfunkanbieter schließen mit deren Besitzern langfristige Verträge ab, das Geld fließt zuverlässig. GD Towers erzielte 2021 einen Gewinn von 640 Millionen Euro.

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