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Energiewende in Deutschland:Klimakiller erlebt eine Renaissance

Dahinter stehen simple Marktmechanismen. Strom aus Braunkohle lässt sich nach wie vor billig gewinnen, billiger als aus Steinkohle, viel billiger als aus Gas. Dieses Ungleichgewicht sollte ursprünglich der Handel mit Emissionszertifikaten in der EU aufheben. Die Stromerzeuger sollten zusätzlich dafür zahlen, dass sie die Atmosphäre mit weiteren Treibhausgasen belasten. Die Logik dahinter war bestechend: Wenn man die Gesamtmenge an erlaubtem Kohlendioxid deckelt, gleichzeitig aber einen Handel mit Emissionszertifikaten erlaubt, dann stellt sich automatisch ein Preis für CO₂ ein. Je knapper die Menge, desto höher der Preis. Das hätte Braunkohle viel härter getroffen als Steinkohle und Gas. Dem Klima hätte es genutzt.

Kabinett entscheidet über Tagebauerweiterung Welzow-Süd

Erst kürzlich hat Brandenburg entschieden, dass Vattenfall den Tagebau in Welzow-Süd weiter ausbauen kann.

(Foto: dpa)

Doch statt Knappheit herrscht seit geraumer Zeit ein Überfluss an Zertifikaten. Einerseits, weil der Deckel von Anfang an zu hoch angesetzt war, andererseits, weil die EU jede Menge Schlupflöcher zuließ. So wurde der Markt zusätzlich mit Zertifikaten aus dem Ausland geflutet. Die Folge: Der Preis dümpelt um die fünf Euro je Tonne Kohlendioxid. Um tatsächlich etwas für den Klimaschutz zu bewegen, müsste er aber schon bei mehr als 30 Euro liegen.

Die Folgen sind doppelt paradox. Die klimaschädliche Braunkohle erlebt nicht nur eine Renaissance, sie verdrängt auch flexible Gaskraftwerke. Dabei wären gerade die so wichtig, um in Windflauten und bei Nacht einzuspringen - wenn Wind- und Sonnenenergie schwächeln.

Auswege gäbe es. Schon fordern einige EU-Staaten, darunter auch Deutschland, eine grundlegende Reform des Emissionshandels - schlimmstenfalls droht ihm die absolute Bedeutungslosigkeit. "Der Schlüssel zu einem funktionierenden Klimaschutz in der EU", so schrieb jüngst Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) an die Abgeordneten der Koalition, "liegt sicherlich in einer wirksamen strukturellen Reform des Emissionshandels." Dumm nur, dass einige Staaten Mittel- und Osteuropas, allen voran das kohlereiche Polen, von dieser Reform gar nicht viel halten.

Kohleausstieg bis 2030

Stattdessen wächst der Druck, notfalls schärfere Regeln zu setzen - wie jüngst die amerikanische Umweltbehörde EPA. Sie will die Kraftwerke verpflichten, 30 Prozent weniger Kohlendioxid und 25 Prozent weniger Schadstoffe auszustoßen, notfalls durch Schließung von Kraftwerken. Dafür treten in Deutschland auch die Grünen ein - allerdings fordern sie einen kompletten Kohleausstieg bis 2030.

So oder so: Mit härteren Vorgaben im Klimaschutz bekäme die Braunkohle auf kurz oder lang Probleme, und erst recht mit einem weiteren Ökostrom-Ausbau. Am Strommarkt nämlich kommt die Braunkohle gegen Strom aus Wind und Sonne auf Dauer nicht an.

In der Gegend um Neurath blieben dann, mehr als 150 Jahre nach dem Brunnenbohren, nur lauter große Löcher.

© SZ.de/jasch/leja
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