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Yvan Bourgnon:Ein Mann und sein Rochen

French skipper presents boat that self-recycles plastic trash from seas, in Paris

Yvan Bourgnon weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Plastik in den Ozean schwimmt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass jedes Jahr bis zu zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer gelangen - das ist eine Lkw-Ladung pro Minute.

(Foto: REUTERS)

Der Extremsegler Yvan Bourgnon hat die Verschmutzung der Ozeane mit eigenen Augen gesehen. Nun will er helfen, die Weltmeere vom Plastik zu befreien - mit einer segelnden Recyclingfabrik.

Von Vivien Timmler

Es fällt nicht leicht, sich Yvan Bourgnon als schüchternes Kind vorzustellen, wenn er da vor der Laptopkamera sitzt - weißes Hemd, weiße Haare, dichter Vollbart - und von seinen Abenteuern erzählt. Der Extremsegler hat als erster Mensch ohne Kajüte, ohne GPS und ohne jeglichen Schutz die Welt umsegelt, hält zudem zahlreiche Geschwindigkeitsrekorde. Und nun sagt er: "Ich bin ein Ozeankind. Das Meer hat mir alles gegeben, meine Kraft, meine Stärke, meinen Mut. Es ist an der Zeit, etwas zurückzugeben."

Zurückgeben, das heißt für den heute 49-Jährigen: von Plastik befreien. Er war acht Jahre alt, als sein Vater seine Bäckerei verkaufte und die Familie aufbrach, um die Welt zu umsegeln. Vier Jahre sollte die Reise dauern. "Der Ozean war so rein", erinnert sich der Schweizer zurück. "Ich habe im Rhythmus des Meeres gelebt, im Rhythmus der Natur." 35 Jahre später brach er erneut auf. Er war mittlerweile ein anderer - doch auch das Meer war ein anderes geworden.

Défi d'Yvan Bourgnon

Dem Meer fühle er sich mittlerweile verbundener als dem Land, erzählt der fünffache Vater Yvan Bourgnon.

(Foto: Denis Tisserand; Yvan Bourgnon)

Natürlich ist die Verschmutzung der Ozeane längst kein Geheimnis mehr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass jedes Jahr bis zu zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer gelangen, das ist eine Lkw-Ladung pro Minute. Sie befürchten, dass 2050 mehr Plastik in den Ozeanen schwimmen könnte als Fische. Regelmäßig gehen Bilder von verendenden Tieren und verschmutzten Ökosystemen um die Welt.

2022 soll der Bau des Prototypen beginnen

Yvan Bourgnon kennt all das aus der Nähe. Auf seiner Weltumsegelung lebte er quasi inmitten der Plastikstrudel. "Vor Sri Lanka, Indonesien und den Malediven hatte ich wochenlang Schwierigkeiten, überhaupt voranzukommen", erzählt er. Ständig habe er seinen Katamaran von Müll befreien müssen, nachts ständig Plastik gegen den Rumpf klacken gehört. "Es war schon toll, was ich beim Segeln erlebt habe, aber auch ein bisschen egoistisch. Und es hat mir nicht mehr gereicht. Ich konnte den Ozean nicht weiter sich selbst überlassen", so Bourgnon. Kaum wieder an Land, gründete er 2016 die Umweltschutzorganisation "Sea Cleaners". Ihr großes Projekt ist der "Manta": ein 56 Meter langes und 26 Meter breites Segelschiff von der Anmutung eines Rochens, der nahezu emissionsfrei über das Wasser gleiten und Plastikmüll herausfischen soll.

The Sea Cleaners

Von oben ähnelt der "Manta" einem gigantischen Rochen - daher der Name.

(Foto: The Sea Cleaners)

Nun ist Bourgnon nicht der einzige, der von einem Schiff aus die Vermüllung der Meere bekämpfen will. Doch kein Konzept geht so weit wie seins. Denn der "Manta" soll den Müll nicht nur sammeln, sondern direkt an Bord daraus Energie gewinnen, die wiederum das Schiff antreiben soll. Das Konzept: Über Förderbänder zwischen den Rümpfen und Schleppnetze gelangt der Müll an Deck. Dort wird er sortiert, zerkleinert und einem Pyrolyse genannten Prozess erst zu Gas und dann zu Strom umgewandelt. Was nicht verwertet werden kann, wird alle paar Wochen an Land gebracht und dort recycelt.

Im Gegensatz zu bisherigen Müllsammelschiffen fährt der "Manta" nicht mit Diesel, sondern segelt oder wird von Wind, Sonne und eben dem aus Plastik gewonnenen Strom angetrieben. "Es ist doch paradox, ein Boot zu konstruieren, das das Meer reinigt, aber die Luft verdreckt", sagt Bourgnon. Im kommenden Jahr soll der Bau des Prototypen beginnen, 2024 soll er erstmals in See stechen. Von den 35 Millionen Euro, die das Projekt kostet, ist bislang ein Drittel finanziert. Den Rest sollen Sponsoren beisteuern, auch ein Crowdfunding ist geplant.

Gleichzeitig weiß Bourgnon: Mit einem "Manta" ist es nicht getan. Pro Jahr kann der Katamaran 5000 bis 10 000 Tonen Plastik einsammeln - bei einem jährlichen Eintrag von bis zu zwölf Millionen Tonnen verschwindend wenig. Es bräuchte mehr als tausend dieser Schiffe, um dem Problem Herr zu werden. Dennoch wehrt er sich gegen den Vorwurf, sein Projekt sei vor allem ein symbolisches: "Es ist erst ein Anfang, aber es kann den Unterschied machen." Ganz aufgeben will Bourgnon jedoch auch seine Leidenschaft für das Sportsegeln nicht. Schon bald will er wieder aufbrechen und noch einmal die Welt umrunden - dieses Mal gegen den Wind.

© SZ
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