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Schaden für die US-Wirtschaft:Haushaltsstopp kostet die USA enorm viel Geld

Tausende Staatsangestellte im Zwangsurlaub, geschlossene Behörden - eigentlich soll der Haushaltsstopp die US-Regierung finanziell entlasten. Doch gleichzeitig leidet die Wirtschaft des Landes, denn der Shutdown der Behörden trifft die Wirtschaft hart. Experten haben ausgerechnet, was das konkret bedeuten könnte.

Die USA versetzen sich selbst in einen wirtschaftlichen Ausnahmezustand: Erstmals seit fast 18 Jahren kommt es am Dienstag zu einem Stillstand in der öffentlichen Verwaltung. Auf bis zu eine Million Bundesangestellte, vom Nationalpark-Ranger bis zum Steuerfahnder, kommt unbezahlter Zwangsurlaub zu. Viele Behörden wurden angewiesen, auf Minimalbetrieb zu schalten.

Das spart zwar Geld, schwächt aber die Wirtschaft. Darum könnte der Verwaltungsstillstand mindestens 300 Millionen Dollar täglich an wirtschaftlicher Leistung kosten, prognostiziert das Informationsinstitut IHS. Das ist zwar nur ein winziger Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung von 15,7 Billionen Dollar. Doch schon bald könnte der Haushaltsstopp sehr viel mehr Geld verschlingen, denn die Zwangsmaßnahme wirke sich negativ auf das Vertrauen von Wirtschaft und Konsumenten aus, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

2,2 Prozent Wirtschaftswachstum hat das US-Institut IHS bisher für das vierte Quartal berechnet. Doch die erzwungene Stilllegung der Bundesverwaltung könnte diese Kalkulation gehörig durcheinanderbringen. Bleiben Behörden, Nationalparks und Museen für eine Woche geschlossen, werde dies 0,2 Prozentpunkte Wachstum kosten. Drei Wochen Stillstand etwa, wie es ihn zum Jahreswechsel 1995/1996 gab, könnten das Wachstum um 0,9 bis 1,4 Prozentpunkte reduzieren, glaubt Guy LeBas, Chefstratege beim Finanzdienstleister Janney Montgomery Scott.

"Die staatlichen Ausgaben betreffen sämtliche Wirtschaftsbereiche. Werden die Ausgaben gestrichen, dann bedeutet das direkte Einkommensverluste. Schwerer wiegt jedoch der Vertrauensverlust seitens der Investoren und der Unternehmen", sagte LeBas in einem Interview.

Das könne der Ökonomie ernsthaft schaden. Der Finanzierungsstopp sorgt etwa dafür, dass kleinere Unternehmen und Hauskäufer jetzt auf staatliche Kreditgarantien warten müssten.

Fed kalkulierte mit Haushaltsstopp als Risiko

Auch Präsident Barack Obama hatte bereits im Vorfeld gewarnt, dass die finanzielle Lähmung der Regierung "Sand ins Getriebe" der sich gerade erholenden Wirtschaft streuen werde. Die etwa 800.000 Staatsangestellten im Zwangsurlaub könnten ihre Rechnungen nicht bezahlen und würden weniger ausgeben, sagte Obama. "Ein Stillstand wird sofort sehr reale wirtschaftliche Auswirkungen auf echte Menschen haben", so der Präsident.

Mitte September hatte die US-Notenbank Fed überraschend bekanntgegeben, weiterhin an ihrer Billiggeld-Politik festzuhalten und monatlich Anleihen in Höhe von 85 Milliarden Dollar aufzukaufen, um die Wirtschaft zu entlasten. Vergangene Woche hatte William C. Dudley, der Chef der Federal Reserve Bank in New York, gesagt, ein möglicher Budget-Stopp in Washington sei eines der Risiken gewesen, die berücksichtigt worden seien, schreibt Bloomberg.