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Recycling:Mehr Wege für Pfand

Beim deutschen Pfandsystem haben viele Verbraucher mittlerweile den Durchblick verloren.

(Foto: Jessy Asmus)

Das deutsche Pfandsystem verwirrt die Kunden, sie kaufen Einwegflaschen. Über eine EU-Regelung wird nicht einmal geredet. Dabei sind die Vorteile von Mehrwegverpackungen eindeutig - nicht nur für die Umwelt.

Das deutsche Gesetz gibt die Richtung eigentlich klar vor: "Verpackungsabfälle sind in erster Linie zu vermeiden", heißt es in der Verpackungsverordnung, die sich an Unternehmen richtet. Und: Bei Getränken soll der Anteil von Mehrwegverpackungen 80 Prozent betragen. Bei 220 Kilogramm Verpackungsmüll, die jeder in Deutschland pro Jahr produziert, und einem Mehrweganteil von um die 45 Prozent kann man wohl sagen: Das Gesetz wird nicht eingehalten, die Unternehmen bieten zu wenig Ware in Mehrwegverpackungen an. Aber auch die Nachfrage der Kunden hat stark nachgelassen.

Dabei war das Mehrwegsystem in Deutschland eigentlich gut etabliert. Tatsächlich funktioniert es aber nur noch beim Bier. Es wird in Deutschland zu mehr als 80 Prozent in Mehrwegflaschen verkauft. Anders sieht es bei Wasser und Saft aus: Nur etwa 30 Prozent gehen in Mehrwegflaschen über die Theke. Die Quote ist seit der Jahrtausendwende regelrecht eingebrochen.

Deutschland schmeißt weg - ein Schwerpunkt

Mehr als 45 Millionen Tonnen Haushaltsmüll wandern in Deutschland jedes Jahr in die Tonne. Zwar wird ein Teil davon recycelt, die Statistik aber zeigt: Der Müll in Deutschland wird nicht weniger, im Gegenteil: Wir schmeißen immer mehr weg. Ist das ein Problem? Alle Texte zum Thema finden Sie hier.

Ein Grund dafür ist die schlechte Kennzeichnung der Flaschen. 49 Prozent der Deutschen können beim Einkaufen Einweg nicht von Mehrweg unterscheiden. Dieses Problem hat sich mit der Einführung von Pfand auf Einweggetränkeverpackungen, umgangssprachlich auch Dosenpfand genannt, noch verschlimmert.

Zuvor war eine Pfandflasche, die man in den Laden zurücktrug, automatisch auch eine Mehrwegflasche. Seit 2003 aber bekommt man auch für Einwegflaschen Geld zurück. Sie werden allerdings direkt im Automaten zusammengequetscht und später eingeschmolzen - also nicht wiederbefüllt. Weil das entsprechende Zeichen auf der Flasche jedoch ebenfalls einen Kreislaufpfeil enthält, blickt kaum noch jemand durch. Hinzu kommt: Einige der Behälter sind aus Glas, andere aus Plastik, wieder andere aus Aluminium oder Verbundkarton. Auf manche gibt es 25 Cent Pfand, auf andere 15, wieder andere bringen acht Cent. Um eine Mehrwegflasche zu kaufen, müssen Verbraucher explizit auf das Wort "Mehrweg" oder den aufgedruckten Blauen Engel achten - doch das ist vielen zu kompliziert.

Dabei wissen einer Umfrage zufolge 91 Prozent der Menschen hierzulande, dass Mehrweg ökologisch sinnvoller ist als Einweg. Am umweltfreundlichsten sind Mehrwegsysteme aus Glas, sofern die Brauerei oder Mineralquelle nicht weiter als 200 Kilometer vom Verkaufsort entfernt ist. Dann ist Glas sogar besser als Mehrwegflaschen aus Polyethylenterephthalat, kurz PET, auch wenn diese wegen ihres geringen Gewichts Transportenergie sparen. Während eine Glasflasche bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden kann, ist das bei einer PET-Flasche nur 15 Mal der Fall. Dann trübt sie beim Spülen zu stark ein und wird entsorgt.

Eine deutlich schlechtere Umweltbilanz haben hingegen Einweg-Plastikflaschen, wie sie vor allem bei Discountern verkauft werden. Sie müssen häufig zunächst über weite Strecken transportiert werden, weil es nur wenige Abfüller gibt. Noch schlechter schneiden nur Dosen und Einweg-Glasflaschen ab.