Razzia bei Audi Audi-Chef Stadler will lieber über Zahlen sprechen als über die Razzia

  • Am Mittwochmorgen haben Ermittler die Geschäftsräume von Audi durchsucht.
  • Audi-Chef Rupert Stadler muss noch am selben Tag vor die Presse treten, um die Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 vorzustellen. Die Razzia erwähnt er nur indirekt.
Von Roman Deininger, Max Hägler, Ingolstadt, und Jan Schmidbauer

Die Staatsanwaltschaft ist pünktlich. Um sieben Uhr fährt eine Kolonne auf die Audi-Piazza in Ingolstadt. Dort steht das Museum Mobile, in dem Audi stolz seine Geschichte präsentiert - und hier stellt der Konzern nur wenige Stunden später seine Geschäftszahlen für 2016 vor. Die Ermittler lassen das Gebäude rechts liegen und fahren durch bis ans Werkstor, zum Gebäude A50. Das ist der Sitz des Vorstands.

Audi begrüßt an diesem Mittwochvormittag mehr als 100 Journalisten aus aller Welt bei sich in Ingolstadt. Es sollte um die Konzernergebnisse gehen, das war zumindest der Plan. Jetzt hat der Autohersteller erst mal ungebetenen Besuch im Haus. Mehrere Dutzend Ermittler melden sich im Foyer des Vorstandstrakts sehr korrekt an der Rezeption an. Die Empfangsdame schaut ein bisschen verdutzt. Dann verschwinden sie in Aufzügen und Treppenhäusern. Draußen, nur ein paar Meter weiter, gehen Audi-Arbeiter durch eine Drehtür in Richtung Werkshallen. Sie ahnen nichts von dem Beben, das ihr Unternehmen gerade erfasst.

Abgasskandal

Gegen diese Audi-Modelle richten sich die US-Vorwürfe

In Ingolstadt sickert die Nachricht, die diesen Tag bestimmen wird, eine halbe Stunde vor dem geplanten Beginn der Pressekonfernz durch. Der Konzern aber bleibt bei seiner Choreografie. Gegen 9.30 Uhr versendet Audi einen Tweet: "Die Finanzkennzahlen 2016 und Modellneuheiten für die kommenden Jahre; um 10 Uhr live auf Audi MediaTV." Eine Viertelstunde später kommt Konzernchef Rupert Stadler zu einem schicken, gelben Kleinwagen, der für die Fotojournalisten aufgestellt wurde. Ein paar Sekunden Fototermin, ein - man darf das wohl so sagen - gequältes Lächeln.

Eine kurze Information kommt noch vom Moderator, dass die Staatsanwaltschaften München und Stuttgart gerade hier und am Standort Neckarsulm die Audi-Räume durchsuchen. Dann tritt Audi-Chef Stadler auf die Bühne. Er spricht das Thema ebenfalls an, gleich zu Beginn seiner Rede - allerdings nur, um es gleich wieder beiseitezuschieben. "Trotz der Tagesaktualität würden wir uns wünschen, würde ich mir wünschen, dass wir uns auf das vergangene Geschäftsjahr konzentrieren", sagt Stadler. Es sind nur sehr wenige Worte, die er an diesem Mittwochmorgen für die Durchsuchungen in seinem Unternehmen findet. Auf Nachfrage sagt er, zu laufenden Ermittlungen könne er sich nicht äußern.

Im Kern lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die Audi-Ingenieure sollen die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen für die USA so ähnlich manipuliert haben wie ihre Kollegen bei VW. Noch laufen die Ermittlungen gegen unbekannt. Doch genauso hatte es auch schon in Wolfsburg begonnen, inzwischen gibt es dort etliche Beschuldigte.

Stadler spricht von "großen Fortschritten"

Audi-Chef Stadler möchte vor den Reportern lieber über Zahlen sprechen. Etwa über den Gewinn vor Steuern (etwa drei Milliarden Euro) und die verkauften Autos (1,9 Millionen Stück). Doch auch wenn es um die Zahlen geht, kommt der Audi-Chef nicht um die Dieselaffäre herum. Schon jetzt belastet dieser wohl größte Skandal in der deutschen Automobilgeschichte das Ergebnis der VW-Tochter. Millionen Autos mussten in die Werktstätten. Die Affäre kratzt auch am Image des Konzerns.

Stadler spricht von "großen Fortschritten" die Audi bei der Bewältigung des Skandals gemacht hat. Doch er weiß auch, dass das Thema noch lange nicht durch ist. Erst recht nicht nach der Nachricht des heutigen Tages. "Der Weg des Aufarbeitens", sagt Stadler "ist noch lange nicht abgeschlossen."

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