Verdacht der Steuerhinterziehung:Ermittler durchsuchen Beratungsfirma PwC

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Verdacht der Steuerhinterziehung: Schauplatz der Durchsuchungen war unter anderem die Deutschland-Zentrale von PwC im "Tower 185" nahe der Frankfurter Messe.

Schauplatz der Durchsuchungen war unter anderem die Deutschland-Zentrale von PwC im "Tower 185" nahe der Frankfurter Messe.

(Foto: Björn Birkhahn/mauritius images/Alamy)

Ausgerechnet bei der Beratung in Steuerverfahren sollen Mitarbeiter der Prüfungsfirma getrickst und Umsatzsteuern in Millionenhöhe vermieden haben. Mehr als 250 Beamte waren am Dienstag im Einsatz.

Von Jan Diesteldorf und Meike Schreiber, Frankfurt

Die Selbstanzeige ist ein praktisches Instrument für Steuersünder, die keine Lust auf Gefängnis haben. Sie war im vergangenen Jahrzehnt vor allem beliebt bei vermögenden Privatleuten, die unversteuertes Geld im Ausland gebunkert hatten. Während Finanzminister Steuer-CDs mit Daten von Schweizer Banken ankauften und das Entdeckungsrisiko stieg, ließen sich die mutmaßlichen Steuerhinterzieher dabei beraten, wie sie per Selbstanzeige und Steuernachzahlung diskret um ein langes Strafverfahren herumkamen. Machten sie dabei alles richtig, kamen sie straffrei davon. Besonders gefragt für diese Dienstleistung waren große Kanzleien wie Pricewaterhouse Coopers (PwC), mit dem nötigen Know-how und Dependencen dies- und jenseits der Schweizer Grenze.

Ausgerechnet wegen dieser Beratung hat PwC jetzt selbst Probleme mit der Staatsgewalt: Es besteht der Verdacht, dass PwC in der Beratung von Steuerhinterziehern selbst Steuern hinterzogen hat. Am Dienstagmorgen rückten nach Informationen der Süddeutschen Zeitung mehr als 250 Beamte der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, der hessischen Steuerfahndung und des Bundeskriminalamts zu Durchsuchungen in der Deutschlandzentrale in Frankfurt, an Standorten in Berlin, Düsseldorf, Hannover und Stuttgart sowie in Privatwohnungen von Beschuldigten an. Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte die Maßnahmen, ohne Namen von Unternehmen oder Beschuldigten zu nennen.

Zwischen 2012 und 2017, so der Verdacht, soll PwC Mandanten bei Selbstanzeigen in Deutschland beraten haben, die Leistungen allerdings über die Niederlassung in der Schweiz abgerechnet und den Fiskus damit über den tatsächlichen Hintergrund der Umsätze getäuscht haben. Dadurch hätten die Verantwortlichen zu Unrecht Umsatzsteuern vermieden, so der Vorwurf: "Die Einbeziehung des schweizerischen Unternehmens soll ausschließlich der Verschleierung der Beratungsleistungen im Inland und somit der Umsatzsteuerhinterziehung gedient haben", teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Mehr als elf Millionen Euro soll PwC auf diese Weise dem Fiskus vorenthalten haben. Acht leitende Manager werden derzeit beschuldigt, vier davon ehemalige.

Betriebsprüfung machte Steuerfahnder misstrauisch

Ein Sprecher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die zugleich Beratung in Rechts- und Strategiefragen und eben Steuersachen anbietet, äußerte sich nicht zur Sache. "Staatsanwaltliche Untersuchungen kommen immer wieder vor", teilte das Unternehmen mit. Man kooperiere in vollem Umfang mit den Behörden.

Nach SZ-Recherchen entdeckten die Ermittler bereits vor mehr als einem Jahr mehrere Spuren. Im Zuge einer Betriebsprüfung und in Steuerstrafverfahren von PwC-Mandanten waren die mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten aufgefallen: Während die Mandanten weitgehend von deutschen PwC-Leuten betreut wurden und die Verfahren hierzulande koordiniert wurden, sollen die Rechnungen aus der Schweiz verschickt worden sein - was die Steuerfahnder offenbar misstrauisch machte.

Sollte sich das so bewahrheiten, dann hätte eine der weltweit größten Steuerberatungsgesellschaften möglicherweise selbst ein Steuerhinterziehungsmodell betrieben. Gleichwohl kann es gut sein, dass sich die Vorwürfe irgendwann als haltlos herausstellen. PwC gehört zusammen mit Deloitte, KPMG und EY zu den sogenannten Big Four, die den weltweiten Markt der Wirtschaftsprüfung unter sich aufgeteilt haben. Typischerweise sind sie international als Verbund eigenständiger Firmen organisiert - vor allem um Haftungsrisiken zu begrenzen. Offenbar lässt sich diese Struktur aber auch anderweitig ausnutzen: zum Beispiel, um selbst Steuern zu sparen.

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