Nach den Luxletters-Enthüllungen:Lieber keine unbequemen Fragen

Luxembourg View of office building PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY WDF001446

Büros in Luxemburg: Das Land sei eine Steueroase, klagen Kritiker. Bearbeitung: SZ

(Foto: imago/Westend61)

Das EU-Parlament will die undurchsichtige Steuerpraxis in Luxemburg beleuchten. Doch ein wichtiger Steuerberater möchte nicht zur Anhörung kommen.

Von Björn Finke

Brüssel ist immer eine Reise wert. Und doch lehnt Gérard Cops eine Einladung des Europaparlaments, in zwei Wochen zu einer Anhörung nach Brüssel zu kommen, freundlich, aber bestimmt ab. Das könnte ihm und seinem Arbeitgeber, der Beratungsgesellschaft PwC, nun Ärger bescheren. Cops ist in Luxemburg bei PwC für das Steuerberatungsgeschäft zuständig, und der Unterausschuss des Parlaments, der sich mit Steuervermeidung beschäftigt, will ihn und einen Vertreter der luxemburgischen Regierung einvernehmen. Anlass sind die Enthüllungen einer Gruppe internationaler Medien, darunter der SZ, denen zufolge in Luxemburg Steuerberater und Steuerbehörden Abmachungen treffen, wie die Abgabenlast von Kunden gesenkt werden kann.

Konzerne und reiche Bürger anderer EU-Staaten können dank dieser Tricks Steuern sparen - zum Schaden des Fiskus in diesen Ländern. Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold verlangt, dass Cops' Weigerung, Fragen zu dem heiklen Thema zu beantworten, Folgen haben müsse: "Die Absage ist eine Missachtung einer demokratischen Institution. Als Konsequenz fordern wir einen Entzug der Hausausweise für das Europaparlament für alle PwC-Lobbyisten: Wer sich nicht vom Parlament befragen lassen will, sollte dort auch nicht lobbyieren können." Einem EU-Register zufolge haben sechs PwC-Lobbyisten Hausausweise.

In einer E-Mail an das Parlament nennt Cops Gründe für sein Fernbleiben: So findet er es unpassend, dass der Ausschuss alleine PwC eingeladen habe und keine anderen Luxemburger Steuerberater. Außerdem bestehe das Risiko, dass es bei der Anhörung "nicht um eine objektive, faktenbasierte Diskussion" gehe, sondern um einen "weiteren Angriff auf Luxemburg". Der Berater verteidigt die Steuergesetze und die Arbeit der Finanzämter in dem Land und übt sich in Medienkritik: "Wir glauben, dass Luxemburg von der Presse regelmäßig unfair angegriffen wird", schreibt er.

Der deutsche Europaabgeordnete Giegold sagt hingegen, dass die "Opferhaltung des Unternehmens ein Ablenkungsmanöver" sei: "Der Vorwurf einer Kampagne ist angesichts der Enthüllungen europäischer Top-Medien absurd." Als Ersatz für Cops hat der Unterausschuss nun Bernard David eingeladen, der bei PwCs Rivalen Deloitte das Steuerberatungsgeschäft in Luxemburg leitet. Eine Antwort steht noch aus.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB