Panama Papers Wie Safari-Anbieter ihr Geld aus Afrika schleusen

Romantik, Natur, Abenteuer - so werben Safari-Anbieter in Afrika gern für sich, wie hier auf der Touristikmesse ITB. Abenteuerlich ist aber oft vor allem ihre Steuer-Gestaltung.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)
  • Mindestens 30 afrikanische Safari-Anbieter wickeln ihre Geschäfte über Steuerparadiese ab, wie eine Auswertung der Dokumente der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca ergab.
  • Gerade in Afrika, wo manche Länder stark von Tourismus-Einnahmen abhängen, ist der Schaden besonders hoch, wenn Milliarden Dollar am Fiskus vorbei in Steuerparadiese abfließen.
  • Insgesamt könnte der Schaden durch Steuervermeidung auf dem Kontinent größer sein, als die Summe an Entwicklungshilfe, die er erhält.
Von Will Fitzgibbon und Isabel Pfaff

Mit John Stevens kann man die atemberaubende Tierwelt Simbabwes zu Fuß erkunden. Der 68-jährige Safari-Unternehmer führt seine Gäste in kleinen Wandergruppen zu Elefanten, Geparden, sogar Nashörnern. Später gibt es ein Abendessen unterm Sternenhimmel, begleitet vom Rauschen und Tosen der nahe gelegenen Victoriafälle. Seit mehr als 30 Jahren bietet John Stevens, ein weißer Simbabwer, solche Touren an. Er soll einer der besten Führer des Landes sein. So gut, dass er sein Safari-Unternehmen inzwischen auf sechs weitere afrikanische Länder ausgedehnt hat.

Doch so afrikanisch, wie Stevens sich und seine Firma präsentiert, ist das Unternehmen offenbar nicht. Wie die Panama Papers zeigen, unterhält Stevens ein ausgesprochen globales Finanznetzwerk und nutzt die Möglichkeiten gleich mehrerer Steueroasen: Eine Firma im Null-Steuer-Territorium der Britischen Jungferninseln verwaltete demnach die Buchungen von Stevens' "Guided Safaris Africa", eine Stiftung auf derselben Insel war Eigentümerin der Firma, und das Bankkonto wurde auf der Isle of Man geführt, einer Insel zwischen Großbritannien und Irland, die ebenfalls als Steueroase bekannt ist. Der Safari-Guide als Offshore-Globetrotter. Als Steuer-Minimierer? Auf wiederholte Anfragen reagierte John Stevens nicht.

Safari-Anbieter gehen gern Offshore

Mindestens 30 afrikanische Safari-Anbieter aus dem südlichen und östlichen Afrika lassen ihre Geschäfte offshore laufen, wie eine Auswertung der geleakten Dokumente der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca ergab. Derartige Offshore-Firmen sind nicht per se illegal, werden allerdings oft dazu genutzt, Steuern zu sparen oder ganz zu vermeiden. Fließen auf diese Weise die Gewinne von Unternehmen fast ohne Abzug außer Landes, fehlen dort die Mittel für grundlegende staatliche Dienstleistungen wie Schulen, Straßen oder Krankenhäuser. Die Safari-Recherche ist Teil einer Serie von Panama-Papers-Veröffentlichungen, die sich auf Afrika konzentriert. Koordiniert vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) in Washington haben Reporterteams aus 18 afrikanischen Ländern neue Geschichten aus dem Datenberg gefiltert. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht eine Auswahl auf Deutsch.

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Afrika ist ein drastisches Beispiel für den Schaden, den Steuervermeidung anrichten kann. Der Reichtum des Kontinents ist sprichwörtlich, trotzdem leben in keiner anderen Weltregion mehr Menschen in extremer Armut. Das hat nicht nur, wohl aber auch mit den Steuertricks großer Unternehmen zu tun, die zwar in afrikanischen Ländern investieren, ihre Gewinne aber häufig außer Landes schaffen. Nach Schätzungen der Plattform "Tax Justice Network Africa" verliert der Kontinent jedes Jahr 50 Milliarden US-Dollar durch die Finanztricks von Firmen oder Einzelpersonen. Diese Verluste übersteigen sogar die Summe, die Afrika jährlich an offizieller Entwicklungshilfe erhält: gute 46 Milliarden US-Dollar (Stand 2012).

Tourismus als wichtiger Wirtschaftszweig

Bislang galt Afrikas Rohstoffindustrie als besonders anfällig für Steuerbetrug. Die Panama Papers belegen nun, dass auch im Tourismus-Sektor ein großer Teil der Finanzströme über Offshore-Zentren wie die Britischen Jungferninseln fließt. 56 Millionen Touristen haben Afrika nach Angaben der Vereinten Nationen 2015 bereist. In manchen Ländern machen Safaris und andere touristische Angebote bis zu fünf Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Im jeweiligen Land bleibt das Geld vieler Reisender jedoch nicht.

Gerard Pasanisi, einer der ältesten und bekanntesten Safari-Anbieter in Tansania, besitzt beispielsweise Anteile an mindestens vier Briefkastenfirmen, die von Mossack Fonseca aufgesetzt wurden. Anwälte von Eric Pasanisi, Gerard Pasanisis Sohn, teilten dem ICIJ mit, dass die vier Firmen derzeit von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus verwaltet würden und dass ihr Rechts- und Steuerstatus sowohl dort als auch in Tansania transparent seien. Auch eine der führenden Safari-Dynastien in Kenia, die Carr-Hartley Familie, taucht in den Panama Papers auf. Die Brüder Robert und William führen das Familienbusiness in vierter Generation; laut Website sollen sie besser Swahili als Englisch, ihre Muttersprache, sprechen. Ihre Geschäfte lassen sie trotzdem lieber offshore abwickeln. 2001 kontaktierten sie Mossack Fonseca, um eine Firma namens Safariland Inc. zu gründen. Von diesem Zeitpunkt an pflegten sie rege Geschäftsbeziehungen zu der Kanzlei. Inzwischen haben sie ihr Luxus-Safari-Imperium auf den ganzen Kontinent ausgedehnt.

Geleakte Unterlagen aus dem Jahr 2013 zeigen, dass Safariland Inc. mit einen Gewinn von einer halben Million Dollar jährlich rechnete. Robert Carr-Hartley gründete 2000 außerdem die Raw Foundation in Panama. Mossack Fonseca bietet seinen Kunden nämlich auch Stiftungen an, damit diese ihr Vermögen nicht versteuern müssen. Eine Anfrage des ICIJ beantworteten die Brüder nicht.

Rechercheprojekt

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