RechercheprojektPanama Papers: "Wir fürchten um das Leben unserer Reporter"

Manche wurden bedroht oder beschimpft, andere versuchte man zu erpressen: Sechs Reporter erzählen, was sie bei den Recherchen zu den Panama Papers erlebt haben.

Die russischen Medien beschimpfen uns

Roman Anin, 29, ist ein mehrfach ausgezeichneter Investigativ-Reporter der kremlkritischen Moskauer Zeitung Nowaja Gaseta. Er recherchiert vor allem zu Korruption in Militär, Regierung und Wirtschaft - seit 2009 ist er ICIJ-Mitglied.

Uns war von Anfang an klar, dass es heikel wird, wenn wir über Putins besten Freund Sergej Roldugin berichten, der laut den internationalen Recherchen in den Panama Papers mit Hilfe mutmaßlicher Komplizen etwa zwei Milliarden durch ein komplexes Firmengeflecht geschleust haben soll.

Kurz nachdem das Internationale Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) Putin mit den Recherchen konfrontiert hatte, äußerte sich ein Sprecher des Präsidenten bei einem Briefing für Journalisten. Dmitrij Peskow sagte, die Enthüllungen der Panama Papers seien eine Attacke auf den russischen Präsidenten. Noch am selben Tag begannen die russischen (vorwiegend von der Regierung kontrollierten) TV-Sender, Druck auf unser Projekt auszuüben. Nach den Veröffentlichungen blieb es dabei. Die russischen Medien beschimpften uns als Agenten, die Propaganda für Amerika machen würden. Gleichzeitig war es witzig zu sehen, dass sie über die ehemalige Briefkastenfirma des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko berichteten - eine Geschichte, die ebenfalls über die Panama Papers aufgedeckt wurde. In ihren Augen war alles über Poroschenko wahr und alles, was wir schreiben, eine Schmierkampagne.

Auch unser Chefredakteur stand unter Druck. Einige Offizielle, deren Namen in den Panama Papers auftauchen, haben versucht, ihn zu erpressen. Sie forderten, dass er die Geschichten nicht in der Nowaja Gazeta veröffentlicht. Natürlich ohne Erfolg. Und auch jetzt geht der Druck auf unsere Zeitung weiter. Einige Offizielle, die dem Kreml nahestehen, haben die Steuerbehörden aufgefordert, die Gazeta zu prüfen. Sie behaupten, wir hätten Gelder von US-Behörden erhalten.

Insider sagen, dass uns die russischen Behörden die Enthüllungen nie vergeben werden und dass sie versuchen werden, die Nowaja Gazeta zu schließen. Wir wussten, welche Risiken wir mit den Veröffentlichungen eingehen und wir haben uns dazu entschieden, den Lesern die Wahrheit zu erzählen. Wir bereuen nichts und sind bereit, die Konsequenzen zu tragen.

18. April 2016, 12:572016-04-18 12:57:17 © SZ vom 18.4.2016/mikö