bedeckt München 23°
vgwortpixel

Neue VW-Führung:Auch die Arbeitnehmervertreter haben Gefallen an Diess

Es ist vorbei. Ungefähr zur selben Zeit wie der scheidende Chef verschickt auch der neue seine Einstandsnachricht an die Leute: "Für mich ist es die berufliche Heimat, die ich mir immer gewünscht habe", sagt der Münchner mit österreichischem Pass. Als er dann im Markenhochhaus die Journalisten empfängt, wehen hier stolz drei Fahnen. Einmal Niedersachsen, zweimal VW.

Diess wird Konzernchef sein, die Marke VW leiten wie bisher, dazu die Mittelklassemarken Seat und Škoda. Und er wird große Teile der IT verantworten, also die Zukunft mit all ihren Robotern und autonomen Autos planen. Mehr Macht geht nicht. Diess spricht lieber von der "zweiten Phase der Neuausrichtung".

Als bei BMW im Jahre 2015 mit Harald Krüger ein anderer Chef wurde als er, warben ihn die Wolfsburger ab. Die Aussicht war verlockend: Irgendwann, vielleicht im Jahre 2018, könnte er bei guter Eignung den damaligen Chef Winterkorn beerben. So war der Drehplan des alten Volkswagen-Konzerns, doch dann war Dieselskandal, und alles kam anders. Nachdem Müller Winterkorn beerbt hatte, musste auch Diess sein Drehbuch anpassen. Es gelang ihm. Wer in diesem Wolfsburger Netzwerk zurechtkommen will, muss wissen, wie es tickt. Er muss etwa von den beiden Familien, den Porsches und den Piëchs gemocht werden.

Dass Diess - anders als Müller - so auf den wegen der Dieselaffäre immer wieder diskutierten Audi-Chef Rupert Stadler setzt, gefällt den Eigentümern. Stadler ist einer ihrer engsten Vertrauten, und immer, wenn es so aussah, als wären seine Tage gezählt, hielt er doch durch. Fast soll es Müller im vergangenen Jahr gelungen sein, ihn abzusetzen. Die Querelen sollen passé sein. Mehr noch: Künftig führt Stadler neben Audi auch den gesamten Konzernvertrieb, und zwar nun inklusive der so starken Salzburg Holding, einer unbekannten wie lukrativen Einheit, von der aus im Hintergrund des Autobauers mit die Strippen gezogen werden.

Auch die Arbeitnehmervertreter, bei VW mit hartem Vetorecht ausgestattet, haben mittlerweile Gefallen gefunden an Diess. Er hatte aus BMW-Zeiten den Ruf als Gewerkschaftsfresser; nachdem er zu VW gekommen war, setzte sich das fort. Heftige Kämpfe trugen Diess und Osterloh aus. "Ich musste mich da ein bisschen dran gewöhnen", sagt Diess. Klar - so einen wie Osterloh gibt es bei BMW nicht.

Die Kämpfe hat übrigens, je nachdem, wen man fragt, Osterloh oder Diess gewonnen. Oder beide? Osterlohs Generalsekretär Gunnar Kilian, der als Pressesprecher der Arbeitnehmervertreter anfing, steigt nun zum Personalvorstand auf. Müller hatte sich dagegen immer gesträubt. Ihm behagte das Mitregieren der Arbeitnehmer nie. Diess auch nicht, aber er ist lernfähig: Nur mit ihnen geht es ganz nach oben; zudem sieht er, dass man auch mit der Gewerkschaft Gewinne erhöhen kann. Ob diese Nähe zwischen Betriebsrat und Vorstand nicht problematisch sei, wird Pötsch gefragt. "Herr Doktor Piëch" habe Kilian einst zum Leiter seines Büros gemacht, antwortet Pötsch. Kilian habe also erwiesenermaßen große Sachkunde. "Absolut überzeugt" sei der Aufsichtsrat, dass er "das neue Rollenspiel" hinbekomme.

Rollenspiele, darum ging es bei VW immer schon.

Unternehmen Manager können selbst für das Alter vorsorgen

Abfindungen für Führungskräfte

Manager können selbst für das Alter vorsorgen

VW-Chef Matthias Müller und John Cryan von der Deutschen Bank erwarten horrende Abfindungen. Die Empörung ist groß - und das zu Recht. Die Zahlungen müssen endlich gedeckelt werden.   Kommentar von Caspar Busse