Missbrauch von EU-Hilfen:Hochriskante Geschäfte

Die Experten der Zentralbank fanden noch mehr heraus. So habe der oberste Kreditrat von Proton viele hochriskante Darlehen an neu gegründete Gesellschaften wie Rovinvest oder Cyprus Properties genehmigt. Und schließlich seien Offshore-Firmen finanziert worden, von denen keine ausreichenden Wirtschaftsdaten vorgelegen hätten, oder deren wirkliche Inhaber gar nicht bekannt gewesen seien. Der Umfang dieser Engagements: 357 Millionen Euro. Die Zentralbank stuft auch das als "hochriskant" ein.

Das Geld ist wohl weg, und dem griechischen Staat bleibt nichts anderes übrig, als Proton aufzuspalten. In eine Neue Proton Bank, die mit dem noch vorhandenen Kapital weiter Geschäfte macht. Der Rest der Privatbank wird liquidiert, auf Kosten des Staates, der sich nach einem Bericht der griechischen Zeitung Kathimerini per Gerichtsbeschluss Zugriff auf das Vermögen von Lavrentiadis und sechs weiteren ehemaligen Proton-Verantwortlichen gesichert hat.

Der Unternehmer macht auch im Ausland Geschäfte. In Liechtenstein hat er mit Partnern ein neues Finanzinstitut gegründet, die Lamda Privatbank AG mit Sitz in Vaduz. Lamda bietet eine Reihe von Dienstleistungen an: Vermögensanalyse, Anlageberatung, Absicherungsstrategien, Risikomanagement. "Wir stehen für Unabhängigkeit, Kontinuität, Verlässlichkeit, Werterhalt und Diskretion", verkündet das Liechtensteiner Institut im Internet.

Auf Anfrage teilt Lamda mit, die Bank sei mit privaten Mitteln gegründet worden. Darunter sei kein Geld von Proton, von dort sei nichts geflossen. Weder direkt noch indirekt. Man unterhalte auch keine Geschäftsbeziehungen zu Proton. Und über ihren Teilhaber Lavrentiadis berichtet die Lamda AG, der Unternehmer habe eine weiße Weste. Lavrentiadis weise die in Athen erhobenen Vorwürfe "entschieden zurück", die Verdächtigungen seien unhaltbar. Er arbeite mit den Behörden zusammen "und wird die Angelegenheit klären".

Gleichzeitig greift Lavrentiadis die Regierung in Athen aber auch frontal an, wie die Zeitung To Vima berichtet. Er wirft ihr einen Verfassungsverstoß vor, weil sie die Bank verstaatlicht habe, ohne ihn ausführlich anzuhören.

© SZ vom 17.11.2011/bero/aper
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