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Milliarden für den IWF:Welche Begehrlichkeiten der Erfolg Deutschlands weckt

Auf einer der wichtigsten Währungskonferenzen seit langem haben die IWF-Mitglieder 430 Milliarden Dollar mobilisiert, um einer Finanzpanik vorzubeugen. Finanzminister Schäuble fordert nun ein Ende der Debatten um immer neue Hilfen für schwache Euro-Länder. Doch der wirtschaftliche Vorsprung Deutschlands nährt Erwartungen. Die Bundesregierung muss die Stimmung ernst nehmen.

Manche sehen einfach nur den Kampf zweier machtbewusster Frauen. Hier Angela Merkel, die "eiserne Kanzlerin", die dem Rest Europas ihren Willen aufzwingen will, und der kennt nur eine Parole: sparen, sparen, sparen. Dort Christine Lagarde, ehemals Finanzministerin Frankreichs, die jetzt an der Spitze des Internationalen Währungsfonds in Washington steht und die Schuldenkrise mit mehr Geld lösen möchte.

IMF Managing Director Lagarde speaks at a news conference in Washington

IWF-Chefin Christine Lagarde ist davon überzeugt, dass die angeschlagenen Euro-Länder - einschließlich ihrer Banken - Hilfe brauchen.

(Foto: REUTERS)

Das Bild vom Duell Merkel-Lagarde löst sich schnell auf, wenn man das tatsächliche Verhältnis der beiden Frauen betrachtet. Aber es enthält auch einen kleinen wahren Kern. Merkel und Lagarde blicken auf grundverschiedene Weise auf die europäische Schuldenkrise. Beide wissen zwar, dass Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal und Italien sowohl harte Sparmaßnahmen als auch Wachstumsförderung brauchen.

Merkel glaubt jedoch, dass immer zuerst gespart werden muss, weil sonst der alte Schlendrian zurückkehrt. Bei dieser Position weiß die Kanzlerin die Deutsche Bank und die große Mehrheit des Wahlvolkes in Deutschland hinter sich. Lagarde dagegen ist davon überzeugt, dass die angeschlagenen Euro-Länder - einschließlich ihrer Banken - schon jetzt Hilfe brauchen. Bleibt es beim reinen Sparen, so sagte sie in ihrer mittlerweile berühmten Berliner Rede vom vergangenen Januar, dann droht der Welt ein "Dreißiger-Jahre-Moment", sprich: eine neue Weltwirtschaftskrise.

Lagarde steht keinesfalls allein, ihre Position wird mehr oder weniger vom Rest der Welt geteilt. Ganz sicher sieht man das in den Vereinigten Staaten so, dem wichtigsten Mitglied des IWF. Die Regierung Obama hat seit Ausbruch der Schuldenkrise klargemacht, dass sie von den Europäern mehr Engagement, sprich: mehr Geld, im Kampf gegen die Krise erwartet. Und auch der Stab des IWF ist ganz auf der Seite der Chefin. "Austerität (Sparsamkeit) allein kann die Wirtschaftsmalaise in den großen Industrieländern nicht lösen," heißt es unmissverständlich im jüngsten Weltwirtschaftsausblick des Fonds.

Eine zweite Brandmauer

An diesem Wochenende beraten nun die Vertreter der 187 Mitglieder von IWF und Weltbank über die Schuldenkrise. Es ist eine der wichtigsten Währungskonferenzen seit langem. Die IWF-Mitglieder haben 430 Milliarden Dollar für die Kasse des Fonds mobilisiert und diesen damit auf eine Billion Dollar aufgestockt. Der Fonds soll, wie es in der Expertensprache heißt, die "Feuerkraft" des IWF erhöhen für den Fall, dass er ein Land vor einer Finanzpanik schützen muss. Lagarde hatte dafür wochenlang gekämpft.