bedeckt München 23°
vgwortpixel

Milchpreis:Deutscher Bauernverband fordert eine Milliarde Euro - statt 100 Millionen

Bei den Bauernverbänden stößt Schmidts Einlenken auf geteiltes Echo. Lob kommt vom Milchbauernverband BDM. Der mächtige Deutsche Bauernverband DBV hält dagegen wenig von der Idee, Hilfen für Bauern an die Milchmenge zu koppeln. Sobald ein Landwirt weniger produziere, bringe er sein Unternehmen in Gefahr, argumentiert ein DBV-Sprecher. Der Staat sei "ein langsames Schiff", bis die Hilfsmittel bei den Bauern ankämen, seien die längst bankrott. Die Bundesregierung solle den Betrieben lieber bei Exporten helfen, als ihnen Schranken zu setzen.

Der DBV fordert statt der angekündigten Hilfen vom Bund in Höhe von 100 Millionen Euro deutlich mehr. Notwendig sei mindestens eine Milliarde Euro, heißt es dort. Der Bauernverband hatte Molkerei-Vorständen zuletzt vorgeschlagen, den Bauern gestaffelte Preise zu zahlen: für überschüssige Milch weniger als für bestellte Ware. Branchenexperten halten es allerdings für unrealistisch, dass sich die Molkereien darauf einlassen werden.

Milch Die Milchbauern sind selbst schuld
Milchpreis

Die Milchbauern sind selbst schuld

Als die Milchquote abgeschafft wurde, haben sie zu träumen begonnen. Damit muss endlich Schluss sein - sonst ist der Preisverfall nicht zu stoppen.   Kommentar von Nikolaus Piper

Schmidt spricht von "flexiblem Zeitplan"

Auch Bundesminister Schmidt hat lange auf Hilfspakete und Freiwilligkeit gesetzt. "Es ist und bleibt die Aufgabe der Marktbeteiligten, selbst ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu finden", ließ er noch im Mai verlauten. Erst in der gemeinsamen Erklärung mit seinen französischen und polnischen Amtskollegen in der vergangenen Woche ändert sich Schmidts Tonfall: Wenn es freiwillig nicht klappe, würden "andere Maßnahmen" erwogen, um den europäischen Milchmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Was er genau damit meint, lässt sein Sprecher offen. "Es gibt nichts, was wir ins Schaufenster stellen." Erst einmal wolle man abwarten, ob die Milchbranche nicht doch noch eine Lösung finde. Der Zeitplan sei flexibel.

Skeptisch bleibt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). "Ob Minister Schmidt es ernst meint, wird sich erst noch zeigen", sagt deren stellvertretender Vorsitzender Ottmar Ilchmann. Spätestens bis zum nächsten Treffen der EU-Agrarminister in Brüssel Ende Juni müssten Vorschläge auf dem Tisch liegen, findet der Milchbauer.

Länder knüpfen Unterstützung an Drosselung der Milchmenge

Unklar ist, ob es weitere zusätzliche finanziellen Hilfen geben wird und wie sie finanziert werden können. Eine Milliarde Euro Hilfen für die Landwirte, wie sie der DBV fordert, seien unrealistisch, heißt es im Berliner Agrarministerium. Derzeit stellt der Bund 100 Millionen Euro an Nothilfen bereit. Im Raum steht, dass die Länder noch einmal so viel beisteuern.

Doch die Länder knüpfen ihr Unterstützung ganz klar an eine Reduktion der Milchmenge, sonst gibt es kein Geld. Das betont Schleswig-Holsteins Agrarminister Habeck. "So wie die Hilfsmittel jetzt eingesetzt werden, werden sie wirkungslos verplempert." De facto gehe es derzeit im Schnitt um 350 Euro in Form von Steuererleichterungen pro Betrieb und pro Jahr. "Davon haben die Bauern nichts. Das ist der Betrag, den sie derzeit pro Tag im Schnitt verlieren." Er geht davon aus, dass sich mit 200 Millionen Euro von Bund und Länder praktikable Modelle zur Mengenreduktion finanzieren lassen. Noch wichtiger sei jedoch eine Lösung auf EU-Ebene. Auch darum wird es beim Treffen von Bund und Ländern mit EU-Kommissar Hogan am 15. Juli gehen.

Ernährung Den Deutschen können Lebensmittel nicht billig genug sein
Ernährung

Den Deutschen können Lebensmittel nicht billig genug sein

Und die Landwirtschaft konnte die Nachfrage der Schnäppchenjäger lange Zeit gut bedienen. Doch nun bricht dieses System zusammen.   Von Jan Heidtmann