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Vergleich von Volkswirtschaften:Vorschlag: Ein grünes Inlandsprodukt

Soziale Sicherungssysteme sind bislang ebenso vom Wachstum des Inlandsprodukts abhängig wie der Arbeitsmarkt. "Wir müssen uns klar machen, dass Wachstum auch etwas mit Fortschritt zu tun hat", sagt der CSU-Politiker Georg Nüßlein, Obmann der Union im Ausschuss. "Wir sind durchaus der Meinung, dass wir so etwas wie Wachstum weiter brauchen."

Deutsche Wirtschaft 2010 um 3,6 Prozent gewachsen

Die deutsche Wirtschaft ist 2010 um 3,6 Prozent gewachsen. Aber was bringt den Deutschen das?

(Foto: dpa)

Doch weltweit wächst die Kritik am klassischen Wachstumsbegriff. Noch vor der deutschen Enquete gingen Länder wie Großbritannien, Frankreich und Kanada auf die Suche nach Alternativen, auch EU, G 20 und OECD fahnden nach neuen Indikatoren. In Kanada entwickelt ein eigenes Institut den "Index fürs Wohlergehen". Die Hoffnung: Ist ein solcher Maßstab erst etabliert, könnte eine Gesellschaft Wege zum nachhaltigen Wachstum entwickeln.

Vorreiter ist ausgerechnet das ansonsten kaum bekannte Königreich Bhutan: Dort hat vor Jahren schon ein "Bruttoglücksprodukt" die klassischen Maßzahlen ersetzt. Ein Beispiel offenbar auch für Großbritanniens Premierminister David Cameron: Er will einen Glücksindikator einführen. Der Politiker kündigte an, dass das Nationale Amt für Statistik (ONS) von April 2011 an die Lebensqualität der Briten misst.

An Ideen mangelt es nicht. So schlägt der Heidelberger Ökonom Hans Diefenbacher ein "grünes" Inlandsprodukt vor. Im Zentrum seines "Nationalen Wohlfahrtsindexes" steht der private Verbrauch.

Davon werden die Kosten des Wachstums abgezogen - etwa die Verschmutzung von Böden, Wasser und Luft. Darin tauchen zwar auch noch nicht alle Umweltschäden auf. Die Tendenz aber ist deutlich: Das Ergebnis zeigt eine Kurve, die seit einem Jahrzehnt von der BIP-Kurve abfällt. "Wir rechnen nicht besser", sagt Diefenbacher: "Wir rechnen nur anders."

Ohnehin ist fraglich, ob es nur um Rechenfragen geht. Die Enquete aus 17 Abgeordneten und ebenso vielen Experten soll deshalb auch klären, ob es eines anderen Ordnungsrahmens bedarf, um nachhaltig zu wirtschaften; ob auch "grundlegende gesellschaftliche Veränderungen und Änderungen im Lebensstil des Einzelnen" nötig werden. Und da, so sind sich die Parlamentarier schon jetzt einig, wird es dann richtig interessant.

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