Mauerbau Die Pläne für Trumps Mauer werden konkreter

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA soll noch stärker gesichert werden, sagt Donald Trump.

(Foto: AFP)
  • Die erste Bewerbungsfrist für die Grenzmauer zwischen Mexiko und den USA ist abgelaufen. Mehr als 730 Firmen weltweit wollen sich am Bau der Mauer beteiligen.
  • Einige große Firmen haben sich nicht beworben, sie fürchten um ihren Ruf. Aus Mexiko ist ein Leuchtenhersteller unter den Bewerbern.
  • Von den deutschen Firmen, die auf der Liste auftauchen, versuchten einige bereits ihre Bewerbung herunterzuspielen.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Wahrscheinlich ist Theodore Atalla gerade ein sehr einsamer Mensch, denn bei ihm daheim hat die Geschichte bereits die Runde gemacht. Mit seiner Firma Eco Velocity verkauft Atalla LED-Leuchten aller Art, und geht es nach ihm, dann werden diese Lampen bald schon jene Mauer erhellen, die US-Präsident Donald Trump an der amerikanisch-mexikanischen Grenze errichten will. Auch viele andere meist amerikanische Firmen haben sich Schmähbriefe, Proteste und Boykottaufrufe eingefangen, weil sie an dem archaisch anmutenden Projekt mitwirken wollen. In Atallas Fall jedoch kommt ein wichtiger Punkt erschwerend hinzu: Er wohnt in Mexiko.

Unter den 731 Firmen, die bis zum Ablauf der ersten Bewerbungsfrist an diesem Dienstag ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet haben, ist Eco Velocity die einzige, die ihren Sitz zwischen Rio Grande und Panamakanal hat. Entsprechend stark ist der Wind, der Atalla nun ins Gesicht weht: Politiker und Prominente haben die Unternehmen des Landes wiederholt aufgefordert, bei der Einmauerung ihrer Heimat nicht noch mitzumachen. Das Bistum Mexiko-Stadt erklärte gar in einem Gemeindebrief, wer sich an dem Projekt beteilige, handle "unmoralisch" und werde fortan als "Heimatland-Verräter" betrachtet.

Während Großkonzerne wie der Zementhersteller Cemex deshalb zumindest bisher vor einer Bewerbung zurückschreckten, ließ sich Atalla nicht einschüchtern: Der gebürtige Ägypter mit griechischen Wurzeln, der auch einen US-Pass hat und erst vor fünf Jahren endgültig aus Kalifornien nach Mexiko zog, bezeichnet sich selbst als Anhänger Trumps und hält dessen Ideen für richtig: "Ich denke, das ist eine gute Sache", sagt er.

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Atallas gut 700 Mitbewerber kommen fast ausschließlich aus den USA. Baukonzerne wie Bechtel und United Technologies sucht man auf der Liste aber vergeblich, womöglich ist ihre Sorge um das Image größer als die Versuchung, sich ein Stück aus dem Milliardenkuchen herauszuschneiden. Die bekanntesten Interessenten sind noch U. S. Concrete, Fluor, Martin Marietta und KBR. Die meisten anderen sind kleine und mittelständische Bau-, Ingenieur-, Sicherheitstechnik- und Design-Betriebe.

Ein gutes Dutzend Firmen kommt aus anderen Ländern, darunter Australien, Kanada, Ägypten und Kolumbien. Europa ist unter anderem mit dem französischen Zementkonzern Lafarge, der niederländischen Geodaten-Firma Fugro, dem britischen Baukonzern Keller und dem irischen Elektroanbieter Eaton vertreten. Meist sind es nicht die Konzerne selbst, die sich auf die Liste haben setzen lassen, sondern US-Tochtergesellschaften. So auch im Falle des schwedischen Autobauers Volvo, der über seine US-Tochter Mack Trucks beteiligt ist. Die Firma baut schwere Lkw.

Anders als von Trump suggeriert, wird das Ministerium keine durchgehende Betonwand bauen

Aus Deutschland haben sich vier Firmen gemeldet. Der traditionsreiche Baukonzern Bauer aus dem bayerischen Schrobenhausen und das Münchner Architekturbüro Leupold Brown Goldbach haben ihre Beteiligung schon heruntergespielt und erklärt, man habe sich nur informieren wollen, was da geplant sei. Immerhin haben sich beide aber beim offiziellen Bewerberportal der US-Regierung registriert, sonst nämlich hätten sie nicht auf der Liste der Mauer-Interessenten landen können. Auf dieser Liste befinden sich zudem die Firma 3-D-Raum des Hamburger Künstlers Detlef Lemme und eine Tochter des badischen Funkfrequenzexperten LS Telcom. Während Lemmes Bewerbung wohl eher als Scherz zu verstehen ist, hieß es bei LS Telcom, man habe keine Kenntnis, ob, warum und wofür sich die weitgehend selbständige US-Tochter beworben habe. "In keinem Fall kann es jedoch um die Errichtung einer Grenzmauer gehen, weil dies nicht im Leistungsspektrum der LS Telcom Inc. liegt", betonte Vorstandsmitglied Georg Schöne.

Der Gesamtumfang aller Aufträge wird im Heimatschutzministerium auf 21 Milliarden Dollar geschätzt. Die Fertigstellung der gut 3000 Kilometer langen Anlage ist für Ende 2020 geplant - also pünktlich zur nächsten Präsidentschaftswahl. Anders als von Trump suggeriert, wird das Ministerium keine durchgehende Betonwand bauen, vielmehr sollen sich, je nach Gelände, Mauer- und Zaunstücke abwechseln. Das ist der Grund, warum sich mit dem spanischen Hersteller Quickfence auch ein Großanbieter von Stahlgitterzäunen um einen Auftrag bewirbt. Laut Ausschreibung soll die Anlage in der Regel gut neun Meter hoch, praktisch unzerstörbar und für Kletterer unüberwindbar sein. Darüber hinaus müsse sie auch "ästhetischen Anforderungen" genügen.

Theodore Atalla, der Mann aus Puebla, glaubt im Übrigen nicht, dass er zum Zuge kommen wird. Bauen nämlich lässt er seine Lampen in einem Land, das Trump vielleicht noch weniger leiden kann als Mexiko: in China.

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