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Luftfahrt:Lufthansa beschließt Sparprogramm wegen Coronavirus

Lufthansa-Airbus

Schon jetzt fliegen wegen des Coronavirus nicht alle Lufthansa-Maschinen wie gewohnt. Nun will der Konzern noch mehr Flüge streichen.

(Foto: Silas Stein/dpa)
  • Der Ausbruch des Coronavirus trifft die Luftfahrtbranche besonders hart. Weltweit werden Flüge gestrichen, auch die Nachfrage geht deutlich zurück.
  • Nun kündigte auch die Lufthansa an, wegen der aktuellen Lage sparen zu müssen.
  • Unter anderem sollen weitere Flüge gestrichen, die Aus- und Fortbildung von Flugbegleitern gestoppt und Budgets gekürzt werden.

Die Lufthansa hat wegen des Ausbruchs des Coronavirus ein umfangreiches Sparprogramm beschlossen. Unter anderem sollen alle geplanten Neueinstellungen "überprüft" werden, Kurse für neue Flugbegleiter werden gestoppt. Außerdem plant der Konzern, weitere Flüge zu streichen. Über die erwarteten finanziellen Auswirkungen der Virus-Krise wird der Konzern aber erst am 19. März bei seiner Bilanzpressekonferenz informieren.

Die Luftverkehrsbranche ist vom Coronavirus zwar besonders stark betroffen. Dennoch tut sie sich weiterhin schwer damit abzuschätzen, wie gravierend die wirtschaftlichen Folgen sein werden. Die International Air Transport Association (IATA) ging bei einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Prognose davon aus, dass die Branche im Jahr 2020 Umsatzeinbußen von knapp 30 Milliarden US-Dollar werde verkraften müssen. Gut 27 Milliarden davon entfielen auf die Fluggesellschaften im asiatisch-pazifischen Raum, nur 1,5 Milliarden auf alle anderen. Insgesamt wird gemäß der Prognose der Luftverkehr erstmals nach zehn Jahren leicht schrumpfen. Allerdings basierte die IATA-Schätzung auf der Annahme, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet und in Asien relativ schnell unter Kontrolle gebracht wird. Doch nun scheint das Gegenteil zu passieren - und damit dürften die Folgen für die Luftfahrtindustrie weit größer sein, als zunächst angenommen.

Für die asiatischen Fluggesellschaften ist die Lage schon jetzt dramatisch. Die chinesischen Airlines führen derzeit nur etwa ein Drittel ihrer sonst üblichen Flüge durch. Zuletzt sorgten Charter-Aufträge großer Firmen, die ihre Mitarbeiter nach dem chinesischen Neujahrsurlaub aus ihren Heimatorten wieder an die Arbeitsplätze transportieren wollten, für etwas mehr Beschäftigung. Die Zentralregierung hat bereits finanzielle Hilfen angekündigt, allerdings sind die meisten Anbieter ohnehin in Staatsbesitz. Die finanziell angeschlagene HNA Group soll ihre zahlreichen Fluggesellschaften an Provinzregierungen verkaufen. Auch in Südkorea will der Staat den heimischen Airlines mit Krediten helfen. Dennoch gelten Pleiten, vor allem im bislang boomenden Billigflug-Segment, als wahrscheinlich.

Die Airlines der Lufthansa-Gruppe - betroffen sind Lufthansa, Swiss und Austrian - fliegen derzeit gar nicht nach China und seltener nach Hongkong als üblich. Auf anderen Flügen nach Asien ist die Nachfrage wie bei praktisch allen Fluggesellschaften rückläufig. Derzeit hat Lufthansa nach eigenen Angaben rechnerisch 13 Langstreckenflugzeuge geparkt, eine Zahl, die in den kommenden Wochen noch steigen dürfte. Die Chinaflüge machen im Konzern zwar nur etwa drei Prozent des Umsatzes aus, allerdings fehlen Fluggäste aus China und anderen Teilen Asiens auch im restlichen Streckennetz.

Zusammenarbeit mit Condor endet im Sommer 2021

Um die wirtschaftlichen Folgen zu minimieren, will Lufthansa nun an vielen Stellen sparen. Alle von April an geplanten Lehrgänge für Flugbegleiter und Stationsmitarbeiter werden nicht mehr durchgeführt. Kursteilnehmer an laufenden Lehrgängen werden nicht übernommen, allerdings will Lufthansa versuchen, ihnen "langfristig" einen Arbeitsvertrag anzubieten. Darüber hinaus bietet der Konzern den Mitarbeitern ab sofort an, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Außerdem sollen sie Angebote bekommen, übergangsweise in Teilzeitmodelle zu wechseln. In der Verwaltung werden die Budgets für Projekte um zehn Prozent und für Sachkosten um 20 Prozent zusammengestrichen.

Unabhängig von der Coronavirus-Krise hat der Konzern beschlossen, seine Zusammenarbeit mit der Ferienfluggesellschaft Condor im Sommer 2021 auslaufen zu lassen. Bei Condor steigt voraussichtlich im April die Polish Aviation Group (PGL) als neuer Eigentümer ein. Zu PGL gehört auch LOT Polish Airlines, die Lufthansa als Konkurrenten betrachtet. Für Condor ist die Entscheidung sehr schmerzhaft, denn bislang hat Lufthansa Zubringerflüge für die Passagiere der Frankfurter Condor-Langstrecken durchgeführt.

© SZ vom 27.02.2020/vd
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