Rewe:Streit um "klimaneutrales" Hähnchenfleisch

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Rewe bewirbt Geflügelprodukte als klimaneutral und wird von Verbraucherschützern wegen irreführender Werbung abgemahnt. Der Handelskonzern will das nicht auf sich sitzen lassen.

Von Silvia Liebrich

Viele Verbraucher achten bei ihrer Ernährung zunehmend auf den CO₂-Abdruck einzelner Lebensmittel. Wirklich überprüfen können Käufer solche Angaben auf Verpackungen aber nicht. Die Organisation Foodwatch hat nun den Handelskonzern Rewe abgemahnt, weil dieser das Hähnchenfleisch seiner Rewe-Eigenmarke Wilhelm Brandenburg als "klimaneutral" bewirbt. Verbraucher könnten dies so verstehen, dass sich die Produktion des Hähnchenfilets nicht schädlich auf das Klima auswirke, argumentiert Foodwatch. Tatsächlich werde das Hähnchenbrustfilet weder emissionsfrei hergestellt, noch würden die bei der Produktion anfallenden Emissionen ausgeglichen.

Rewe kompensiert CO₂ aus der Hähnchenproduktion nach Angaben von Foodwatch mit einem Projekt zum Waldschutz mit nachhaltigem Paranuss-Anbau in Peru. Die Zertifikate für das Geflügelfleisch von Rewe stammen demnach aus den Jahren 2010 bis 2012. Für diesen Zeitraum habe das Projekt noch keinerlei Emissionsreduktionen bewirkt, die Zertifikate seien deshalb falsch, heißt es bei Foodwatch. Das Projekt schütze damit weder den dortigen Wald noch das Klima. Die Organisation beruft sich auf eigene Recherchen.

Rewe weist die Vorwürfe zurück und verweist an seinen Dienstleister Climate-Partner, eine Organisation, die Firmen dabei hilft, ihre CO₂-Emissionen durch Klimaschutzprojekte auszugleichen. "Der von Foodwatch beauftragte Bericht hat mehrere methodische Mängel und geht von falschen Ausgangslagen aus", schreibt Climate-Partner in einer Stellungnahme. Die positive Wirkung des Waldschutzprojekts sei durch mehrere Prüfungen und Gutachter bestätigt.

Nach Ansicht von Foodwatch ist es grundsätzlich irreführend, Fleisch als "klimaneutral" zu bewerben, weil Lebensmittel tierischen Ursprungs im Vergleich zu anderen mehr Treibhausgase verursachen.

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