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Konkurrenz für deutsche Lebensmittelgeschäfte:Essen ist fertig

Der deutsche Lebensmittelmarkt ist umkämpft wie kein zweiter in Europa. Nun will ein Konzern aus Amsterdam Rewe und Co. das Fürchten lehren, in dem er vor allem Fertigessen "to go" verkauft. Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Aachen macht den Anfang.

Ein kleines Ladenlokal, etwa 80 Quadratmeter, in der Aachener Petersstraße, direkt gegenüber dem Busbahnhof: Hier verkaufte bis vor ein paar Wochen Schlecker Shampoos, Babywindeln und Zahnbürsten.

'Albert Heijn to go' kommt nach Deutschland

"Albert Heijn to go" nennen die Niederländer ihren ersten Laden auf deutschem Boden - in Anlehnung an den Namen der Supermarktkette, mit der sie in ihrer Heimat (siehe Foto) Marktführer sind: Albert Heijn.

(Foto: dpa)

Inzwischen ist der Drogeriefilialist Geschichte. Der neue Nutzer der Immobilie öffnet an diesem Mittwoch, und der gesamte deutsche Lebensmittelhandel wird sehr aufmerksam hinschauen. Denn das Lädchen in der Aachener Innenstadt dürfte dafür sorgen, dass bald noch mehr Bewegung in den ohnehin stark umkämpften Markt mit Lebensmitteln kommt.

Der niederländische Handelskonzern Ahold wagt den Sprung über die Grenze und verkauft in der ehemaligen Schlecker-Filiale Dinge, bei denen vor allem Schüler, Studenten, Pendler und eilige Büromenschen gerne zugreifen: frische Salate, mundgerecht geschnittenes Obst, Sandwiches, warme Suppen, Pasta und natürlich Kaffee und Cappuccino.

"Convenience" nennen Fachleute diese Produkte zum bequemen sofortigen Verzehr. Und weil immer mehr Menschen in Zeitnot sind oder keine Lust haben, sich ihre Brotzeit selber zusammenzustellen, sagen Branchenkenner Händlern eine gute Zukunft voraus, die ihr Angebot darauf abstellen.

Bäckereien werden zu Gastronomiebetrieben

Das Gerangel um die Gunst der Liebhaber des Unterwegs-Verzehrs ist schon jetzt riesengroß: Früher teilten sich Imbissbuden und Fast-Food-Anbieter das Geschäft. Inzwischen gibt es weitere Mitbewerber. Bäckereien und Fleischereien wandeln sich zu Gastronomiebetrieben, Tankstellen verkaufen belegte Brötchen und Salate, Kioske locken mit Snacks gegen den kleinen Hunger.

Das Geschäft mit Convenience-Produkten ist längst ein Milliarden-Markt. Das genaue Volumen lässt sich nur schätzen. Fachleute beziffern es auf etwa 23 Milliarden Euro; das sind immerhin knapp zehn Prozent der gesamten Summe, die in Deutschland jedes Jahr für Nahrungs- und Genussmittel ausgegeben wird. Eine Nische, könnte man meinen. Aber die Nische wächst, während der gesamte Lebensmitteleinzelhandel eher stagniert. Das macht das Geschäft mit Produkten für den schnellen und bequemen Verzehr so interessant.

"Albert Heijn to go" nennen die Niederländer ihren ersten Laden auf deutschem Boden - in Anlehnung an den Namen der Supermarktkette, mit der sie in ihrer Heimat Marktführer sind: Albert Heijn. Der Handelskonzern aus Amsterdam, mit einem Umsatz von 30 Milliarden Euro einer der Branchen-Schwergewichte in Europa, hat Erfahrungen im Convenience-Geschäft. In den Niederlanden betreibt Ahold bereits mehr als 50 "To-go"-Läden; die erste Filiale eröffnete bereits vor zehn Jahren.

Aachen soll der Auftakt zu einem sehr breiten Auftritt in Deutschland sein. Ein zweiter Laden soll schon bald in Essen folgen. In den nächsten zwölf Monaten soll mindestens ein gutes Dutzend weiterer Filialen dazukommen. Weiter lässt sich Ahold nicht in die Karten schauen. Nur so viel: Bis 2016 sind in den Niederlanden, Belgien und Deutschland 150 Neueröffnungen geplant. Die Niederländer sind der erste Lebensmittelhändler, der den Markt für die schnelle Mahlzeit mit einem eigenen Ladenkonzept erobern will.