Konferenz in Doha Krisentreffen der Ölstaaten scheitert

  • Wichtige Öl-Förderländer haben sich bei einem Treffen in Doha nicht auf eine Deckelung ihrer Produktion einigen können.
  • Wegen eines Überangebots waren die Ölpreise 2015 um bis zu 70 Prozent eingebrochen.
  • Verbraucher freuen sich zwar über günstige Preise für Benzin und Heizöl, die Förderländer und deren Bürger leiden jedoch darunter.

Die Hoffnung war groß. Das Treffen wichtiger Ölproduzenten in Doha, der Hauptstadt von Katar, sollte am Sonntag einen Durchbruch am Ölmarkt bringen. Durch eine Deckelung der Fördermenge sollte die schwierige Lage für die Produzenten stabilisiert werden und die Preise wieder steigen, so der Plan. Doch die Verhandlungen zogen sich hin, schließlich wurde nach zum Teil heftigen Debatten deren Scheitern verkündet. Für eine Entscheidung brauche es noch mehr Zeit, teilten die 18 Staaten am Abend mit. Nach Angaben des nigerianischen Ölministers werde es ein erneutes Treffen wahrscheinlich im Juni geben.

An den Verhandlungen hatten 18 Länder teilgenommen, darunter auch Russland, das nicht zur Opec gehört. Den Anwesenden zufolge trug vor allem Saudi-Arabien dazu bei, dass es zu keiner Einigung kam. Das Land habe zur Bedingung gemacht, dass alle 13 Opec-Länder ihre Produktion einfrieren müssten.

Teheran hatte jedoch zuvor mitgeteilt, bei den Plänen der mächtigen Fördernationen Saudi-Arabien und Russland nicht mitmachen zu wollen und an den Verhandlungen gar nicht erst teilgenommen. Den Vorschlag, die Produktion einzufrieren, lehnte das Land ab. Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh reagierte darauf mit nur zwei Worten: "Ein Witz". Aus Sicht Teherans nicht unverständlich: Das Land litt jahrelang unter einem Öl-Embargo. Nun will es sich den Aufschwung nicht durch künstliche Grenzen kaputt machen lassen. Der Iran werde seine Produktion wie geplant auf vier Millionen Barrel am Tag - und damit auf den Level vor den im Januar aufgehobenen Sanktionen - erhöhen, erklärte der Minister.

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Ölpreise dürften nach Scheitern der Gespräche wieder fallen

Die Ölpreise waren von Mitte 2014 bis Ende 2015 wegen eines Überangebotes um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Zwischenzeitlich erholten sie sich zwar wieder leicht, doch das Scheitern der Gespräche dürfte den Preisen einen weiteren Schlag versetzen, erwarten Experten. Tatsächlich sanken die Preise am Montag im frühen Handel um etwa fünf Prozent.

Die weltweite Ölschwemme war unter anderem deswegen entstanden, weil führende Förderer im Zuge einer sinkenden Nachfrage und einer wachsenden Konkurrenz - zum Beispiel durch die von amerikanischen Unternehmen eingesetzte Fördertechnik Fracking - ihre Marktanteile durch eine Erhöhung der Produktion halten wollten. Verbraucher freuen sich zwar über günstige Preise für Benzin und Heizöl, den Förderländern aber rissen sie riesige Löcher in die Haushaltskassen. Neben Iran waren auch die USA und Norwegen nicht an den Gesprächen beteiligt.

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