Kohleindustrie in den USA:Der Anteil von Kohle im Strommix ist rapide gesunken

All das hat mit Politik kaum etwas zu tun, sondern liegt an der Marktwirtschaft und dem technischen Fortschritt. Die Unternehmen setzen inzwischen viel mehr Maschinen ein, die Automatisierung hat Tausende Kohle-Jobs gekostet. Und das Hauptproblem ist die geschrumpfte Nachfrage.

Der Bedarf an Kohle für die Stahlproduktion ist in den USA gesunken, weil die Stahlindustrie in einem jahrzehntelangen Niedergang steckt. Auch Kohleverbrennung für die Strom- und Wärmeproduktion ist im Abschwung. Der Preis von Kohle insgesamt sinkt zwar seit Jahren, was die Nachfrage eigentlich steigern müsste, doch die Alternative ist noch schneller billiger geworden: Erdgas. Die USA fördern immer mehr Gas mit Technik wie Fracking. Auch Wind- und Solarstrom werden in den USA immer billiger und beliebter.

Der Anteil von Kohle im Strommix ist rapide gesunken, derzeit sind es nur noch rund 30 Prozent. Vor zehn Jahren produzierten die USA noch die Hälfte ihres Stromverbrauchs mit Kohle. Seit 2010 haben die Unternehmen 243 Kohlekraftwerke in den USA stillgelegt oder verkündet, abschalten wollen, hat die Umweltorganisation Sierra Club gezählt. Damit verbleiben nur noch 280 Kohlekraftwerke. Ein Neubauprojekt gibt es nicht. Viele Banken haben sich aus der Finanzierung neuer Kohlekraftwerke zurückgezogen. Die Divestment-Bewegung wirbt immer lauter für Ethik-Standards bei der Kreditvergabe und setzt Banken und andere Geldgeber unter Druck.

Kohleindustrie in den USA: SZ-Grafik; Quelle: MSHA

SZ-Grafik; Quelle: MSHA

Unter Präsident Barack Obama, im Amt seit Anfang 2009, hat sich der Niedergang noch einmal beschleunigt. Er hat scharfe Auflagen für Kohlekraftwerke erlassen. Im vergangenen Jahr sank die Kohleproduktion noch einmal um zehn Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1986. Besonders schlimm lief es in den Bundesstaaten West Virginia und Kentucky in den Appalachen, in der Gebirgsregion sind die Minen älter und tiefer, die Förderung kostet mehr Geld und bräuchte Investitionen, die sich nicht mehr lohnen. Auch die Exporte sinken seit einigen Jahren. China hat im Jahr 2014 1,7 Millionen Tonnen US-Kohle importiert, 2015 waren es nur noch 229 000 Tonnen.

Allerdings gab es zuletzt leichte Hoffnungszeichen. Die Preise haben sich leicht erholt. Der Kohlekonzern Cloud Peak Energy hatte den Export ganz eingestellt, weil sich das Geschäft nicht mehr gelohnt hat. Ende Oktober hat er allerdings verkündet, wieder mit Ausfuhren nach Asien zu beginnen. Doch der Konzern warnt vor übertriebenem Optimismus. Der globale Kampf gegen den Klimawandel werde durch Trump nicht verschwinden. Ihm sei es lieber, wenn die US-Regierung Unternehmen bei Effizienz- und Umweltschutz-Maßnahmen unterstützt, statt dass sie alle Regeln zurückzudreht, sagte Richard Reavey, Cheflobbyist der Firma, der New York Times. "Jeden Überschwang sollten wir uns sparen."

© SZ vom 23.11.2016
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