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Kohleindustrie in den USA:Trump wird den Niedergang der Kohle nicht stoppen können

Scott Tiller

Scott Miller arbeitet seit mehr als 30 Jahren in Kohleminen im US-Bundesstaat West Virginia. Als Donald Trump zum Wahlkampf anreiste, versprach er, die Industrie zu stärken.

(Foto: David Goldman/AP)
  • Der Niedergang der Kohleindustrie in den USA dauert schon Jahrzehnte an. Donald Trump hat eine radikale Kehrtwende in der Energiepolitik versprochen.
  • Doch sein Einfluss auf die Kohleindustrie ist gering. Experten glauben zwar, dass er die starke Regulierung zurückdrehen kann. Doch die Nachfrage nach der Kohle werde er nicht ankurbeln können.

Früher gab es hier starke Gewerkschaften. Wenn die Kohlearbeiter streikten, bekamen sie meist recht. Im Sommer trafen sich die Bosse und die Belegschaft zum Grillfest und warfen Hufeisen um die Wette. Die Arbeiter schufteten, mit Kanonen schossen sie die Bergkappen der Appalachen weg, um an Kohlevorräte zu kommen. Aber sie konnten sich ein bisschen Wohlstand für ihre Familie leisten und nach Jahren harter Arbeit wartete eine gute Rente. Zum Abschied spendierte die Firma Eiscreme. Die Kohlemine Bonet in West Virginia verschaffte den Menschen einen Anteil am amerikanischen Traum.

Dann kam der Niedergang. Die Mine, einst Teil eines Familienunternehmens, wechselte mehrfach den Besitzer von einem börsennotierten Energiekonzern zum anderen. Der letzte rutschte 2015 in die Pleite. Nun ist die Mine geschlossen, ein Fonds kümmert sich um das verseuchte Wasser und sucht nach Investoren. Die Menschen haben keine Arbeit mehr, in der Insolvenz haben sie ihre Krankenkassenzuschüsse verloren und sorgen sich um die Rente. Was ihnen bleibt, sind durchfurchte Berge und deformierte Fische in den Flüssen.

Als Donald Trump zu einer Wahlkampfveranstaltung in West Virginias Hauptstadt Charleston kam, sind die Kohlearbeiter zu Tausenden angereist. Sie trugen schwere Helme auf dem Kopf und jubelten ihm zu, als er davon sprach, Amerika wieder zum Land der Kohle zu machen. "Macht euch bereit, denn ihr werden euch halbtot arbeiten", rief Trump. Am Ende setzte er sich selbst einen Helm auf und reckte die Daumen in die Höhe. Die Wähler in West Virginia stimmten kurz darauf für ihn als US-Präsidenten.

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Am Montagabend verkündete er nun den Plan für seinen ersten Tag im Amt. Er werde alle Regeln aufheben, die die Energiebranche, insbesondere die Kohleindustrie, Arbeitsplätze kosten. "Das wird mehrere Millionen hoch bezahlter Jobs schaffen. Das ist, was wir wollen. Darauf haben wir gewartet." An den Klimawandel, der von der Verbrennung von Kohle extrem beschleunigt wird, glaubt Trump nicht. Doch er glaubt daran, dass Jobs in den Minen in sein Land zurückkehren werden, wenn er nur die Regeln zum Klimaschutz wieder rückgängig macht, die sein Vorgänger Barack Obama eingeführt hat.

Doch der Einfluss des Präsidenten auf die Zukunft der Kohleindustrie ist gering, glauben Beobachter von Ratingagenturen, Umweltgruppen und sogar aus der Energieindustrie. "Ich denke nicht, dass Trumps Präsidentschaft einen ernst zu nehmenden Einfluss darauf hat, die Kohlearbeiter wieder an die Arbeit zu schicken", sagte Ted O'Brien, Kohle-Experte beim Beratungsunternehmen Doyle Trading Consultants, der New York Times. "Er kann vielleicht einen Teil der Überregulierung zurücknehmen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Nachfrage nach Kohle wieder ansteigt."

Der Niedergang der Kohleindustrie dauert schon Jahrzehnte an. Im Oktober arbeiteten nur noch 54 000 Menschen in den Minen der USA - 1980, in den goldenen Zeiten, waren es 250 000 Arbeiter. Die Umsätze der Kohlefirmen schrumpfen. "Die Industrie ist pleite. Unsere Kohlemärkte sind ruiniert", sagte Robert Murray, Chef von Murray Energy aus Ohio, auf einer Branchenkonferenz. Einst stolze Namen wie Arch Coal, Marktführer Peabody Energy oder Patriot Coal rutschten seit dem vergangenen Jahr in die Pleite.