Kaufhäuser Der große Traum von K&K

Aus zwei mach eins? Oft liegen die Filialen der beiden deutschen Kaufhausketten nicht weit auseinander - wie hier in Trier.

(Foto: Rupert Oberhäuser/Imago)

Karstadt und Kaufhof, das könnte in Zukunft eins werden. Der Unternehmer René Benko bietet drei Milliarden Euro - und ist seiner Warenhaus AG so nah wie nie.

Von Michael Kläsgen

Wird aus Kaufhof und Karstadt eine deutsche Warenhaus AG? Davon träumt der österreichische Immobilienunternehmer René Benko seit Längerem. Nun hat er für Kaufhof drei Milliarden Euro geboten. Es ist das dritte Mal, dass der Karstadt-Eigner Benko um Kaufhof wirbt. Zweimal platzte sein Traum. Diesmal ist er ihm aber so nahe wie nie zuvor. Denn die Situation heute unterscheidet sich heute grundlegend von der in den Jahren 2011 und 2015.

Das hat mehrerlei Gründe: Galeria Kaufhof war vor zwei Jahren noch ein im Kern gesundes Unternehmen, Karstadt hingegen lag insolvent darnieder. Benkos Signa Holding kaufte Karstadt 2014 vom US-Investor Nicolas Berggruen für einen symbolischen Euro. Seither schaffte Karstadt unter dem Signa-Einzelhandelschef Stephan Fanderl die Trendwende und verdient wieder Geld.

Kaufhof hingegen wurde 2015 von der kanadischen Hudson's Bay Company (HBC) übernommen. Das Desaster ist inzwischen weitgehend bekannt, auch wenn es von HBC so offiziell nicht kommuniziert wird. Nicht nur sinken die Umsätze wie schon in den Jahren zuvor, vielmehr verbrennen nach SZ-Informationen 50 der knapp 100 Filialen in Deutschland jeden Tag Geld. Die Verluste häufen sich, ein Wunder ist im Weihnachtsgeschäft nicht zu erwarten. Kaufhof brauchte angesichts dieser Dramatik sechs Monate, um einen neuen Deutschland-Chef zu finden. Der ehemalige Real-Manager Roland Neuwald soll es richten, wie am Donnerstag bekannt wurde.

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Zudem strauchelt der Mutterkonzern HBC selber. Er steht seinerseits ohne offiziellen Chef und hoch verschuldet da. Interims-Chef Richard Baker verscherbelte vorige Woche scheinbar wie in Panik eine Top-Immobilie in New York, über den Verkauf einer weiteren wird spekuliert - offenbar nur mit einem Ziel: um sich so einen kleinen finanziellen Spielraum für ein paar weitere Monate zu verschaffen.

Der entscheidende Grund aber, warum HBC ein Interesse daran haben könnte, Kaufhof wieder zu verkaufen, ist die Art der Finanzierung, mit der die Kanadier den Kauf 2015 realisierten. Die 2,8 Milliarden Euro zahlten sie mithilfe von Partnern und wesentlich über Kaufhof selber, ganz im Stil von Private-Equity-Firmen, auch Heuschrecken-Investoren genannt. Denn HBC führte eine jährlich um zwei Prozent steigende Staffelmiete ein, steigerte so den Wert des Immobilienportfolios formal um schätzungsweise etwa eine Milliarde Euro.

Danach brachte HBC 2,6 Milliarden Euro des Portfolios in eine Immobilien-Beteiligungsgesellschaft namens HBS Global Properties ein, an der HBC inzwischen nur noch 63 Prozent hält. Wenn aber die Mieten jährlich um zwei Prozent steigen, der Umsatz aber jährlich um zwei Prozent sinkt, "killt die Miete den Laden irgendwann komplett", wie ein Insider sagt, mit gravierenden Folgen. Kaufhof könnte, je schlechter es läuft, die Konzernmutter HBC mit in den Abgrund reißen. Daran wird Baker sicher kein Interesse haben. Gleichzeitig verfügt HBC aber auch nicht über das notwendige Geld, um Kaufhof eine Zeitlang zu alimentieren. Vieles spricht daher für einen Schnitt. Dagegen spricht, dass Baker Benko angeblich nicht mag.