Warenhaus "Verlasst Europa und verkauft Kaufhof"

Banken und Lieferanten sind zutiefst verunsichert, seitdem der Warenkreditversicherer Euler Hermes Kaufhof die Kreditlinie um 80 Prozent kürzte.

(Foto: dpa)
  • Jonathan Litt, einer der einflussreichsten Hudson's Bay Company-Aktionäre, will den Vorstand des kanadischen Einzelhändlers absetzen.
  • Namentlich geht es um den HBC-Chef Jerry Storch und sowie Richard Baker. Beide sind verantwortlich für den Kauf von Galeria Kaufhof.
Von Michael Kläsgen

Für das Management des Kaufhof-Mutterkonzerns HBC wird die Lage immer brenzliger, nicht nur in Deutschland, jetzt auch in Nordamerika.

Jonathan Litt, einer der einflussreichsten Aktionäre der Hudson's Bay Company (HBC) drohte am Montag, den Vorstand des kanadischen Einzelhändlers absetzen zu wollen, namentlich HBC-CEO Jerry Storch und Chairmen Richard Baker. Beide sind verantwortlich für den Kauf von Galeria Kaufhof vor knapp zwei Jahren.

Den Kölner Warenhauskonzern will Litt verkaufen, und zwar mitsamt Immobilien. "Verlasst Europa und verkauft Kaufhof", fordert Litt.

Eröffnung in Amsterdam

Dabei steht HBC kurz davor, das erste Kaufhaus in Europa, genauer in Amsterdam zu eröffnen. Litt scheint nicht allein zu sein mit seiner Forderung, den kanadischen Warenhauskonzern zu zerschlagen.

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Der Aktienkurs von HBC stieg zunächst nach Litts Forderung an. Auch in Deutschland herrscht Krisenstimmung, nach dem Schnitt von Euler Hermes. Banken und Lieferanten sind zutiefst verunsichert, seitdem der Warenkreditversicherer Kaufhof die Kreditlinie um 80 Prozent kürzte.

Das Bankenkonsortium unter der Führung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hinterfragt seither misstrauisch die Zahlen, die HBC ihnen bisher vorgelegt hat. HBC ist dagegen von seinem Konzept fest überzeugt.

Die Banken äußern sich dazu zwar nicht. Aber es liegt auf der Hand, dass sie nach dem Euler-Hermes-Schnitt sicherstellen wollen, dass HBC ihnen korrekte Zahlen vorgelegt hat. Das Konsortium bestehend aus LBBW, Helaba, HSH und der Ergo-Versicherung hatte vor knapp zwei Jahren den Kauf der Kaufhof-Immobilien finanziert.

Der Kreditvertrag liest sich nicht wie ein Krimi. Einige Spannungselemente enthält er aber dennoch. Vor allem dort, wo geregelt ist, welche Auflagen der Kreditnehmer HBC einzuhalten hat. Diese sogenannten Covenants sind insbesondere im Punkt 20 des Vertrages geregelt.

Unter Punkt 20.2 wird beispielsweise festgelegt, dass der Gewinn pro Warenhaus um 20 Prozent höher liegen muss als die Miete für dasselbe Warenhaus. Das muss die LBBW für jedes der 41 Warenhäuser, die die Bank mitfinanziert hat, genaustens überprüfen. Der Sinn dahinter ist, sicherzustellen, dass sich jedes Warenhaus die Miete leisten kann.

Hoffen auf das Weihnachtsgeschäft

Nach der Übernahme hat Vermieterin HBC die Mieten für Kaufhof unter dem Strich deutlich erhöht, für einzelne Warenhäuser senkten die Kanadier sie auch. Zugleich mehren sich die Verluste bei Kaufhof. Dem Vernehmen nach könnte das bis voraussichtlich Oktober so weitergehen, bis aus Kaufhof-Sicht hoffentlich das Weihnachtsgeschäft einsetzt.

Kurzum: Die beiden Variablen, Miete und Gewinn, laufen im Moment konträr zueinander. Vieles spricht also dafür, dass HBC die unter 20.2 angeführte Kennziffer nicht erfüllen könnte. Das Nichterfüllen könnte zwar "geheilt" werden, wie Juristen sagen, etwa indem HBC eine Teilrückzahlung vornimmt. Wenn das aber nicht geschieht, könnte dies auch zur Kündigung des Mietvertrages führen.

Der Kreditvertrag enthält allerdings auch "unheilbare" Auflagen. Hierin besteht das größte Gefahrenpotenzial für HBC. So ist beispielsweise klar festgelegt, dass das Ebit der Mieterin Galeria Kaufhof in Summe positiv sein muss. Das Ebit ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern.

Tatsächlich verdoppelte sich der Verlust vor Zinsen und Steuern bei Kaufhof aber in den ersten fünf Monaten dieses Geschäftsjahres aber auf 47 Millionen Euro, und das nach einem Verlustjahr 2016. Ist das Ebit jedoch nicht positiv, sieht der Vertrag nach Informationen der Süddeutschen Zeitung dafür keine Heilungsmöglichkeiten vor. "There is no cure for this covenant", heißt es unter Punkt 20.4. Mit anderen Worten, die Nichteinhaltung dieser Auflage könnte im Endeffekt zur Aufkündigung des Kreditvertrages führen.

HBC ist derzeit in keiner komfortablen Lage. Denn die Banken werten bei der Kreditprüfung die Zahlen zwei Mal im Jahr rückwirkend zum 31. Januar und zum 31. Juli aus.

An diesem Monat endete somit nicht nur das erste Geschäftshalbjahr für die HBC-Tochter und Mieterin Kaufhof, sondern auch die Frist zur Kreditprüfung - und das mit einem negativen Ebit für den Kölner Warenhauskonzern. Druck von den Banken, Unruhe bei den Lieferanten und jetzt noch ein kleiner Aufstand der Aktionäre. Keine leichten Zeiten für das HBC-Management.

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