bedeckt München 32°

Handel:Kahlschlag bei Galeria Karstadt Kaufhof

Mindestens 62 Filialen von Kaufhof und Karstadt werden geschlossen. Darunter sind Standorte in Berlin, Hamburg und München, aber auch in vielen kleineren Städten. Die Schließungen betreffen etwa 7500 Mitarbeiter.

Von Michael Kläsgen

Bei Galeria Karstadt Kaufhof kommt es zu einem Kahlschlag: Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter haben sich auf einen Sozialplan geeinigt. Danach werden zunächst mindestens 62 Filialen von Kaufhof und Karstadt geschlossen, 110 bleiben bestehen. Betroffen sind diverse Standorte, darunter offenbar mehrere Filialen in Berlin und Hamburg, in München, Dortmund, Frankfurt und Köln (Hinweis: Die vollständige Liste finden Sie am Ende des Textes). Bis zu 6000 Vollzeit-Stellen sollen abgebaut werden, das betrifft etwa 7500 MItarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen gekündigt wird. Für sie soll eine Transfergesellschaft gegründet werden. Es bleiben 25 000 Mitarbeiter beim Warenhauskonzern beschäftigt.

Zusätzlich zu den Warenhausfilialen sollen etwa 20 Läden von Karstadt Sports schließen; außerdem 100 der 130 Reisebüros. Für sie sollen die Bedingungen des Ende 2019 geschlossene Tarifvertrages gelten. Seine Gültigkeit war mit der Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung Anfang April aufgehoben worden. Darauf haben sich haben sich Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz mit der Gewerkschaft Verdi und dem Gesamtbetriebsrat geeinigt. Wie die Süddeutsche Zeitung von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen erfuhr, steht die Einigung unter dem Vorbehalt, dass die verbleibenden Vermieter die Mieten senken.

Am kommenden Montag soll der Insolvenzplan vorgelegt werden

Die Höhe der Mietminderung hängt auch vom Geschäftserfolg der jeweiligen Filiale ab. Weigern sich Vermieter, sieht die Vereinbarung vor, dass noch weitere Filialen geschlossen werden. Am kommenden Montag soll der Insolvenzplan dem Gläubigerausschuss vorgelegt werden. Falls er nicht zustimmen sollte, müsste Galeria Karstadt Kaufhof in die reguläre Insolvenz. Die Gläubiger müssten dann damit rechnen, dass sich die Bedingungen weiter verschlechtern. Vom Schutzschirmverfahren soll auch der ehemalige Konzernchef Stefan Fanderl betroffen sein, dessen Abgang vergangene Woche überraschend bekanntgegeben wurde: Er werde wegen des Schutzschirmverfahrens keine Abfindung erhalten.

In den Verhandlungen hatten Kebekus und Geiwitz zunächst mit der Schließung von 80 Filialen und einem Abbau von zusätzlich zehn Prozent des Personals gedroht. Die Gewerkschaft Verdi nimmt für sich in Anspruch, das Management habe in den seit Montag laufenden Verhandlungen den Abbau von zusätzlichen zehn Prozent der Stellen vom Tisch genommen.

Eine weitere Voraussetzung für eine endgültige Einigung ist die Zustimmung des Gesellschafters. Galeria Karstadt Kaufhof gehört ebenso wie einige der Warenhaus-Immobilien der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors René Benko. Seine Einwilligung gilt aber als Formsache, er hatte Kebekus und Geiwitz eingesetzt.

Folgende Filialen sollen geschlossen werden:

  • Galeria Kaufhof: Berlin Hohenschönhausen, Berlin Ringcenter, Braunschweig, Bremen, Brühl, Chemnitz, Dortmund, Düsseldorf Wehrhahn, Essen, Frankfurt Hessen-Center, Fulda, Göppingen, Hamburg AEZ, Hamburg Mönckebergstraße, Hamm, Ingolstadt, Köln Weiden, Landau, Leverkusen, Mannheim N7, München Stachus, Neubrandenburg, Neunkirchen, Neuss, Osnabrück, Stuttgart Bad Cannstatt, Witten, Worms.
  • Karstadt: Berlin Charlottenburg, Berlin Gropius-Passage, Berlin Müllerstraße, Berlin Tempelhof, Bielefeld, Bonn, Bremerhaven, Dessau, Dortmund, Düsseldorf Schadowstraße, Essen, Flensburg, Frankfurt Zeil, Goslar, Gummersbach, Gütersloh, Hamburg Bergedorf, Hamburg Wandsbek, Hannover Georgstraße, Iserlohn, Leonberg, Lübeck, Mainz, Mönchengladbach Reydt, München Am Nordbad, München OEZ, Neumünster, Norderstedt, Nürnberg, Nürnberg Langwasser, Potsdam, Singen, Sulzbach MTZ, Trier Simeonstraße.
  • Außerdem betroffen: Schnäppchencenter Gießen, Schnäppchencenter Frankfurt NWZ, die noch nicht eröffenete Filiale in Berlin Tegel.
© SZ
Wircard Grasbrunn DEU 12 03 2010 Die Wirecard Gruppe bietet Produkte und Dienstleistungen rund um

SZ Plus
Wirecard
:Ein Dax-Konzern vermisst 1,9 Milliarden Euro

Der Internet-Dienstleister Wirecard stürzt in eine tiefe Krise. Die Prüfer verweigern ihr Testat, der Aktienkurs stürzt ab. Wie kam es dazu?

Von Klaus Ott, Jörg Schmitt, Nils Wischmeyer

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite