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Konjunktur:IWF warnt vor "riesigem" Schock für die Weltwirtschaft

Terminals im Hamburger Hafen

Deutschland ist als Exportnation besonders stark davon betroffen, wenn der internationale Handel wegen der Corona-Krise einbricht.

(Foto: dpa)
  • Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem weltweiten Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um etwa drei Prozent.
  • Die Krise werde vor allem Industrienationen treffen, darunter auch Deutschland. Für die Bundesrepublik rechnet der IWF mit einem Minus von etwa sieben Prozent bei der Wirtschaftsleistung und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf etwa 3,9 Prozent.
  • In anderen europäischen Ländern könnte die Krise noch deutlich dramatischer ausfallen, vor allem in Spanien und Frankreich.

Die Coronavirus-Pandemie sorgt nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) für den größten wirtschaftlichen Niedergang seit 100 Jahren. "Diese Krise ist wie keine zuvor", schreibt der Fonds in seinem Weltwirtschaftsausblick, der am Dienstag in Washington veröffentlicht wurde. Der Schock sei "riesig"; die Auswirkungen "viel schlimmer" als die der dramatischen globalen Finanzkrise vor einer Dekade. Es sei "sehr wahrscheinlich, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr den größten Niedergang verzeichnen wird seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren". Damals löste ein Crash der Börsen in den USA eine weltweite, länger anhaltende Wirtschaftskrise aus. Der "große Lockdown", also das Runterfahren des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zur Eindämmung des Coronavirus, habe nun einen ähnlichen Schock ausgelöst.

Der IWF geht davon aus, dass das globale Wachstum 2020 um drei Prozent einbrechen wird. Im Januar hat der IWF noch 3,3 Prozent Wachstum vorausgesagt. Internationale Warenlieferungen werden um mehr als elf Prozent schrumpfen. Das werden Exportnationen wie Deutschland besonders zu spüren bekommen. Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2008/2009 war die Weltwirtschaft kaum geschrumpft. Vor allem, weil die großen Schwellenländer wie China damals kaum betroffen waren als das Bankensystem drohte zusammenzubrechen.

Das ist jetzt anders, das Coronavirus hat alle Staaten erreicht. Die Folgen der Pandemie aber treffen erneut besonders die westlichen Industrienationen, deren Konjunktur um mehr als sechs Prozent einbrechen dürfte. Während der wirtschaftliche Einbruch in den USA und Großbritannien nahe dieses Durchschnittswertes liegen dürfte, trifft es die großen Volkswirtschaften der Euro-Zone noch einmal härter. Die deutsche Volkswirtschaft dürfte wie die französische um ungefähr sieben Prozent schrumpfen; für Spanien und Italien erwartet der IWF noch schlechtere Zahlen. Und das ist noch das optimistische Szenario. Die Schätzungen beruhen auf der Annahme, dass die Wirtschaft ab dem dritten Quartal 2020 fast normal arbeiten wird.

Und selbst dann erwartet der IWF drastisch steigende Arbeitslosenzahlen in Europa. Jeder zehnte Bürger im erwerbsfähigen Alter werde 2020 voraussichtlich keine Arbeit haben. In Deutschland werden es nach Schätzungen des IWF zwar deutlich weniger sein, insgesamt 3,9 Prozent der erwerbsfähigen Bürger. Umso dramatischer sei die Lage in den anderen großen Euro-Volkswirtschaften: In Frankreich werden mehr als zehn Prozent, in Italien knapp 13 Prozent und in Spanien 20 Prozent arbeitslos sein. Auch im kommenden Jahr werden die Zahlen höher liegen als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

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Der IWF weist ausführlich darauf hin, dass alle Projektionen enorm unsicher seien. Niemand könne voraussagen, wie sich die Pandemie entwickeln werde, wie lange die Wirtschaft wegen des Gesundheitsschutzes der Bürger heruntergefahren bleibe und wann ein Impfstoff verfügbar sei. Banken und Finanzmärkte könnten in "Stresssituationen" geraten; wie groß der Stress werde, sei unklar. Trotz aller Sorgfalt bleibe deshalb "eine größere Unsicherheit". Für 2021 erwartet der IWF, dass die Konjunktur anzieht, auch mit größeren Wachstumsraten. Allerdings würden die Volkswirtschaften deutlich unter dem Niveau aus der Zeit vor dem Virus bleiben. Ob die Erholung anhalte, hänge davon ab, ob die Pandemie eingedämmt werde. Der IWF bemüht sich auch um Optimismus: In vielen Ländern gingen die Fallzahlen zurück. Die Arbeit an einer Impfung sei "hoffnungsvoll". Viele Staaten hätten große Hilfspakete geschnürt. Und im Gegensatz zur Zeit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1930er Jahre gebe es jetzt ein multilaterales Netzwerk, das den am schwersten getroffenen Ländern helfen könne.

© SZ.de/vd
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