Ifo-Umfrage:Preisschock in der Gastronomie

Ifo-Umfrage: Gastronomen wollen höhere Kosten und auch die wieder steigende Mehrwertsteuer in vollem Umfang an ihre Gäste weitergeben.

Gastronomen wollen höhere Kosten und auch die wieder steigende Mehrwertsteuer in vollem Umfang an ihre Gäste weitergeben.

(Foto: Wolfgang Maria Weber/IMAGO)

Viele Gastwirte wollen in den kommenden Monaten die Preise erhöhen - teils deutlich. Grund ist die nach wie vor hohe Inflation.

Überdurchschnittlich viele Einzelhändler und Gastwirte wollen einer Umfrage zufolge in den kommenden Monaten ihre Preise heraufsetzen. Das Barometer für die Preiserwartungen in der deutschen Gesamtwirtschaft sank zwar im August auf 14,7 Punkte, von 16,3 im Juli, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Bei den Einzelhändlern sank der Wert allerdings nur von 34,9 auf 33,5 Punkte, in der Gastronomie von 47,8 auf 46,6 Zähler sowie beim Handel mit Nahrungs- und Genussmitteln von 55,3 auf 55,1 Punkte.

Hotels und Restaurants in Deutschland kritisieren zudem erneut das Auslaufen von Steuererleichterungen Anfang 2024. "Die Existenzängste in der Branche sind unvermindert hoch", sagte Präsident Guido Zöllick vom Branchenverband Dehoga in Berlin. "Mit 45,5 Prozent erwarten fast die Hälfte unserer Unternehmen, dass die Geschäfte in den kommenden drei Monaten schlechter laufen als bisher." Vor dem Hintergrund sinkender Gästezahlen bei zugleich steigenden Kosten befürchteten 28 Prozent der Betriebe, 2023 sogar Verluste zu schreiben. Wegen massiv gestiegener Kosten appellierte Zöllick erneut an die Politik, die auf sieben Prozent gesenkte Mehrwertsteuer dürfe 2024 nicht wieder auf 19 Prozent erhöht werden. "Das führt zu einem Preisschock für die Gäste."

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) fordert seit Längerem, die in der Corona- und Energiekrise reduzierte Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie dauerhaft niedrig zu halten. Nach mehrfacher Verlängerung soll der Steuersatz im Januar 2024 wieder von sieben auf die ursprünglichen 19 Prozent steigen. Dies müssten die Betriebe aber in vollem Umfang an die Gäste weitergegeben wie auch weitere Kostenbelastungen, "da die Gastronomen keine Spielräume und Reserven mehr haben", warnte Zöllick. Im ersten Halbjahr waren die Umsätze - bereinigt um steigende Preise - zum Vorkrisenniveau von 2019 real um 10,4 Prozent gesunken. Die nominalen Erlöse hingegen waren inflationsbedingt knapp zehn Prozent höher.

Allein 2020 und 2021 hat die Branche laut Dehoga 36 000 Unternehmen verloren. Im kommenden Jahr drohe beim Auslaufen der Steuererleichterung 12 000 weiteren Betrieben das Aus, erklärte der Dehoga zu einer Umfrage unter rund 6500 Unternehmen. Demnach lagen die Preise für Lebensmittel den befragten Firmen zufolge zuletzt um durchschnittlich 25,3 Prozent höher als im August 2022, die von Getränken um 18,1 Prozent und die von Energieprodukten um 41,3 Prozent. Personalkosten erhöhten sich zudem um 21,0 Prozent.

"Der Rückgang der Inflation wird sich aber zäh hinziehen", sagte dazu Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Inflationsrate ist im August von 6,2 auf 6,1 Prozent gefallen. Wieder stärker steigende Energiepreise verhinderten einen kräftigeren Rückgang. Der Preisanstieg in der Industrie sei "wohl fast gestoppt", sagt Wollmershäuser. Es gebe aber gegenläufige Entwicklungen: Die Autohersteller planen noch, ihre Preise anzuheben (plus 21,6 Punkte), die Papierhersteller wollen sie dagegen senken (minus 48,1).

Auch die Dienstleister wollen mehr Geld verlangen: Allerdings sind die Preiserwartungen weiter rückläufig und sanken von 27,0 auf 23,7 Punkte. "Auf dem Bau stehen etwas mehr Preissenkungen an", hieß es: Hier ging das Barometer von minus 8,3 auf minus 10,0 Punkte zurück. Die Punkte geben an, wie viel Prozent der Unternehmen per Saldo ihre Preise erhöhen wollen. Dieser Saldo ergibt sich, indem man vom prozentualen Anteil der Unternehmen, die mehr verlangen wollen, den prozentualen Anteil derer abzieht, die ihre Preise senken wollen.

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