Immobilien:So schlimm sieht es im Wohnungsbau aus

Immobilien: Rohbauten für Wohnhäuser in Leipzig: Die Lage am Immobilienmarkt ist gerade düster.

Rohbauten für Wohnhäuser in Leipzig: Die Lage am Immobilienmarkt ist gerade düster.

(Foto: Sebastian Willnow/dpa)

Erstmals seit der Finanzkrise wird weniger gebaut, und die Stimmung ist so schlecht wie schon lange nicht mehr.

Schlechte Nachrichten für die Bau- und Immobilienwirtschaft: Die Ausgaben für Bauleistungen in Deutschland werden einer Studie zufolge in diesem Jahr erstmals seit dem Finanzkrisenjahr 2009 sinken. Prognostiziert wird ein Minus von 3,5 Prozent auf rund 546 Milliarden Euro, heißt es in einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Wohnungsbau dürfte dabei sogar um 5,4 Prozent schrumpfen. Etwas abgefedert wird der Abwärtstrend durch den Tiefbau, zu dem der staatlich dominierte Straßenbau zählt: Er soll um 1,8 Prozent wachsen.

Im vergangenen Jahr war das Bauvolumen insgesamt noch um 6,1 Prozent gewachsen, überzeichnet allerdings durch starke Preisanstiege. Inflationsbereinigt gab es dagegen mit 1,1 Prozent den dritten realen Rückgang in Folge, der 2024 mit minus 1,5 Prozent noch etwas größer ausfallen soll. "Der Einbruch in der Bauwirtschaft zieht sich länger hin als erwartet", sagte Studienautorin Laura Pagenhardt. "Erst im kommenden Jahr wird wohl bei weiter sinkenden Baupreisen wieder ein kleines Plus erwirtschaftet." Dann erwartet das DIW eine Zunahme um 0,5 Prozent. Aber auch dann dürfte der Wohnungsneubau noch hinterherhinken. "Der Wohnungsbau hat drei schwierige Jahre hinter sich und es wird noch ein weiteres schweres folgen", prophezeite Studienautor Martin Gornig. Das Ziel, jährlich 400 000 neue Wohnungen zu bauen, rücke noch weiter in die Ferne.

2024 dürften es nur etwa 265 000 werden. Grund für die schlechte Lage sind neben dem enormen Anstieg der Baupreise auch die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB), die innerhalb kürzester Zeit auf die Zinsen für Wohnbaukredite durchschlugen. Die Finanzierungsbedingungen sind insbesondere für viele private Haushalte derzeit kaum zu stemmen. Die Folge: Neubauprojekte werden eingeschränkt, storniert oder gar nicht erst in Angriff genommen werden. "Für einen leichten Hoffnungsschimmer sorgen immerhin die Auftragseingänge, die sich aktuell stabilisieren", sagte Gornig.

Obwohl die Zinsen zuletzt wieder gesunken sind, ist keine Entspannung in Sicht

Dazu kommt, dass die Stimmung in den Chefetagen der Wohnungsbauunternehmen vor dem Jahreswechsel ungeachtet der zuletzt gesunkenen Zinsen auf ein Rekordtief gefallen ist. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im Dezember auf minus 56,8 Punkte, nach minus 54,4 im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung 1991. Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Lage greift demnach immer weiter um sich. Außerdem befürchten die Wohnungsbauunternehmen für das erste Halbjahr 2024 weitere Geschäftseinbußen. "Obwohl die Zinsen für Baufinanzierungen zuletzt wieder gesunken sind, ist noch keine Entspannung in Sicht", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Im Dezember mussten wieder mehr Unternehmen die Stornierung von Aufträgen hinnehmen. 22,1 Prozent der Befragten klagten über gestrichene Projekte, nach 21,5 Prozent im Vormonat. "Die Verunsicherung der potenziellen Bauherren sitzt tief", sagte Wohlrabe.

Die Preise für den Bau neuer Wohnungen in Deutschland sind jedoch zuletzt angesichts der schwächelnden Nachfrage so langsam gestiegen wie seit gut zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude verteuerte sich im November nur noch um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch zu seiner vierteljährlichen Auswertung mitteilte. Das ist der kleinste Anstieg seit dem ersten Quartal 2021. Im vergangenen August hatte es noch einen Anstieg von 6,4 Prozent gegeben, im Mai von 8,8 Prozent sowie im Februar von 15,1 Prozent.

Die geringere Preissteigerung dürfte zum einen mit einem sogenannten Basiseffekt zusammenhängen: Die Preise werden jetzt mit denen von 2022 verglichen, als sich infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine viele Rohstoffe und Energie massiv verteuert hatten. Zum anderen dürfte aber auch die schwächelnde Nachfrage nach Neubauprojekten wegen der gestiegenen Finanzierungskosten dämpfend gewirkt haben. Viele Experten rechnen daher mit einer anhaltenden Abschwächung des Preisauftriebs.

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