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Digitalisierung:Mobile Daten sind in Deutschland ganz schön teuer

Handy: Eine junge Frau surft mit ihrem Smartphone

In der Kaffeepause die Urlaubsfotos der Instagram-Bekanntschaften checken, das macht Freude - und kostet Datenvolumen.

(Foto: Javier Sanchez Mingorance/Imago)

Mal eben zu Instagram: Fürs Surfen auf dem Handy zahlen die Deutschen bis zu dreimal so viel wie in anderen EU-Ländern. Verbraucherschützer sehen darin eine Gefahr.

Von Helena Ott

Pünktlich, wenn Handybesitzer es am wenigsten gebrauchen können, kommt die verhasste SMS. "Ihre Surfgeschwindigkeit wird tarifgemäß reduziert." Mobile Daten sind ein vertraglich limitiertes Gut. Mit Google Maps durch eine fremde Stadt navigieren, Musik hören in der U-Bahn, eine Videokonferenz auf dem Handy, schnell ein paar Fotos von unterwegs verschicken - das alles funktioniert nur mit ausreichend Datenvolumen. Ist dieses mal wieder Mitte des Monats aufgebraucht, schlägt einem der Mobilfunkanbieter vor, für "nur 4,99 Euro" ein Gigabyte zusätzlich zu buchen. Und wenn man da gerade mitten in Hamburg steht und den Bahnhof nicht findet, macht man das eben.

Verbraucherfreundlich fühlt sich das nicht gerade an - und noch weniger, wenn man über die Landesgrenzen hinweg blickt. Im Vergleich zu Ländern wie Polen, Rumänien oder Estland zahlen die Deutschen dreimal so viel für ihr mobiles Datenvolumen. Der Bundesverband für Verbraucherschutz (VZBV) hat die Tarife für ein Gigabyte innerhalb der EU-Staaten verglichen. Die Nutzung von mobilem Netz sei hierzulande überdurchschnittlich teuer, sagt Kathrin Steinbach, Referentin für Marktbeobachtung bei der Verbraucherzentrale. Während in Polen ein Gigabyte (GB) Datenvolumen 2019 83 Cent kostet, mussten die deutschen Handynutzer für die gleiche Menge 3,35 Euro zahlen. Der Durchschnitt für ein Gigabyte mobile Daten lag innerhalb der EU 2019 bei etwa 1,50 Euro.

Vergleicht man Mobilfunkpakete mit den marktüblichen fünf Gigabyte Datenvolumen, zahlt der deutsche Handynutzer fast 20 Euro, während die gleiche Leistung in Rumänien nicht einmal vier Euro im Monat kostet oder knapp sechs Euro in Italien.

Der vergleichsweise hohe Preis hält die Handynutzer in Deutschland jedoch nicht davon ab, immer mehr mobile Daten zu verbrauchen. 2019 waren es noch zusammen 2,76 Milliarden Gigabyte, 2020 schon fast vier Milliarden. Immerhin: Die Preise für mobile Daten sind innerhalb der EU in den vergangenen Jahren gesunken - auch in Deutschland. Noch vor fünf Jahren hat ein Gigabyte hierzulande noch fast sieben Euro gekostet, etwa doppelt so viel wie heute. Deutschland bleibt aber weiter mit am teuersten.

Für eine Flat zahlen Handynutzer 80, 90 Euro im Monat

Kein Grund zur Aufregung, schließlich sind in anderen Ländern dafür die Lebensmittelpreise teurer? Das sieht die Verbraucherzentrale in Berlin anders. Da im Jahr 2020 bereits 80 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland mobiles Internet nutzten, gehörten "verbraucherfreundliche" Preise zur "Daseinsvorsorge", sagt Kathrin Steinbach. Die Tarife sollten daher so angepasst werden, dass sie europaweit wieder wettbewerbsfähig sind. Denn die hohen Preise aktuell können auch ein Standortnachteil für Deutschland sein. Gerade heute, wo auch ambulante Pflegedienste, Lieferservices und Handwerker auf Apps angewiesen sind.

Was vor fünfzehn Jahren die All-net-Flat war, sind heute sogenannte Unlimited-Tarife. Bei der Telefonflat konnte man für um die 30 Euro endlich unbegrenzt in alle Netze telefonieren. Das Gleiche gibt es heute für mobile Daten. Doch die Tarife, mit denen man sich den Ärger über die gedrosselte Geschwindigkeit sparen kann, haben einen stolzen Preis. 84,95 Euro zahlt, wer aktuell bei der Telekom einen Handyvertrag mit unbegrenztem Datenvolumen abschließt. Ähnlich ist es bei Vodafone (79,99 Euro) oder bei Edeka smart (94,95 Euro). Auch bei diesen Paketen lägen die deutschen Preise weit über dem europaweiten Durchschnitt, sagt Kathrin Steinbach.

Um die teuren Preise zu verteidigen, argumentieren Mobilfunkanbieter, dass der Netzausbau in einem Flächenland wie Deutschland teurer ist und hierzulande mehr Kosten für Bürokratie anfielen. Steinbach findet das Argument jedoch durchlässig. "Denn wie erklären sich dann die Preisunterschiede zu Frankreich und Italien?" Beides seien ebenfalls große Länder mit ähnlichen bürokratischen Anforderungen.

© SZ
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