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Griechenland:Varoufakis keilt gegen Renzi

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Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis im Juni in Brüssel

(Foto: AFP)

Griechenlands Ex-Finanzminister attackiert Italiens Premier - und spricht darüber, warum er sich mit Alexis Tsipras überworfen hat.

Von Bastian Brinkmann

Yanis Varoufakis hat kein Amt mehr in der griechischen Politik - er bleibt der Krise seines Landes aber verbunden. Er kommentiert und kommentiert und kommentiert, wie er die Lage so sieht.

Am Montag hat er eine Rede von Italiens Premierminister Matteo Renzi gesehen. Darin freue sich Renzi, dass er ihn losgeworden sei, schreibt Varoufakis erbost in seinem Blog. Er sitze vielleicht nicht mehr im griechischen Parlament, schreibt Varoufakis, aber Renzi habe ihn nicht beseitigt. Er habe es politisch vielmehr "immer noch drauf". Losgeworden sei Renzi nur seine "eigene Integrität als europäischer Demokrat - und möglicherweise auch seine Seele". Immerhin: Das sei umkehrbar.

Varoufakis beschuldigt Renzi, in den dramatischen Verhandlungen über neue Notfallkredite für Griechenland "Guter Bulle, böser Bulle" gespielt zu haben. "Herr Renzi hat eine zentrale Rolle gespielt, Alexis Tsipras zu brechen", schreibt Varoufakis. Italiens Premier habe dem griechischen Regierungschef gesagt, er solle bitte, bitte einknicken - sonst würden die anderen ihn zerstören.

Worüber sich Tsipras und Varoufakis nicht einigen konnten

Tsipras hatte im Juli nach einem fast 18-stündigen Krisengipfel in Brüssel zugesagt, neue Reformen in Athen durchzusetzen. Die Euro-Länder sicherten im Gegenzug neue Milliardenkredite zu. Für Tsipras war das das kleinere Übel - die Alternative wäre ein Euro-Austritt des Landes gewesen, zeitweise oder für immer.

Das, schreibt Varoufakis, sehe er grundlegend anders. "Tsipras und ich waren und sind uns uneinig, ob 'sie' geblufft haben oder nicht", ob es also zu einem Grexit gekommen wäre oder ob die anderen Staaten das zu gefährlich gefunden hätten.

Die beiden Männer seien sich zudem uneinig, "ob wir das moralische und politische Recht hatten, ein weiteres, nicht tragfähiges Abkommen zu unterschreiben" - also ob die Regierung den Wählerauftrag richtig umgesetzt hätte. Diese abweichende Bewertung sei der Grund gewesen, warum sich die Wege von Tsipras und ihm getrennt hätten.

Die griechischen Wähler jedenfalls haben sich am Sonntag entscheiden: Sie haben Tsipras wiedergewählt - überraschend klar.

© SZ.de/klu/jasch/mati

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