Energiepreise:EU will Gasreserven erhöhen

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Gas und damit auch Strom sind teurer geworden - die EU ist alarmiert.

(Foto: imago images)

Die Energiekommissarin Kadri Simson möchte Europa damit besser gegen Preissteigerungen wappnen.

Von Björn Finke, Brüssel

Die hohen Gas- und Strompreise beunruhigen Bürger und Politiker, doch EU-Energiekommissarin Kadri Simson hat Erwartungen gedämpft, dass ihre Behörde dem Strommarkt bald weitreichende Reformen verordnen könnte. Die Finanzminister von fünf Mitgliedstaaten - Frankreich, Spanien, Griechenland, Tschechien und Rumänien - hatten in einem Positionspapier solche Reformen gefordert. Sie beklagen, dass sich auf dem Großhandelsmarkt für Elektrizität die Preise an den teuersten Kraftwerken orientieren, und das sind im Moment Gasmeiler.

Damit folgt der Strompreis dem Gaspreis. Das Quintett verlangt stattdessen, dass die Elektrizitätspreise stärker von den Durchschnittskosten der Kraftwerke in den nationalen Märkten abhängen sollten. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Unterstützung signalisiert und angekündigt, dass man sich tatsächlich anschauen müsse, ob und wie der Strom- vom Gaspreis entkoppelt werden könne.

Allerdings wurden neue Regeln für den Großhandelsmarkt immer mal wieder gefordert - bislang ohne Ergebnis. Energiekommissarin Simson lässt ebenfalls Zweifel daran erkennen, dass sie Änderungen für nötig und sinnvoll hält. "Wir glauben, dass die Regeln fundiert sind, aber wir sehen die Herausforderungen", sagte die estnische Liberale am Mittwoch bei einer Debatte im Europaparlament. Das Marktdesign sei "maßgeschneidert, um allen Verbrauchern mehr grüne und billigere Energie zu liefern und die grenzüberschreitende Integration des Strommarktes zu fördern". Trotzdem werde die Kommission eine Studie zu dem Thema starten.

Für den Gasmarkt will die Kommission Mitte Dezember ohnehin neue Regeln vorschlagen. Simson sagte, dort werde es auch um Lagerkapazitäten für Gas gehen. Die EU müsse hier mehr investieren, um besser gegen Preissteigerungen gewappnet zu sein. Die Kommissarin gelobte zudem, all die anderen Vorschläge von Regierungen und Europaabgeordneten zu analysieren: etwa die Idee, dass die EU-Staaten für ihre Gasreserven künftig gemeinsam Bestellungen abgeben sollten, um mehr Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten zu haben. Diese Anregung findet sich ebenfalls in dem Papier der fünf Finanzminister.

Simson geht davon aus, dass die Gaspreise den Winter über hoch bleiben, um dann im Frühjahr schrittweise zu sinken. Die Gaslager seien schlechter gefüllt als sonst, sagte sie - aber ausreichend für den Winter.

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