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Ex-SPD-Chef:Sigmar Gabriel wird Aufsichtsrat der Deutschen Bank

  • Sigmar Gabriel wechselt zur Deutschen Bank.
  • Der ehemalige SPD-Chef soll einen Sitz im Aufsichtsrat des Geldinstituts bekommen.
  • Er wolle mithelfen, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft zu gestalten, sagt Gabriel.

Der frühere SPD-Wirtschaftsminister, Vizekanzler und langjährige Parteivorsitzender Sigmar Gabriel geht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Der Nominierungsausschuss der Bank habe Gabriel als neues Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank nominiert, teilte das Geldhaus am Freitag mit. Er soll Jürg Zeltner nachfolgen, der sein Aufsichtsratsmandat Ende vergangenen Jahres niedergelegt hat. Gabriel zieht dem Vernehmen nach auf Wunsch der umstrittenen Herrscherfamilie aus Katar ein, die rund acht Prozent der Aktien der Deutschen Bank kontrolliert. Wie in Bankkreisen zu hören war, steht Gabriel aber auch für die angestrebt tiefere Verankerung des Instituts im Heimatmarkt.

Ein Seitenwechsel eines so hochrangigen Politikers in ein derart prominentes Gremium ist höchst selten. Außerdem ist die Deutsche Bank nicht der Dax-Konzern mit dem besten Ruf. Gabriel wird dort künftig zum Beispiel über die umstrittenen Boni des Instituts mitentscheiden müssen, außerdem trägt er mit Verantwortung dafür, dass das Geldhaus künftig skandalfrei bleibt.

Sigmar Gabriel

Stationen einer Karriere

Gabriel werde sich auf der nächsten Hauptversammlung am 20. Mai den Aktionären zur Wahl stellen. Von den Aufsichtsbehörden habe man sich im Vorfeld grünes Licht geholt. "Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können", sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. "Als ehemaliger Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister wird Sigmar Gabriel mit seinem großen Erfahrungsschatz einen besonderen Beitrag leisten und unsere Kompetenz im Aufsichtsrat ergänzen." Seit Juni vergangenen Jahres ist Gabriel Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke, der sich für "die Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Europa und Amerika auf allen Ebenen" einsetzt.

Gabriel sagte zu seinem neuen Posten: "Die Berufung in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank ist für mich eine große Ehre. Mit einer nun klaren Strategie und ihrem starken Führungsteam hat die Deutsche Bank als eine der wichtigsten Finanzinstitutionen in Europa die Chance und die Verantwortung, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mit zu gestalten. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten."

Seit seinem Rückzug aus der Bundesregierung ist Gabriel in verschiedenen internationalen Gremien und Organisationen aktiv. Er sollte 2019 in den Verwaltungsrat des neuen Konzerns Siemens-Alstom wechseln, dessen Fusion aber nicht zustande kam. Erst im November stand im Raum, dass Gabriel Präsident des Verbandes der Automobilindustrie werden soll. Diesen Posten sagte er ab, möglicherweise zugunsten der Deutschen Bank. Gewisse Bankenerfahrung kann Gabriel vorweisen: Er gehörte von 2005 bis 2009 dem Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank KfW an und hat das Gremium zeitweise auch geleitet.

Gabriel ersetzt Zeltner

Dem Vernehmen nach haben die Kataris den früheren Politiker aus einer Liste von Kandidaten ausgewählt, welche die Deutsche Bank dem Großaktionär vorgelegt hat. Der Posten im Aufsichtsrat wird kurzfristig frei, weil der frühere Gesandte der Kataris, der Ex-UBS-Banker Jürg Zeltner, aus Sicht der Finanzaufsicht einen Interessenkonflikt hatte.

Gabriel gilt zwar formal als unabhängiger Aufsichtsrat, weil er kein Amt für die Kataris ausübt. Er wird den Scheichs der Familie Al-Thani aber wohl dennoch regelmäßig über den Zustand der Bank berichten sowie deren Wünsche vorbringen. Die Verbindung ist heikel: Katars früherer langjähriger Regierungschef und sein Cousin waren bereits 2014 bei der Bank eingestiegen, hatten ihre Aktien 2016 auf rund acht Prozent aufgestockt. Katar jedoch steht zum Beispiel im Verdacht, bestimmte Terrorgruppen zu unterstützen oder dies zumindest nicht verhindert zu haben. Im Jahr 2014 etwa stellte das US-Finanzministerium fest, dass aus Katar seit Jahren Geld an die palästinensische Gruppe Hamas fließe. Der frühere Hamas-Chef lebt in Doha im Exil. Katarer sammelten offenbar auch Spenden für al-Qaida sowie seine Ableger in Syrien, im Irak, in Jemen und Somalia.

Ihre Anteile an der Deutschen Bank halten die beiden Cousins außerdem über zwei Vehikel im Steuerparadies auf den British Virgin Island. Den europäischen Finanzaufsehern sind die Großaktionäre der Deutschen Bank seit Jahren suspekt. Sollten die Kataris ihren Anteil auf mehr als zehn Prozent erhöhen, würden die Aufseher die Anteilseigner näher durchleuchten, heißt es immer wieder.

Als einfaches Mitglied des Aufsichtsrates verdient Gabriel mindestens 125.000 Euro. Je nachdem in wie vielen Ausschüssen er tätig ist, kann seine Vergütung auf 300 000 bis 400 000 Euro ansteigen. In welche Ausschüsse er einzieht, steht aber noch nicht fest.

© SZ.de/jael/leja
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