Mobilfunk Endspiel ums schnelle Internet

5G soll bis zu 20 Mal schneller Daten übertragen als das derzeitige LTE-Netz.

(Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Mit dem Mobilfunkstandard 5G soll Deutschland seinen Rückstand beim schnellen Internet aufholen. Schon im kommenden Jahr sollen die ersten Frequenzen versteigert werden.
  • Doch Verbraucherschützer warnen, dass viele Kunden nicht profitieren werden, vor allem diejenigen, die in ländlichen Regionen leben.
Von Markus Balser und Benedikt Müller, Berlin/Düsseldorf

Die Hoffnung auf schnelleren Mobilfunk besteht aus einer Zahl und einem Buchstaben: 5G. Der neue Standard soll Deutschland dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung zufolge an die Weltspitze der digitalen Infrastruktur katapultieren. 5G soll bis zu 20 Mal schneller Daten übertragen als das derzeitige LTE-Netz. Vor allem aber erlaubt es den verbundenen Geräten, quasi in Echtzeit zu kommunizieren. Schließlich sollen schon in ein paar Jahren autonome Autos durch Deutschland fahren, Patienten in jedem Winkel des Landes digital überwacht werden und Industrieroboter einander Befehle geben - natürlich ohne Funklöcher.

Doch ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Einführung mehren sich Zweifel. Die Bundesnetzagentur will am 26. November die Regeln für den neuen Standard festlegen; die Versteigerung erster Frequenzen soll im kommenden Jahr beginnen. Schon am Montag will die Behörde ihren finalen Vorschlag an ihren Beirat verschicken. Damit wird auf Jahre festgelegt, mit welchen Angeboten Kunden rechnen können.

Verbraucherschützer fürchten, dass die Interessen der Kunden in der Auktion auf der Strecke bleiben. "Verbrauchern drohen weiterhin mangelhafte Qualität und hohe Preise", sagt Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Dabei habe Deutschland großen Nachholbedarf. "Wir rangieren bei der Qualität im unteren und beim Preis im oberen Drittel", sagt er, "das muss sich ändern."

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Bislang plant die Bundesnetzagentur Vorgaben für den Mobilfunkausbau, wonach die Netzbetreiber bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte bundesweit mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen müssen. "Was gut klingt, bedeutet in der Fläche allerdings nur ungefähr 70 Prozent Versorgung", warnt Müller. Damit sei klar: "Die für Telekomfirmen wenig rentablen ländlichen Räume bleiben erneut auf der Strecke." Funklöcher und Verbraucherfrust seien vorprogrammiert. "Wir fordern deshalb von der Regierung, einzugreifen und eine Abdeckung der Fläche des Landes durchzusetzen", sagt Müller.

Derzeit teilen sich drei große Netzbetreiber den hiesigen Mobilfunkmarkt auf: O2, die Deutsche Telekom und Vodafone. Um die Auflagen zur Netzabdeckung zu erfüllen, soll es nun ausreichen, wenn in jedem Landstrich mindestens ein Anbieter seinen Kunden schnelles Netz bietet. Die anderen Kunden hätten davon nichts. Zwar will der Staat die Anbieter verpflichten, dass sie wenigstens entlang von Bundes- und Landstraßen sowie Wasserwegen ihre Funkmasten gemeinsam nutzen müssen. Ein sogenanntes nationales Roaming - also eine solche Pflicht für ganz Deutschland - ist aber nicht vorgesehen. Dabei ließen sich so Versorgungslücken schließen, kritisieren Verbraucherschützer: "Die Anbieter sollten hier kooperieren."