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Fusion:China plant größten Chemiekonzern der Welt

Ethylen-Anlage in der BASF-YPC Company Limited

Für den deutschen Chemiekonzern BASF wäre die Fusion eine Herausforderung. Er ist auch in China aktiv, hier eine Anlage in Nanjing.

(Foto: obs/BASF Se; dpa)
  • Insidern zufolge verhandeln die beiden Unternehmen Sinochem und Chem-China über eine Fusion. Damit würde der größte Chemiekonzern der Welt entstehen und den deuschen Marktführer BASF ablösen.
  • In der Chemiebranche hat es zuletzt mehrere aufsehenerregende Fusionen gegeben. So gehen die beiden US-Konzerne Dow Chemical und Dupont zusammen, der deutsche Bayer-Konzern will den Saatguthersteller Monsanto übernehmen.

In China soll das mit Abstand größte Chemieunternehmen der Welt entstehen. Derzeit verhandeln Insidern zufolge die beiden Konzerne Sinochem und Chem-China eine Fusion. Gemeinsam kämen sie auf einen Jahresumsatz von etwa 100 Milliarden Dollar - das wäre deutlich mehr als BASF; die Deutschen sind bislang der weltweite Marktführer. Treibende Kraft hinter der Transaktion sei die Regierung in Peking, berichtet die Financial Times. Die Fusion der beiden Staatsunternehmen soll im kommenden Jahr umgesetzt werden.

In der Chemiebranche hat es zuletzt mehrere aufsehenerregende Fusionen gegeben. So gehen die beiden US-Konzerne Dow Chemical und Dupont zusammen, die EU-Kommission in Brüssel hat die Fusion unter Auflagen genehmigt. Der deutsche Bayer-Konzern will den umstrittenen amerikanischen Saatguthersteller Monsanto für 66 Milliarden Dollar übernehmen. Chem-China selbst kauft derzeit den Schweizer Agrarkonzern Syngenta für 43 Milliarden Dollar. Ein Zusammenschluss von Sinochem und Chem-China würde all das aber in den Schatten stellen.

Schon länger hatte es Spekulationen über eine Fusion der beiden Staatsunternehmen gegeben, die Konzerne hatten etwaige Pläne bislang jedoch stets zurückgewiesen. Offenbar wollte man in Peking erst abwarten, bis alle notwendigen Genehmigungen für den Kauf von Syngenta vorliegen. Eine vorzeitige Fusion von Chem-China und Sinochem hätte womöglich zu einem Scheitern der Syngenta-Übernahme führen können. Im schlimmsten Fall hätte Peking eine Vertragsstrafe von drei Milliarden Dollar in die Schweiz überweisen müssen. Nun haben die Syngenta-Aktionäre das Angebot angenommen, bis zum 7. Juni soll der Zukauf abgeschlossen sein. Es ist die größte Auslandsübernahme eines chinesischen Unternehmens.

Die Volksrepublik drängt in vielen Industriebereichen an die Weltspitze

Die Führung in Peking hat in den vergangenen Jahren mehrere große Fusionen durchgedrückt. Entstanden sind so etwa die Reederei Cosco oder der weltgrößte Zughersteller CNR-CSR, mit deutlichem Abstand vor Siemens oder Alstom. Auch in der Stahlbranche gab es Zusammenschlüsse. Die Volksrepublik arbeitet offen daran, in etlichen Industriebereichen die Weltmarktführerschaft zu erreichen. Neben der Bahntechnik will China auch bei Elektroautos, der Medizintechnik und in der Pharma- und Chemieindustrie künftig führend sein. In der vergangenen Woche absolvierte zudem das erste große, in China gebaute Verkehrsflugzeug seinen Jungfernflug. Damit wollen die Chinesen gegen Airbus und Boeing antreten.

Viele der Fusionen werden nicht nur zum Senken der Kosten vorangetrieben, sondern auch, um künftig nicht mehrere staatliche Anbieter zu haben, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. Zudem geht es um kartellrechtliche Bedenken: Da die meisten Staatskonzerne bislang nur wenig im Ausland aktiv sind, können die Wettbewerbsbehörden in Europa und den USA die Fusionen nicht verhindern. In ein paar Jahren wäre das möglicherweise aber anders.

© SZ vom 10.05.2017/vd

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