Führungsstreit bei Volkswagen Was treibt Piëch?

Streit in der Volkswagen-Spitze: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch auf einer Aufnahme von 2010

(Foto: dpa)
  • Die Situation an der Spitze von Volkswagen ist unübersichtlich. Für Außenstehende ist der Konflikt kaum noch zu nachzuvollziehen.
  • Am Donnerstag sagte Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, dass er die Ablösung von Konzernchef Martin Winterkorn nicht betreibe.
  • In gut zwei Wochen trifft sich der Aufsichtsrat, einen Tag später ist in Hannover Aktionärsversammlung. Dort droht ein Eklat.
Analyse von Thomas Fromm

Die vergangenen zwei Wochen bei VW sind noch ein Wirtschaftskrimi mit klassischer Drehbuch-Dramaturgie: Ein 78 Jahre alter Aufsichtsratschef, Ferdinand Piëch, versucht seinen Vorstandsvorsitzenden, Martin Winterkorn, mit einem Satz ("Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.") aus dem Weg zu fegen. Distanz, das bedeutet bei Piëch: Es ist aus.

In kürzester Zeit bildet sich eine Allianz im Aufsichtsrat. Männer wie VW-Miteigentümer Wolfgang Porsche, VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Landeschef Stephan Weil (SPD) gaben nach einer Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums vor einer Woche eine siebenzeilige Erklärung ab und stellen sich hinter den 67-jährigen Winterkorn.

So weit, so einfach - dachte man sich.

Es ging um einen ganz besonderen Krimi. Einen Krimi aber auch, bei dem jeder ahnte, dass die Sache noch nicht ausgestanden ist, eben weil niemand erwartete, dass Ferdinand Piëch Ruhe geben würde. Der Patriarch und VW-Miteigner zieht sich nicht zurück, nur weil andere Menschen die Dinge anders sehen.

An diesem Donnerstag nun kippte die Dramaturgie. Um dies zu verstehen, muss man die Geschichte dieses Donnerstags und seiner Vorgeschichte der Reihe nach erzählen.

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Am Mittwoch soll es, so berichten Konzernkreise, zunächst zu einem Treffen der VW-Großaktionäre Porsche und Piëch gekommen sein. Ziel, offenbar: VW-Aufsichtsratschef Piëch habe in Gesprächen mit den Familienmitgliedern ausloten wollen, ob Winterkorn nicht doch noch vor der Hauptversammlung des Konzerns am 5. Mai zu kippen ist. Auf der Ersatzbank, einsatzbereit: Porsche-Chef Matthias Müller und Škoda-Chef Winfried Vahland. Beide Marken sind VW-Töchter, beide Manager gelten zurzeit als potenzielle Nachfolger für Winterkorn.

Vorausgesetzt, er geht. "Piëch versucht Winterkorn abzulösen", titelte die Nachrichtenagentur dpa dann am Donnerstag. Es klang wie schon vor zwei Wochen. Auch hier wieder: So weit, so klar. Über das Ergebnis der Gespräche der Piëchs und der Porsches wurde offiziell nichts bekannt gegeben; es heißt jedoch, die Porsches blieben bei ihrem Nein zur Ablösung Winterkorns.