Shanghai Auto Show 2015:Groß und elektrisch müssen sie sein

Der Autogeschmack in China passt sich dem Westen an. Auf der Automesse in Shanghai reiht sich ein SUV an das nächste, im besten Fall als Hybrid. Für die deutschen Hersteller ist das ein Traumszenario - wenn da nicht die einheimische Konkurrenz wäre. Ein Überblick.

Von Felix Reek

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Mercedes GLC Coupé in Shanghai auf der China Auto Show

Quelle: AP

Die Zeiten, in denen auf der Shanghai Auto Show vor allem Kopien von europäischen Autos standen, sind endgültig vorbei. China ist mittlerweile der wichtigste Markt der Welt und die Käufer wollen mit Produkten nach ihrem Geschmack geködert werden. Den europäischen und amerikanischen Herstellern kommt zugute, dass sich der chinesische Autogeschmack dem des Westens angeglichen hat: In Shanghai zeigen die Hersteller zwischen dem 22. und 29. April vor allem SUVs und Plug-in-Hybride. Letztere, weil Elektroautos in China ab einer Reichweite von 50 Kilometern staatlich gefördert werden. Die SUVs hingegen sind aufgrund ihrer Größe und des damit verbundenen Status' beliebt, ganz so wie in Europa. 26 Prozent aller verkauften Autos stammten im vergangenen Jahr aus diesem Segment.

Die westlichen Hersteller haben es trotzdem zunehmend schwerer in China. Das liegt auch daran, dass die einheimischen Autokonzerne in Sachen Qualität aufgeholt haben. So führen die SUV-Verkaufsrangliste aktuell zwei chinesische Firmen an. Auf Platz eins liegt Great Wall mit dem Haval H6, dann folgt der JAC Refine S3. Etwa 65 000 Autos wurden allein im März von diesen Modellen verkauft. Das Absatzpotenzial ist also groß, und die deutschen Hersteller wollen sich nun verstärkt in diesem Segment breitmachen.

Mercedes GLC Coupé

Über 300 000 Fahrzeuge will Mercedes 2015 insgesamt auf dem chinesischen Markt absetzen. SUVs spielen dabei eine entscheidende Rolle. In Shanghai zeigt Mercedes die seriennahe Studie des GLC Coupés, eines künftigen BMW-X4-Konkurrenten. Die Formen tragen dem Wunsch der Chinesen nach immer sportlicheren Fahrzeugen Rechnung. Das SUV soll grundsätzlich mit Allradantrieb angeboten werden, über mögliche Motorisierungen ist noch nichts bekannt. In Shanghai wurde das GLC Coupé mit einem Dreiliter-V6-Biturbo mit 376 PS präsentiert.

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Honda Concept D

Honda Concept D auf der Auto Shanghai 2015 Motor Show

Quelle: Bloomberg

Ausschließlich für den chinesischen Markt entworfen, zeigt Honda mit der Studie Concept D natürlich auch ein SUV. Die aggressive Front unterscheidet sich dabei grundlegend von dem eher behäbigen CR-V und soll junge Käufer anlocken. Dafür spricht auch das nach hinten abfallende Dach, dass dem Crossover Coupé-hafte Linien verleiht. Honda zufolge soll sich das futuristische Design genau so in der Serienversion wiederfinden. Das SUV soll das neue Flaggschiff der Japaner in China werden, ausgestattet mit umfangreichen neuen Sicherheitsmerkmalen.

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Dongfeng AX3

Dongfeng AX3 auf der Shanghai Auto Show 2015

Quelle: SOM

Eine der erfolgreichsten einheimischen Marken ist Dongfeng. Der AX3 (Foto), der optisch an einen Dacia erinnert, soll in der zweiten Jahreshälfte 2015 auf den Markt kommen und wird von einem 1,4-Liter-Benziner angetrieben. Die Mischung aus SUV und Kompaktwagen wird es nur mit Frontantrieb geben.

Die zweite Dongfeng-Premiere ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem PSA-Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën. Die Limousine Number 1 basiert auf dem Peugeot 508 und dem Citroën C5 und soll ab Ende des Jahres in China verkauft werden.

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Citroën Aircross Concept

Studie Aircross gibt Ausblick auf neuen Citroën-Geländewagen

Quelle: dpa-tmn

Mit dem Cactus hat sich Citroën auf seine Stärke besonnen: Ebenso extravagante wie praktische Autos zu bauen, die sonst niemand bauen würde. Auch der Aircross besinnt sich auf diese Werte. Das SUV sieht aus wie ein freigeistiger Bruder des Range Rover Evoque und ist mit einer Höhe von 1,80 Meter sogar größer als der Audi Q5. Die Türen öffnen sich gegenläufig, eine B-Säule gibt es nicht. Im Inneren treffen grelle Farben auf eine Vielzahl von Ablagen. Ein zweiter Monitor lässt sich auf einer Schiene bis zum Beifahrer schieben, so dass der damit im Internet surfen kann.

Wichtigstes Technikmerkmal der Studie ist der mit einem 95-PS-Elektromotor kombinierte 1,6-Liter-Benziner. Arbeiten beide Motoren zusammen, liegt der Verbrauch laut Hersteller bei 1,7 Liter. Die Batterie des Plug-in-Hybrids soll es auf eine Reichweite von 50 Kilometer bringen. Gerade genug, um die staatliche Förderung in China zu erhalten.

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Volvo S60 Twin Engine

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Quelle: Volvo

Qualität, Sicherheit, Umweltfreundlichkeit: Nirgends sind die Regierungsauflagen für neue Autos so streng wie in China. Auch deshalb kristallisiert sich der Plug-In-Hybridantrieb auf der Shanghai Auto Show als entscheidender Trend heraus. Beispiel Volvo: Der S60 Twin Engine schafft es rein elektrisch auf knapp über 50 Kilometer. Der Elektromotor drückt den Benzinverbrauch auf 2,1 Liter pro 100 km/h. Basierend auf der bekannten Limousine mit längerem Radstand wird der S60 Twin Engine nicht nur in Chengdu in China gebaut, er bleibt auch dem dortigen Markt vorbehalten, wo er ab dem 22. April erhältlich ist. Ein Export in andere Teile der Welt ist nicht vorgesehen.

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Audi A6L e-tron

Audi A6L e-tron auf der Shanghai Motor Show 2015

Quelle: SOM

Auch der Audi A6L e-tron wurde eigens für die chinesischen Autokäufer konzipiert. Der Plug-in Hybrid besitzt einen verlängerten Radstand und kombiniert einen 245-PS-Verbrennungsmotor mit einem 124 PS starken Elektro-Triebwerk. Das soll den Verbrauch auf 2,2 Liter Kraftstoff senken. Rein elektrisch schafft es der A6L e-tron etwa 50 Kilometer weit und auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 135 km/h. Die Batterie ist innerhalb von zwei bis acht Stunden voll aufgeladen. Aufgrund des längeren Radstandes ist es unwahrscheinlich, dass der Plug-in Hybrid außerhalb Chinas auf den Markt kommt.

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Qoros 2 SUV Concept

Qoros 2 SUV Concept

Quelle: WGO

Noch vor einigen Jahren setzte man große Hoffnungen in Qoros. Es schien so, als könnte es diese chinesische Marke auch nach Europa schaffen. Für dieses Vorhaben kaufte man unter anderem den ehemaligen Mini-Designchef Gert Hildebrand und den VW-Manager Volker Steinwascher ein. Doch von Europa ist die Marke im Moment weit entfernt. Für die nächsten beiden Jahre ist eine Expansion laut Qoros-Chef Phil Murtaugh unwahrscheinlich.

Schade eigentlich, wenn man die 2-SUV-Studie betrachtet. Die langgezogenen Scheinwerfer erinnern an Mercedes-Modelle aus den Sechzigerjahren, der Antrieb ist natürlich ein Plug-in-Hybrid. Der wird allerdings nicht nur wie bei der Konkurrenz mit Kabel geladen, sondern auch induktiv. Das heißt, der Elektromotor gewinnt Energie, indem er auf einer speziellen Platte geparkt wird.

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Volkswagen C Coupé GTE

Volkswagen C Coupé GTE in Shanghai 2015

Quelle: dpa

Verbirgt sich hinter der Volkswagen-Studie C Coupé GTE (hier mit VW-Designer Klaus Bischoff) der Nachfolger des Phaeton, der sich in China großer Beliebtheit erfreut? Oder gibt er doch eher einen Ausblick auf ein Modell, das zwischen Passat und Phaeton angesiedelt und nur für den chinesischen Markt produziert wird? Fest steht jedenfalls, dass er einen Plug-In-Hybridantrieb besitzt. Der Verbrenner leistet 211 PS, der Elektromotor 124 PS. Tempo 100 soll das viertürige Coupé in 8,6 Sekunden erreichen. Nicht gerade ein sportlicher Wert für diese üppige Motorisierung.

Rein elektrisch ist eine Reichweite von 50 Kilometern möglich. Arbeiten beide Motoren zusammen, verbraucht der GTE laut Hersteller 2,3 Liter. Wie bei der Konkurrenz dürfte dieser Wert aber eher Wunschdenken sein. Im Inneren hält man sich dezent zurück. Nur das große konfigurierbare Display, dass anstelle des früher üblichen Kombiinstruments installiert wurde, lädt zum Spielen ein.

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McLaren 540C

McLaren 540C - Premiere in Shanghai

Quelle: STG

Die Chinesen entdecken langsam ihre Liebe zu Sportwagen. Und viel mehr Sportwagen als ein McLaren geht kaum. Der 540C feiert seine Weltpremiere in Shanghai und ist das Einstiegsmodell der Briten. Das kostet etwa 160 000 Euro.

Dafür bekommt man die von McLaren gewohnte Technik: Kohlefaser-Chassis, Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und einen 3,8-Liter-V8-Biturbomotor. Der leistet 540 PS und beschleunigt in 3,5 Sekunden auf Tempo 100. Der Normverbrauch liegt laut McLaren bei 11,1 Liter. Im Gegensatz zum leistungsstärkeren 570S Coupé legte McLaren bei der Entwicklung mehr Wert auf Komfort.

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Landwind X7

Landwind X7 - nur eine Range Rover Evoque Kopie?

Quelle: STG

Zum Abschluss doch noch eine Kopie aus China. Der Landwind X7 ist offensichtlich die Fernost-Variante des Range Rover Evoque, der ebenfalls auf der Shanghai Auto Show zu sehen ist. Beim Namen ließ man sich offensichtlich von BMW inspirieren, beim Preis nicht: Nur 17 700 Euro soll das SUV kosten. Zum Vergleich: Für den Evoque werden etwa 50 000 Euro fällig.

Die Briten zeigten sich wenig begeistert von dem SUV mit 190 PS starkem 2,0-Turbo-Benziner. Sie erwägen eine Klage gegen den chinesischen Hersteller wegen "Diebstahl geistigen Eigentums".

© Süddeutsche.de/reek/harl/dd
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