Luftverkehr:"Satz mit X"

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Passagiere vor den Abfertigungsschaltern des Flughafens Frankfurt/Main. (Foto: Boris Roessler/dpa)

Flughafenbetreiber Fraport hakt das Horrorjahr 2022 ab. Von nun an soll vieles besser werden und der Konzern verspricht: nicht noch einmal Chaos im Sommer.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Als es darum ging, das Jahr 2022 irgendwie in Worte zu fassen, sparten sich die Fraport-Vorstände blumige Umschreibungen. "Operativ, qualitativ: Satz mit X," so etwa Stefan Schulte, Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers. Und warum die Bodenverkehrsdienste trotz explosionsartig zurückgekehrter Nachfrage Verluste schrieben? Da hielt sich Finanzchef Matthias Zieschang auch nicht lange mit der detaillierten Ursachenforschung auf: "Hätte, hätte, Fahrradkette."

Klar, 2022 war das Jahr, in dem die Passagierzahlen nach Corona wieder um 97 Prozent gestiegen sind. Aber es war auch geprägt vom Chaos im Sommer, das Millionen Reisende traf: Verspätungen, abgesagte Flüge, verlorene Koffer, absurd lange Warteschlangen, die sich durchs Terminal wanden. Doch Schulte versprach bei der Jahrespressekonferenz seines Konzerns, 2023 werde zwar nicht alles perfekt, aber vieles besser.

Die Osterferien stehen vor der Tür, die Sommerferien sind auch nicht mehr fern und das Trauma des vergangenen Jahres wirkt nach: "Das darf auf keinen Fall wieder passieren," so Schulte, der wegen der Zustände und auch schon Jahre zuvor mit seinem Hauptkunden Lufthansa im Dauerclinch liegt. Lufthansa wirft Fraport seit Jahren vor, die Qualität am Standort zu vernachlässigen, zugleich aber extrem teuer zu sein. Die meisten der gerade neu bestellten Langstreckenflugzeuge werden in München stationiert.

Flüssigkeiten und Laptops dürfen im Handgepäck bleiben

Fraport sieht sich nun aber besser gerüstet. Anfang des Jahres hat das Unternehmen die Verantwortung für die Sicherheitskontrollen vom Bund übernommen. Die ersten sieben sogenannten CT-Scanner werden im Bereich A des Terminals 1 eingesetzt, dort wo die meisten Lufthansa-Flüge abgehen. Die Passagiere können ihre Laptops und Flüssigkeiten im Gepäck lassen. Nach 25 weitere solcher Geräte sind bestellt. Daher werde es bald "sehr oft überhaupt keine Wartezeiten mehr geben," zu Spitzenzeiten aber natürlich schon. "Extrem schwer" sei es weiterhin, genügend neue Mitarbeiter zu finden.

Was das angespannte Verhältnis mit Lufthansa angeht, wiegelt Schulte ab: "Wir sind deutlich besser in der Koordination auch mit Lufthansa als vor Corona." Das Verhältnis sei "gut, konstruktiv, sehr intensiv."

Fraport selbst geht es wirtschaftlich wieder deutlich besser. Der Umsatz ist 2022 um 49 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro gestiegen, der Gewinn lag bei 166 Millionen Euro. Er wäre doppelt so hoch ausgefallen, wenn Fraport nicht ein Gesellschafterdarlehen für den Flughafen St. Petersburg in Russlands sanktionsbedingt vollständig abgeschrieben hätte. Doch strukturell gibt es ein paar Probleme: Frankfurt lag 2022 bei nur 69 Prozent des Verkehrsniveaus von 2019, die Konkurrenz in Paris und London-Heathrow bei 76 Prozent und Madrid gar bei 82 Prozent. Im Sommer 2023 will Fraport auf 88 Prozent kommen. Aber der Flughafen leidet wie alle anderen Airports hierzulande darunter, dass die Billigfluglinien einen immer größeren Bogen um Deutschland fliegen: zu teuer, zu stark reguliert. Auch der innerdeutsche Verkehr "wird nicht mehr voll zurückkommen", so Schulte.

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