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Internetwährungen:Fünf Irrtümer über Libra

Kryptowährung Libra

Drei Wellen stehen für die virtuelle Währung Libra.

(Foto: Shutterstock)

Facebook sorgt mit einer Digitalwährung für Aufsehen. Das Netz-Geld soll global sein, stabil - und die Armen retten. Selbst Experten fallen auf die Werbesprüche des Konzerns herein.

Es klang so spielend leicht, was Facebook-Chef Mark Zuckerberg Anfang des Jahres als Vision verkündete: Geld überweisen? Das solle künftig so einfach sein, wie ein Foto zu senden. Das Musikabo einfach per Klick bezahlen, Freunden Geld für das letzte Mittagessen überweisen, bei Facebook mit nur einem Wisch den tollen Pullover kaufen. Die Digitalwährung Libra soll es möglich machen, schon im kommenden Jahr könnte es losgehen. Doch im Hype um das Geldprojekt gehen oft die Fakten durcheinander. Hier die fünf häufigsten Irrtümer.

Irrtum 1: Libra ist eine Facebook-Währung

Facebook-Geld, Zuckerberg-Dollar, oder blaue Dukaten: Die geplante Digitalwährung Libra hat viele Spitznamen. Streng genommen sind jedoch alle irreführend, denn hinter der Digitalwährung Libra steht nicht Facebook - zumindest nicht allein. Der Tech-Konzern hat Libra mit 27 anderen Partnern gegründet. In einem Konsortium wachen sie gemeinsam über Wohl und Wehe der Währung.

Mit dabei sind unter anderem Zahlungsdienstleister wie Visa und Mastercard, Techunternehmen wie der Fahrvermittler Uber und der Telekomkonzern Vodafone. Bereits im ersten Halbjahr 2020 soll die Zahl der Mitglieder im Konsortium auf etwa hundert anschwellen.

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Facebook ist zumindest auf den ersten Blick also nicht mächtiger als die anderen Partner. Im neuen Geld-Bund gilt schließlich der Grundsatz: Jeder ist stimmberechtigt. Zum ganzen Bild gehört jedoch, dass die Initiative zur Digitalwährung Libra im Hause Facebook entstanden ist. Außerdem wird das Unternehmen "im Verlauf des Jahres 2019 eine Führungsrolle behalten", heißt es im Prospekt zu Libra.

Irrtum 2: Libra hilft den Armen

Es klingt nach rührender Selbstlosigkeit: Facebook und Co. würden mit ihrer Währung den Armen ohne Konto helfen. "Ihnen das Leben leichter machen", so wurde die Mission von Libra im Eckpunktepapier definiert. Selbst ansonsten kritische Wirtschaftsinstitute und Bankvolkswirte teilen diese Einschätzung oft. Allein: Sie ist schwer zu glauben.

Laut Weltbank müssen weltweit derzeit 1,7 Milliarden Menschen ohne Konto leben. Eine Umfrage der Weltbank-Studienmacher zeigt: Zwei Drittel der Befragten ohne Konto gaben zumindest als einen Grund an, dass sie schlicht zu wenig Geld haben, das sie anlegen könnten. Ihnen wird also auch Libra nicht helfen. 30 Prozent meinen laut Weltbank-Statistik, sie bräuchten gar kein Konto. Auch ihnen brächte Libra nichts.

Die meisten Menschen ohne Konto leben zudem in China, Indien und Indonesien. Doch ausgerechnet in China ist Facebook verboten. Eine indische Regierungskommission arbeitet derzeit daran, Kryptowährungen im Land zu verbieten. Und in Indonesien dürfen Bürger zwar auf Handelsplattformen mit Kryptodevisen spekulieren. Aber Kryptocoins als Zahlungsmittel einzusetzen ist nicht erlaubt. "Ob Libra den Armen wirklich hilft, ist also fraglich", sagt Finanzprofessor Volker Brühl vom Center for Financial Studies. Zumal viele Menschen in Entwicklungsländern vor allem dem Bargeld vertrauen.

Irrtum 3: Libra ist eine sichere Währung

Immer wieder werben die Macher der Digital-Devise, wie stabil Libra in ihrem Wert sein werde. Denn wenn Nutzer für Euro, Yen oder Pfund Libra-Münzen kaufen, soll das herkömmliche Geld in eine Reserve wandern, eins zu eins. Das klingt nach Sicherheit: Am Ende wäre das herkömmliche Geld ja immer noch da. Doch die Probleme liegen im Detail.

Eine Garantie, dass Nutzer ihre Libra-Münzen jederzeit wieder in eine Staatswährung zurücktauschen können, gibt das Konsortium nicht. "Jeder kann in hohem Maß sicher sein, dass er seine digitale Währung zu einem Wechselkurs in ein lokales Zahlungsmittel umtauschen kann", schreiben die Libra-Macher. "In hohem Maße sicher"? Nach einer verlässlichen Zusage klingt das nicht.

Dazu kommt ein zweites Problem: Der Kurs von Libra soll sich an einem Währungskorb aus Dollar, Euro, Yen, Pfund und Singapur-Dollar orientieren, wie der Spiegel meldet. Zwar stimmt es, dass diese Währungen relativ stabil sind. Aber in gewissem Maße schwanken sie eben doch zueinander. Für Verbraucher im Euro-Raum heißt das: Der Wert von Libra wird gegenüber dem Euro schwanken. "Privatanleger werden so zu Währungsspekulanten", sagt Kryptoexperte Gilbert Fridgen von der Uni Bayreuth.

Irrtum 4: Libra ist eine Krypto-Devise

Das technische Grundgerüst der erklärten Weltwährung haben 52 Experten auf 29 Seiten skizziert. Und doch fragen sich viele Krypto-Spezialisten: Ist Libra am Ende ein einziger großer Etikettenschwindel? Denn es ist umstritten, wie viel "Krypto" wirklich in Libra steckt.

Auf der einen Seite sollen auch bei Libra Überweisungen von A nach B verschlüsselt sein. Aber da enden die Gemeinsamkeiten mit herkömmlichen Kryptowährungen wie Bitcoin bereits.

Vor allem orthodoxe Anhänger der Krypto-Bewegung monieren: Bei Libra haben circa zwei Dutzend Großkonzerne die Hoheit über das ganze Netzwerk, bei Bitcoin wiederum kann jeder das Netzwerk mitkontrollieren. Denn das technische Netzwerk hinter Bitcoin betreibt nicht eine zentrale Stelle wie eine einzelne Bank, sondern viele Nutzer gemeinsam. Etwa 11 000 dieser Nutzer stellen große Rechnerkapazitäten zur Verfügung und prüfen damit die Überweisungen im Netzwerk.

Bei Libra hingegen werden zunächst nur die 28 Gründungsmitglieder das Sagen haben und alle Überweisungen durchwinken. Wer in diese Riege der Libra-Verwalter stoßen will, muss mindestens zehn Millionen Dollar Eintrittsgebühr zahlen. Dezentral und für jeden offen, wie sich die Krypto-Puristen es vorstellen, ist das Netzwerk nicht. "Es ist ein Konsortium aus Konzernen", warnt Krypto-Experte Fridgen. Von den Idealen der Kryptobewegung sei nicht viel zu erkennen, monieren Experten, der Begriff Kryptowährung ein Etikettenschwindel. Libra wiederum verweist darauf, dass man das technische Netz in spätestens fünf Jahren für die Allgemeinheit öffnen wolle. Experten bezweifeln jedoch, ob das technisch möglich ist. Manche sagen: Libra habe mit herkömmlichen Kryptowährungen so viel zu tun wie Zentralbanker mit Goldwäschern.

Irrtum 5: Libra wird das neue Welt-Geld

Facebook und Co. wollen keine kleinen Brötchen backen. Von einer "globalen Währung" sprachen sie, als sie die Idee vorstellten, bereits im ersten Halbjahr 2020 solle es losgehen. Doch Experten erscheint das unwahrscheinlich. Finanzaufseher in den USA und Europa äußern sich zunehmend kritisch. Terrorfinanzierung? Anlegersicherheit? Einmischung in Geldpolitik? Auf all diese Sorgen brauchen die Libra-Macher Antworten. "Unter diesen Bedingungen können wir die Entwicklung von Libra auf europäischem Boden nicht zulassen", sagte kürzlich Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire. Ob Libra also tatsächlich rund um den Globus zugelassen wird, ist fraglich. "Wahrscheinlich starten sie erst mal in ganz wenigen Entwicklungsländern", sagt Krypto-Experte Volker Brühl. Von einer Welt-Währung wäre dann kaum noch die Rede. Auf Fragen der SZ hat die Libra-Association nicht reagiert.

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