Konjunktur:EU-Kommission senkt Wachstumsprognose erneut

Konjunktur: Ein Containerschiff wird an einem Terminal am Hamburger Hafen entladen. Im Jahr der erwarteten Zinswende blickt die EU-Kommission besonders skeptisch auf die Wirtschaft im Euroraum.

Ein Containerschiff wird an einem Terminal am Hamburger Hafen entladen. Im Jahr der erwarteten Zinswende blickt die EU-Kommission besonders skeptisch auf die Wirtschaft im Euroraum.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Besonders skeptisch blickt die Brüsseler Behörde auf die deutsche Wirtschaft: Sie dürfte 2024 nur um 0,3 Prozent wachsen - so langsam wie in keinem anderen Euro-Land.

Die EU-Kommission blickt im Jahr der erwarteten Zinswende skeptischer auf die Wirtschaft im Euroraum und rechnet zugleich mit einem Abflauen der Inflation. Die Brüsseler Behörde erwartet für die Staaten der Währungsunion 2024 einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von nur noch 0,8 Prozent, wie aus der am Donnerstag vorgelegten Winterprognose hervorgeht. Damit senkt sie ihre Prognose zum dritten Mal in Folge.

Im Herbst hatte sie noch ein Plus von 1,2 Prozent vorhergesagt. "Die im Jahr 2024 erwartete Erholung dürfte moderater ausfallen als vor drei Monaten prognostiziert", räumte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni ein. 2025 könne sich das Wachstum allerdings festigen und die Inflation bei einem Wert nahe am Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent landen.

Skeptisch blickt die Brüsseler Behörde auch auf die von einer Rezession bedrohte deutsche Wirtschaft: Sie dürfte demnach 2024 nur um magere 0,3 Prozent wachsen und damit so langsam wie in keinem anderen Euro-Land. Im Herbst hatte die EU-Kommission noch ein Plus von 0,8 Prozent veranschlagt. 2025 soll Europas größte Volkswirtschaft dann mit 1,2 Prozent deutlich stärker zulegen.

Geopolitische Spannungen und anstehende Wahlen bringen Risiken mit sich

Gentiloni wies ausdrücklich auf die Risiken für den Konjunkturausblick hin, die geopolitische Spannungen wie im Nahen Osten und auch "eine Reihe entscheidender Wahlen" mit sich brächten. Im November steht die US-Präsidentenwahl an, wobei es zum erneuten Duell zwischen Donald Trump und dessen Nachfolger im Weißen Haus, Joe Biden, kommen könnte. Als US-Präsident hatte Trump unter anderem Strafzölle auf Produkte aus der EU verhängt und einen Handelskrieg mit China angezettelt.

Die EU-Kommission veranschlagt in ihren Prognosen zugleich einen bereits im laufenden Jahr deutlich nachlassenden Preisdruck. Sie erwartet 2024 für Deutschland eine für den europäischen Vergleich berechnete Teuerungsrate (HVPI) von 2,8 Prozent, im November hatte sie noch 3,1 Prozent vorhergesagt. Im vorigen Jahr lag die HVPI-Inflationsrate hierzulande noch bei 6,0 Prozent. Für die Euro-Zone erwartet die Kommission für das laufende Jahr eine Inflation von 2,7 (Herbstprognose: 3,2) Prozent.

EZB-Vize Luis de Guindos mahnte jüngst auf dem Weg zu einer Zinswende zu Geduld. Die Europäische Zentralbank brauche noch mehr Daten, um sicherzugehen, dass die Inflation nachhaltig auf den Zielwert der EZB von zwei Prozent zurückgehe. Der Leitzins steht aktuell bei 4,50 Prozent - das höchste Niveau seit Beginn der Währungsunion 1999. An den Finanzmärkten wird darauf spekuliert, dass die Währungshüter im April oder spätestens im Juni die Zinsen senken werden.

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